Nach dem WM-Sieg lassen sich S-Bahn-Bauarbeiten offenbar besser ertragen. Fußballfans strandeten am Morgen bei Kundenbetreuer Marco Heidemann am Bahnhof Zoo: „Kein Problem“, sagt er, „die haben ja alle gute Laune!“
Am Bahnhof Friedrichstraße der morgendliche Berufsverkehr. Doch das Chaos blieb aus. Mit Bussen werden Fahrgäste über Hauptbahnhof zum Zoologischen Garten gefahren. Kaum Warteschlangen, keine überfüllten Busse. „Es ist ungewöhnlich ruhig“, erzählt Bahn-Mitarbeiter Bernd Welsch, „aber die Busse fahren auch alle drei Minuten.“ Seit 6 Uhr ist er im Einsatz, weist Fahrgästen den Weg. Seine Kollegin ergänzt: „Viele Leute sind auf Regionalzüge umgestiegen. Und mit den Bussen klappt es ganz toll!“
"Wir werden eher gefragt, wie man zum Kanzleramt kommt", erzählt Thomas Hintze (30, li.). Er und Mistral Nembot (23) stehen als Scouts am Hauptbahnhof für Fragen auf Englisch und Französisch bereit.
© Sabeth Stickforth Lizenz
Vitalik Tregubov (25) war nur übers Wochenende in Berlin, besuchte Freunde. Der Weißrusse wurde von der Sperrung überrascht, ist verzweifelt. „Wie komme ich jetzt zum meinem Zug am Hauptbahnhof?“
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Marco Heidemann (39) bringt ratlose Fahrgäste fast bis zu ihrem Platz im Bus. Oder er schaut, ob der Regionalzug schneller ist. „Touristen nehmen lieber den Bus, so sehen sie gleich was von Berlin“, sagt er lachend.
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Trotz längerer Fahrzeit sind die meisten Gäste entspannt. „Wir Busfahrer müssen sonst den Ärger ausbügeln, aber hier ist es ruhig“, erzählt Busfahrer Walter F. (63) erleichtert. „Viele haben auch Urlaub“, vermutet er.
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Sie zeigt den Fahrgästen, wie sie mit dem Bus vom Bahnhof Friedrichstraße zum Zoo kommen. „Der erste Tag ist der schlimmste, die Leute müssen sich erst zurechtfinden“, sagt Kundenbetreuerin Carla S. (54).
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Katja Heinecke (55) aus Pankow hat Verständnis für die Sperrung: „Irgendwann muss es ja gemacht werden.“ Außerdem sei gut informiert worden, „die ganze Woche schon wurden in den Zügen Pläne verteilt“, lobt sie.
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„Fahren die Busse auch um 0.15 Uhr?“, fragt Verkäuferin Ramona Hoffmann (re., 41) aus Charlottenburg. Sie arbeitet bis nachts im Hauptbahnhof. „Ich muss mich jetzt durch die Pläne kämpfen“, sagt sie genervt.
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Die meisten Fahrgäste sind über die Sperrung informiert, umfahren die Strecke. Durch die Ferienzeit sind ohnehin weniger Menschen mit der S-Bahn unterwegs. Und die, die von den Bauarbeiten überrascht wurden? Bleiben entspannt. Lediglich Touristen stehen hilflos vor den Schildern. „Ich habe nichts verstanden“, beklagt Vitalik Tregubov aus Weißrussland.
Im Bus Richtung Hauptbahnhof ein paar genervte Blicke, ansonsten ist es ruhig. Dabei dauert die Fahrt mehr als doppelt so lange wie mit der S-Bahn. „Ich staune, es gab noch keine Beschwerden“, erzählt ein Busfahrer.
Am Bahnhof Zoo das gleiche, entspannte Bild. Bei Fragen gibt’s Hilfe von Marco Heidemann. „Ich dachte, der erste Tag wird chaotisch – gar nicht“, sagt der Kundenbetreuer lachend. Für die sechswöchigen Bauarbeiten werden die S-Bahn-Mitarbeiter von sogenannten Scouts unterstützt, die bei fremdsprachigen Fragen helfen. Einer ist Thomas Hintze. „Der große Teil will nur wissen, wo der Bus abfährt“, erzählt er, „und alle sind freundlich. Vielleicht, weil Deutschland Weltmeister geworden ist.“
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