Schaden von über 20.000 Euro

Mietnomade darf weiter kostenlos wohnen – im Knast

Reiner K. zu Freiheitsstrafe verurteilt: 22 Betrugsfälle gehen auf sein Konto

Kerstin Hense
Lesezeit 3 Min
Reiner K. wird von Vollzugsbeamten ins Gericht gebracht. Er verzieht keine Miene, blickt stur geradeaus.

Reiner K. wird von Vollzugsbeamten ins Gericht gebracht. Er verzieht keine Miene, blickt stur geradeaus.

© Olaf Wagner

Reiner K., ein gepflegter junger Mann mit Brille und kurz geschnittenen dunkelblonden Haaren, hellblauem Polohemd und beigefarbener Hose, wird von zwei Vollzugsbeamten in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht. Seine Miene ist regungslos, er widmet seinen Opfern keinen Blick. 

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Von Reue anscheinend keine Spur. Aber K. gesteht alle seine 22 Taten. Der 31-Jährige wohnte sechs Monate auf Kosten von Ehepaar Plack aus Friedrichshain, während sie in den Flitterwochen auf Weltreise waren, und schuldete Christoph N. (36) aus Lichtenberg ebenfalls drei Monatsmieten. Doch damit nicht genug: In 20 weiteren Fällen bestellte der dreiste Mietnomade in anderem Namen Waren im Internet. Gesamtschaden: 20.517 Euro. 

Mietnomade hinterging auch seine Verlobte

Besonders delikat: Reiner K. hinterging sogar seine Lebensgefährtin Martina L., der er nach ihren Aussagen kurz zuvor die Ehe versprach und der schon einen Verlobungsring ansteckte. 

Er kaufte eine Apple-Uhr, Jeans von Armani, Nike-Schuhe, Kopfhörer und teuren Whiskey, allerdings nicht für die Zukünftige selbst, sondern nur für sich allein, aber unter ihrer Identität. „Sie sind in einer Liebesbeziehung und und nutzen ihre Partnerin finanziell aus. Das ist ein immenser Vertrauensbruch“, sagt die Richterin.
Das Vertrauen erschlich sich Reiner K. bei all seinen Opfern, indem er sich als jemand anderes ausgab, als er wirklich ist. 

Die Geschädigten Sarah und Markus Plack.

Die Geschädigten Sarah und Markus Plack.

© Olaf Wagner

So präsentierte sich der gelernte Medientechniker, der auch mal zwei Semester Medizin an der Charité studierte, als erfolgreicher Anästhesist, obwohl er schon seit Jahren arbeitslos war und nur dann und wann Aushilfsjobs erledigte.
Dem Ehepaar Plack legte er vor Abschluss des Mietvertrags sogar eine Mietkostenübernahme seines angeblichen Arbeitgebers, einer renommierten Anästhesiepraxis in Charlottenburg, vor, die von ihm gefälscht war. 

Richterin über Mietnomaden: „Eine Bewährung wäre nicht gerechtfertigt“

Warum er so mies betrog? „Das ist ein bisschen schwierig“, sagt K., als ihn die Richterin nach seinen Beweggründen fragt. Er habe Geldsorgen und Angst vor Obdachlosigkeit gehabt. Um Hartz IV anzumelden, sei er zu stolz gewesen, berichtet K. „Aber dann braucht man keine Wohnung für 1.100 Euro anzumieten“, erwidert die Richterin. 

Jetzt bekam er die Quittung: Zwei Jahre Freiheitsstrafe. „Eine Bewährung wäre nicht gerechtfertigt“, so die Richterin. Auch im Hinblick auf Reiner K.s einschlägiges Vorstrafenregister und die fehlende Reue. 

Hintergrund: Reiner K. wurde vor vier Jahren schon einmal zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe wegen Fahnenflucht und zu einer Geldstrafe wegen Urkundenfälschung verurteilt, weil er einen Maserati mit gefälschten Papieren kaufen wollte.

„Sie sind ein Betrüger, wie er im Buche steht, und haben versucht, sich mit teuren Klamotten und Spirituosen größer zu machen, als sie sind“, erklärt gestern die Richterin. Sie sagt: „Ich habe nicht das Gefühl, dass sie es wirklich bedauern. Sie müssen da noch einmal ganz tief in sich gehen.“

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