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Spionage-Alarm

Russisches Haus: So einfach ist es für Putins Agenten, in Berlin zu spionieren

Das Russische Haus steht unter Spionageverdacht. Die Warnung kommt zu spät. Laut Verfassungsschutz ist Berlin schon lange Spielwiese für Putins Spione.

Foto von Autor/Autorin: Norbert Koch-Klaucke
Aktualisiert am Lesezeit 5 Min
Das Russische Haus in der Friedrichstraße: Sind hier Putins Spione?

Das Russische Haus in der Friedrichstraße: Sind hier Putins Spione?

© Peter Meißner/Imago

Wand an Wand mit dem Verdacht: Seit ein paar Wochen sitzt eine  Außenstelle des Bundesdigitalministeriums direkt neben dem Russischen Haus an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Genau an jener Adresse, die seit Jahren unter Spionageverdacht steht. Die Aufregung ist groß. Dabei ist Berlin schon längts ein Tummelplatz für Putins Spione. Das zeigt auch ein Bericht des Berliner Verfassungsschutzes.

Zahlen, die aufhorchen lassen

Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen. Der Berliner Verfassungsschutzbericht für 2025, veröffentlicht am 3. Juni 2026, zeigt einen Anstieg in jedem beobachteten Bereich: 1.480 Personen im rechtsextremen Spektrum (2024: 1.450), 3.950 im linksextremen (2024: 3.800), 2.590 im islamistischen (2024: 2.440).

Für Spionage nennt der Bericht keine Personenzahl, aber eine klare Einordnung: „hohes Gefährdungspotenzial“ durch Spionage, Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation – Hauptakteure seien Russland, China, Iran und die Türkei. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) nennt die Entwicklung „besorgniserregend“.

Kreml-Chef Wladimir Putin. Seine Spione haben Berlin viel zu tun.

Kreml-Chef Wladimir Putin. Seine Spione haben Berlin viel zu tun.

© Kristina Solovyova/dpa

Schon 2017 fiel das Wort „Spionage-Hochburg“

Neu ist die Sorge nicht. Schon im Mai 2017 nannte der damalige Berliner Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) die Hauptstadt einen „echten Spionage-Hotspot“, eine „echte Spionage-Hochburg“ – wegen der mehr als 150 Botschaften, die hier residieren.

Drei Jahre später wurde der damalige Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang noch deutlicher: „Berlin ist seit einiger Zeit Hauptstadt der Spione“, sagte er im Juni 2020 vor dem Kontrollgremium des Bundestages. Das Niveau der Spionage gegen deutsche Interessen liege auf dem Stand des Kalten Krieges – „oder sogar darüber“.

Eine Frau mit falscher Identität

Was das praktisch bedeutet, zeigen die Fälle der vergangenen Monate. Am 21. Januar 2026 durchsuchte das BKA in Berlin die Wohnung von Ilona W., einer Frau mit deutscher und ukrainischer Staatsangehörigkeit. Seit spätestens November 2023 soll sie Kontakt zur russischen Botschaft gepflegt haben.

Sie soll unter falscher Identität politische Veranstaltungen besucht haben, um Kontakte zu knüpfen. Weitergegeben haben soll sie Informationen zu Rüstungsstandorten, Drohnen-Infrastruktur und geplanten Drohnenlieferungen an die Ukraine – teils von zwei früheren Bundeswehr-Mitarbeitern zugespielt.

Der nächste Spionage-Fall kam im Frühjahr

Ende April 2026 nahm das BKA einen weiteren Verdächtigen fest: Sergej K., kasachischer Staatsangehöriger. Laut Generalbundesanwaltschaft soll er seit Mai 2025 einem russischen Geheimdienst Fotos von Berliner Gebäuden und Militärkonvois geliefert haben – dazu Informationen über deutsche Drohnen- und Roboterhersteller. Er bot demnach sogar an, weitere Personen für Sabotageakte anzuwerben.

Polizisten führen einen Verdächtigen ab (Symbolbild).

Polizisten führen einen Verdächtigen ab (Symbolbild).

© Monika Skolimowska/dpa

Beide Fälle stehen in einer Reihe mit älteren Fällen aus den Vorjahren:  Im April 2022 erklärte die damalige Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) 40 Mitarbeiter der russischen Botschaft zu unerwünschten Personen. Laut Senat arbeiteten dort Agenten der russischen Geheimdienste FSB, SWR und GRU.

Russischen Haus als Unterschlupf für Spione?

Auch das Russische Haus Haus taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Französische Sicherheitsbehörden vermuten laut Medienberichten, es diene Geheimdiensten als Tarnung. Ein Verdacht, der bislang nicht bewiesen ist.

Das Russische Hausan der Friedrichstraße. In direkter Nachbarschaft ist jetzt ein Bundesministerium gezogen.

Das Russische Hausan der Friedrichstraße. In direkter Nachbarschaft ist jetzt ein Bundesministerium gezogen.

© Jürgen Ritter/imago

Belegt sind dagegen zwei Vorfälle mit klarer Propaganda-Schlagseite: Am 26. Oktober 2022 zeigte das Haus ein Propagandafilm des russischen Staatssenders RT. In der „Der Holocaust: Fäden des Gedenkens“, der Ukrainer als Nazis verunglimpft. Im Mai 2025 fand dort eine Veranstaltung mit Putin-T-Shirts und Bannern wie „Die Krim ist russisch“ statt.

Mit Spionage im engeren Sinn hat das nichts zu tun – wohl aber mit der Frage, wessen Kurs das Haus fährt. Seit 2022 steht die Trägerorganisation Rossotrudnitschestwo auf der EU-Sanktionsliste. Ein Münchner Verwaltungsgericht bestätigte 2025, dass auch das Berliner Haus darunterfällt (Urteil nicht rechtskräftig). Ob das Haus auch für Putins Spione eine Heimstatt ist, lässt der aktuelle Berliner  Verfassungsschutzbericht offen.

Trotz Warnungen: Ministerium zieht neben Russisches Haus

Trotz all dieser Warnungen hat sich am Umzug nichts geändert: Seit dem 1. Juli 2026 sitzt die Außenstelle des Digitalministeriums nur wenige Meter entfernt vom Russischen Haus – mit Zuständigkeit ausgerechnet für Telekommunikationssicherheit und Cybersicherheit.

Burkhard Dregger, Berliner Innenexperte der CDU, gehört zu den Befürwortern der Schließung des Russischen Hauses. Er gt dem KURIER: „Russische Spionage ist ein großes Thema geworden. Ob die Schließung des russischen Hauses ein wirksames Gegenmittel ist, wird von nicht Wenigen bestritten. Schließlich kann man die Aktivitäten dort konzentriert beobachten.“

Die Stimmen, die eine Schließung des Russischen Hauses fordern, werden lauter. Ob eine Schließung Putins Spione tatsächlich stoppen würde, bleibt ohnehin offen. So offen wie die Antwort auf die Frage, ob Putins Spione auch hinter dem jüngesten Hacker-Angriff auf die Berliner Verwaltung stecken.

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