Der Gärtner setzt einen Wassersprenger um, zieht den Schlauch über das Dach.
© Gerhard Lehrke
Queller, Austernpflanze (die Blätter schmecken tatsächlich wie die Muschel), See-Aster, Strand-Beifuß, Meerkohl, salzwasserresistente Kartoffeln aus den Niederlanden oder von den Kanaren: Seit dem Frühjahr, als das Dach des von über hundert Firmen besiedelten einstigen Fabrikgebäudes an der Goerzallee (Steglitz-Zehlendorf) saniert war, gedeihen hier verschiedenste Salzwiesenkräuter und Küstengemüse, die man zu würzigem Salat verwandeln, kochen, braten oder roh verzehren oder in Quark rühren kann.
Gärtner-Stolz: Andreas Frädrich mit seinen Dach-Kartoffeln. Dahinter stehen diverse Pflanzen, die er zieht, und für deren Zubereitung er Kochbücher anbietet.
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Gedüngt wird mit Seetang von der Ostsee. Andreas Frädrich: "Er fällt bei der Strandreinigung an, und man weiß dort eigentlich nicht, was man mit dem Tang anfangen soll." Gewässert wird mit Süßwasser, nur einmal im Monat wird "in homöopathischen Dosen" Meersalz ausgestreut. Frädrich ist von seinen Pflanzen sehr angetan: "Sie haben die Hitzewellen, als es hier oben 40 Grad hatte, gut überstanden." Unter dem sandig-lehmigen Boden von 20 Zentimetern, in denen sie wachsen, ist das Dach mit Dachpappe und mehrere Folien vor dem brackigen Wasser geschützt.
Simon (8) probiert beim Hoffest des Goerzwerks das Stehpaddeln aus. Der Hilfe des Coaches Leonhard (22) bedurfte er gar nicht, kam trocken aus dem Becken raus. Philipp Wilhelm (24) verkauft die niederländischen Bretter - teilweise sind sie aufblasbar - im Goerzwerk, verleiht sie auf dem Schlachtensee.
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Seit drei Jahren experimentiert Frädrich mit den Salzpflanzen, die er unter dem Etikett "Seafood" in der Kreuzberger Markthalle IX und auf dem Ökomarkt am Nordbahnhof feilbietet. Nicht ganz billig: Ein Kilogramm der niederländischen Kartoffelsorte "Miss Mignonne" kostet vier Euro, die Seebanane für den Salat acht Euro für hundert Gramm.
Raumausstattermeister Roman Römer (31) ist seit 2015 im Goerzwerk ansässig und begeistert von der Möglichkeit, mit einem Tischler, einem Schlosser und einem Messebauer kooperieren zu können.
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Der Gärtner stellte sich am Wochenende auch beim Hoffest des Goerzwerks vor, das gut besucht war, wollten doch viele Berliner wissen, was die Leute in dem einstigen Werk der optischen Industrie und späteren Sitz eines großen Schlüsselherstellers, der nur noch wenig Platz braucht, so alles tun.
Das Goerzwerk, das 1915 bis 1917 errichtet worden war.
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2015 hatte der Unternehmer Silvio Schobinger den riesigen Komplex übernommen, zum Platz für junge und kleine Unternehmen aller Art gemacht, vom Elektrotechniker bis zum Bierbrauer.
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