Laurel Halo
Als Laurel Halo 2012 ihr Debüt-Album „Quarantine“ herausbrachte, war es für die damalige amerikanische Computer-Kult-Zeitschrift „The Wire“ das Album des Jahres. Die 1985 in Ann Arbor in Michigan geborene Meisterin elektronischer Musik lebt und arbeitet seit 2013 in Berlin. Die 30 Minuten von Laurel Halos neuester Arbeit „Raw Silk Uncut Wood“ aus dem Jahr 2018 sind im Internet abzurufen. Nur etwas über 15.000 haben das bisher getan. Ein Thomas Lefebvre kommentiert: „Cosmique! Magnifique“. 2012 schrieb der Kollege Jens Balzer über sie: „Die tollste Singer/Songwriter-Platte, die Sie in diesem Frühjahr zu hören bekommen, stammt von einer 25-jährigen Laptopvirtuosin aus Brooklyn.“
Elena Krawzow
Die paralympische Athletin Elena Krawzow
© imago/Camera 4
Elena Krawzow, geboren 1993 in Kasachstan, gewann bei den Paralympics 2012 in London die Silbermedaille über 100 Meter Brust. Ein Jahr später wurde sie Weltmeisterin. 2005 war sie nach Deutschland gekommen. Schwimmen lernte sie erst im Jahr darauf. Eine Blitzkarriere also. 2015 schloss die nahezu blinde Elena Krawzow ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin ab und zog um nach Berlin.
Emmanuelle Charpentier
Emmanuelle Charpentier bei der Ehrung und Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2019.
© imago images/Sven Simon
Die 1968 in Frankreich geborene Emmanuelle Charpentier ist Mikrobiologin, Genetikerin und Biochemikerin. Sie leitet in Berlin die „Max Planck Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene“. Sie erforscht die Fähigkeit bakterieller Krankheitserreger, sich selbst gegen fremdes Erbgut zu verteidigen. 2012 veröffentlichte sie zusammen mit Jennifer Doudna ihre Entwicklung der CRISPR/Cas-Methode, durch die gezielte Eingriffe in die DNS möglich sind, den Träger der Erbinformationen. 2015 war das für die Fachzeitschrift „Science“ der entscheidende wissenschaftliche Erfolg des Jahres.
Bienen
Eine kleine Gartenblattschneiderbiene auf einer lila Blüte.
© imago images/Peter Widmann
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Berliner Honigbienenvölker verdoppelt. Es sind jetzt zehntausend Völker mit etwa 50.000 Honigbienen pro Volk. Wer dachte, das sei eine gute Nachricht, dem muss man erklären, dass das sehr auf den Gesichtspunkt ankommt. Für die Wildbienen zum Beispiel ist das eine verheerende Bilanz. Wildbienen sind eher bodenständig, bewegen sich nicht weit weg von ihrem Standort. Während Honigbienen viele Kilometer zurücklegen und einsammeln, was sie nur können. Honigbienen zapfen auch die Nahrungsquellen der Wildbienen an. Der Sieg der Honigbienen führt also so gesehen zum Untergang der Wildbienen. Aber es gibt auch „entgegenwirkende Tendenzen“. Durch die Bevölkerungsexplosion der Honigbienen wächst in deren Völkern die Gefahr von Seuchen. Damit wäre dann freilich weder den Wildbienen noch den Imkern geholfen.
Hartmut Bäumer
Hartmut Bäumer verklagte mit anderen Audi wegen seiner manipulierten Software.
© Benjamin Pritzkuleit
Der 1948 in Siegen geborene, seit vielen Jahren in Berlin lebende Jurist und Grünen-Politiker Hartmut Bäumer ist seit dem 15. Juni 2019 Vorsitzender von Transparency International. Aber darum steht er nicht in unserem Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. Er ist Besitzer eines Audi und er gehört zu denjenigen, die den Konzern wegen seiner manipulierten Software verklagt haben. Er tat das vor fast drei Jahren. Anfang Dezember gab es ein Urteil in seinem Verfahren durch das Landgericht Berlin. Audi wurde zum Schadensersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) verurteilt. Das ist die erste Instanz. Die betrügerischen Abgas-Manipulationen der Automobilkonzerne beschädigen das Image von „Made in Germany“ ganz allgemein. Die schleppende, ja verschleppende Art und Weise, wie die deutsche Politik und manche deutschen Gerichte damit umgehen, schüren die Zweifel am Rechtsstaat. Der Kampf geht weiter.
Sesede Terziyan
Schauspielerin Sesede Terziyan bei einem Pressetermin 2019.
© imago images/Metodi Popow
Sesede Terziyan feierte am 9. September 2010 einen bis heute andauernden Triumph in „Verrücktes Blut“. In dem Stück spielt die 1981 in Nordenham geborene Tochter armenischer Eltern eine deutsche Lehrerin, die ihren Migrantenschülern den deutschen Lehrplan einpauken möchte. Sie scheitert. Hier schafft sich Deutschland nicht ab, sondern wird vor den Augen begeisterter Theaterbesucher neu geboren. Auch Sesede Terziyan ist inzwischen Mutter geworden. Am 3. und am 4. Januar kann man sie im Gorki-Theater wieder einmal in ihrer Paraderolle bewundern.
Astrid Lurati
Astrid Lurati bei einer Pressekonferenz im Jahr 2016.
© imago/Christian Ditsch
Astrid Lurati ist seit dem Mai 2018 im Vorstand der Charité für die Finanzen zuständig. Davor war sie mehr als zehn Jahre Leiterin des Geschäftsbereichs Finanzen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 1966 geboren, studierte Lurati in Hamburg Betriebswirtschaft und hat einen Master of Pharmaceutical Medicine der Universität Witten Herdecke. Sie arbeitete bei verschiedenen Banken und bei Bayer. Die Charité ist mit 17500 Angestellten Berlins zweitgrößter Arbeitgeber nach Deutscher Bahn vor dem Vivantes-Krankenhauskonzern mit über 16000 Mitarbeitern. Die größte Gruppe der berufstätigen Berliner arbeitet also im Gesundheitssektor. Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim (re.) bei einer Premiere in Berlin.
© imago
2019 erhielt der 1942 in Riga geborene Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, den wir alle nur als Rosa von Praunheim kennen, den Jury-Preis der Autorentheatertage am Deutschen Theater für „Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs“. Das Stück soll am 20. Juni 2020 im Rahmen der Langen Nacht der Autor_Innen im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt werden. 1971 gab er mit seinem Dokumentarfilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ den Startschuss für die politische Schwulen- und Lesbenbewegung in der Bundesrepublik. 1953 war seine Familie aus dem brandenburgischen Teltow-Seehof in den Westen geflüchtet. Im Frankfurter Stadtteil Praunheim verbrachte er ein paar Jugendjahre – daher der Name. Seit mehr als 50 Jahren lebt er in Berlin.
Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin während einer Pressekonferenz zu seinem Buch "Deutschland schafft sich ab".
© imago images/Charles Yunck
Mit diesem Buch und mit seinem Autor, dem Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin, geboren 1945 in Gera, begannen in Deutschland die Zehnerjahre des 3. Jahrtausends. Viele Monate lang stand es auf Platz 1 der Bestsellerliste. Sarrazin verlor damals sehr schnell seinen Posten im Bundesbankvorstand. Mitglied der SPD ist er noch immer. 2015 eroberte der Bonner Förster Peter Wohlleben und dessen Buch „Das geheime Leben der Bäume“ die Bestsellerlisten. Mit einem Schlag hatte Deutschland weltweit dann doch wieder ein freundliches Gesicht.
Angela Merkel
Angela Merkel im Bundestag.
© AP
2015 war auch das Jahr der sogenannten Flüchtlingskrise. „Wir schaffen das“ erklärte damals Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das war ein großes Wort. Es wäre schön gewesen, ihm wären Taten gefolgt. An Unterstützung dafür hatte es 2015 nicht gefehlt. Ein historischer Augenblick,
den die 1954 in Hamburg geborene Wahlberlinerin grandios verspielte.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com