Zwei Großeinsätze gegen Berliner Unterstützer der Terrororganisation IS (auch ISIS genannt) innerhalb weniger Tage, ein Bombenalarm am Berliner Ostbahnhof, der sich allerdings als Fehlalarm herausstellte. Bei einer Razzia vom Dienstag in elf Wohnungen mutmaßlicher Helfer des "Emirs" von Berlin fanden die Ermittler zwar Datenträger, die Verbindungen zur Terrorgruppe in Syrien nahelegen, Quittungen für Nachtsichtgeräte und Flugtickets. Doch konkrete Hinweise auf Terror-Anschläge in Berlin oder anderen Orten Deutschlands: Fehlanzeige, so die Polizei.
Es gibt offenbar auch keine Verbindung der Berliner Terror-Unterstützer mit den "Charlie Hebdo"-Attentätern von Paris oder der Terror-Zelle in Belgien, die laut Polizei unmittelbar vor einem geplanten Anschlag auf Polizisten und andere öffentliche Ziele standen.
In Deutschland hatte zuletzt der Anschlag auf die Hamburger Morgenpost für Aufsehen gesorgt, die, wie der Berliner KURIER, Karikaturen des Satiremagazins "Charlie Hebdo" nachgedruckt hatte. Zwei Männer werden verdächtigt, Steine und einen Brandsatz gegen das Verlagsgebäude geschleudert zu haben. Teile des Archivs gingen bei dem Anschlag in Flammen auf. Seit diesem Anschlag steht auch der Berliner Verlag, in dem der KURIER erscheint, unter Polizeischutz.
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Die Sicherheitsbehörden beobachten die Szene militanter Islamisten seit Jahren, dennoch sind die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zu Untergrund-Aktivitäten einzelner Terrorzellen lückenhaft. Das erzeugt in der Öffentlichkeit ein Gefühl der Unsicherheit. So kursieren seit einiger Zeit im Internet Zahlen von angeblich mehr als 43.000 gewaltbereiten Islamisten in Deutschland. Diese Zahl geht tatsächlich auf einer Erfassung des Verfassungsschutzes zurück, allerdings ist die überwiegende Mehrzahl der gelisteten 43.190 Islamisten (Stand 2013) laut Verfassungsschutz eben nicht gewaltbereit.
Allein 31.000 dieser Islamisten gehören zu der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, die zwar antisemitisch, antidemokratisch und antiwestlich ausgerichtet ist. Die Verfassungsschützer sehen bei den Anhängern aber ein geringes Gewaltpotenzial.
Problematischer ist der Umstand, dass den Verfassungsschützern keine gesicherten Zahlen vorliegen, wie viele Kämpfer solcher Terrororganisationen wie Al-Kaida oder dem kurdischen Netzwerk AAI im deutschen Untergrund agieren.
Im Fokus der Verfassungsschützer sind etwa in Berlin lebende 620 Salafisten - ultrakonservativen Islamisten, die den Westen, Demokratie, Emanzipation und alles andere, was eine freie Gesellschaft ausmacht, ablehnen. 330 dieser
radikalen Islamisten hält Behördenchef Bernd Palenda für gewaltorientiert.
Auf der nächsten Seite: Wie gefährlich sind die Dschihad-Rückkehrer?
Alarmierend: Die Zahl der Berliner Salafisten hat sich seit 2011 nahezu verdoppelt, die Zahl der Gewaltbereiten mehr als verdreifacht. Von 80 dieser Salafisten wissen die Sicherheitsbehörden, dass diese in den vergangenen Jahren nach Syrien oder in den Irak gereist waren, um dort im Bürgerkrieg mitzukämpfen oder Terrororganisationen logistisch, finanziell oder propagandistisch zu unterstützen. Eine einstellige Zahl dieser Dschihadisten aus Berlin wurde nach Stand vom November 2014 im Krieg getötet.
Von diesen Rückkehrern - eine kleine zweistellige Zahl der Berliner Dschihadisten ist zurückgekehrt - geht offenbar eine diffuse Gefahr aus. Wie groß diese Gefahr tatsächlich ist, bleibt aber umstritten, denn unter den Rückkehreren gibt es enttäuschte und traumatisierte Kämpfer.
Auf der nächsten Seite: Schickt der IS Terror-Rückkehrer nach Deutschland?
In einem Interview mit dem Publizisten Jürgen Todenhöfer äußerte sich der deutsche IS-Kämpfer Christian Emde verächtlich über diese Abtrünnigen. Der derzeitige Fokus des IS liegt auf Syrien und Irak. Zwar drohte Emde, der IS werde auch Deutschland und Europa angreifen, aber das sind zunächst einmal große Worte, für die die Behörden derzeit keine konkreten Anhaltspunkte haben.
Besser ins aktuelle Bild passen Rückkehrer, die hier neuen Nachwuchs anwerben wollen - was allerdings keine unmittelbare Gefahr für Berlin und Deutschland bedeuten würde. Am meisten Sorgen bereiten den Terror-Experten diejenigen, die weiterhin gewaltorientiert sind und möglicherweise Anschläge in Deutschland planen. Mindestens ebenso wahrscheinlich ist aber, dass mögliche Terroristen in Deutschland nicht vom IS, sondern von anderen Organisationen wie Al Kaida gesteuert werden - wie die Attentäter von Paris. Diese wurden vom Jemen-Ableger Al Kaidas zu Kampfmaschinen ausgebildet.
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