Rückblick

Die 10 peinlichsten Berliner des Jahrzehnts

Das Stadtmagazin Tip kürt jedes Jahr den nervigsten Berliner - Ein Blick zurück.

BK
Lesezeit 7 Min

Attila Hildmann, Vegan-Koch

Kochbuch-Autor Attila Hildmann

Kochbuch-Autor Attila Hildmann

© dpa

Der Vegan-Gastronom und Kochbuch-Autor Attila Hildmann (38) schaffte es auf die Liste der peinlichsten Berliner, weil er nicht nur im Braten fleischloser Burger ein Ausnahmetalent ist – sondern leider auch im aggressiven Rumnerven. Beispiel: Nachdem ein einzelner Restaurantkritiker es gewagt hatte, die Qualität des Essens in Hildmanns Lokal anzuzweifeln,  lud der Koch zum Journalisten-Testessen. Bei Missfallen versprach Veganer Hildmann, ein Steak zu futtern. Doch statt dieses in die Pfanne zu legen, karrte er ein Kälbchen an, dass die Journalisten schlachten sollten. „Da hatte sich einer dann endgültig bis auf die Knochen blamiert“, urteilte das Stadtmagazin Tip. Es kürte den „Wirrganer“ Hildmann zum peinlichsten Berliner 2017.  Hildmanns PR-Masche gilt Experten als  Beispiel für „Wut-PR“. 

Beatrix von Storch (AfD)

Beatrix von Storch

Beatrix von Storch

© imago/Sven Simon

Die Frontfrau der Rechtspopulisten glaubt nicht an den Klimawandel und die drohende Klimakatastrophe. Sie sei, so urteilte das Stadtmagazin Tip im Jahr 2018, aber selbst so etwas wie „eine Katastrophe“ – und zwar „nicht nur für das politische Klima“. Das bemerke man etwa am aggressiven Tonfall der Berlinerin – vor allem, wenn sie sich mal wieder auf Twitter über „#Klimakrisen-Gekreische“ aufrege. Sonst muss man über Beatrix von Storch (48) noch wissen, dass sie von Computern keine Ahnung hat. Als im Bundestag neue Computerkabel verlegt wurden, twitterte die AfD-Vize-Fraktionschefin höhnisch: „Der Deutsche Bundestag kommt langsam auf Augenhöhe mit #Kongo .“ Konkret erwähnte sie neue „Wireless-Kabel“, ohne zu merken, dass das ein Widerspruch in sich ist. „Wireless“ heißt kabellos.  

Mario Barth

Comedian Mario Barth 

Comedian Mario Barth 

© imago/STAR-MEDIA

Manche Menschen finden Comedian Mario Barth (47)schreiend komisch. Das sei ihnen von Herzen gegönnt. Es gibt aber auch Leute, die empfinden seine Späße auf Furzkissen-Niveau als Folter. Bei Mario Barth haben Frauen grundsätzlich „Hupen“, können nicht einparken und gehen gemeinsam aufs Klo. Männer haben einen „Pipimann“, können einparken und furzen auf dem Klo. Seine Standard-Sprüche „Kennste, wa, kennste?“ und „jaanz wichtich!“ werden von vielen Fans kopiert, aber das macht sie nicht lustiger. Die Redaktion des Stadtmagazins Tip kürte Mario Barth 2016 zum peinlichsten Berliner des Jahres. Er hatte die Negativ-Auszeichnung  schon 2008 erhalten. Aber 2016 kam erschwerend hinzu, dass er fast auch noch Politiker geworden wäre. Eine Gaga-Truppe namens „Die Barthei“ warb für Barth als Bundespräsidenten. 

Sandra Scheeres (SPD)

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)

© picture alliance / dpa

Auch das zu Ende gehende Jahr 2019 brachte einen peinlichsten Berliner hervor – Sandra Scheeres (SPD). Die Schulsenatorin habe den Titel stellvertretend für die anhaltende Berliner Bildungsmisere verdient, urteilte das Stadtmagazin Tip. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sei die SPD im Berliner Senat für Schule und Bildung zuständig, die acht Jahre unter Scheeres reihten sich nahtlos in diese verlorenen Jahre des Versagens ein. Der Tip schreibt: „Die mathematische Kompetenz, zu ermitteln, wie viele Kitaplätze, Erzieher oder Lehrer Berlin braucht, hat man in der Behörde von Sandra Scheeres leider nicht. Deshalb herrscht ein einfaches Prinzip: Es gibt von allem zu wenig.“ Die Schulen seien heute nur noch dann erfolgreich, wenn sich die Eltern dahinterklemmen und den Kids Druck machen: „Zähneputzen, pauken und ab ins Bett.“

Monika Herrmann (Grüne)

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.

© picture alliance / dpa

Es scheint, als könne in Friedrichshain-Kreuzberg jeder Tunichtgut machen, was er will. Die Drogen-Dealer vom Görlitzer Park etwa – und seinerzeit auch die Besetzer der Gerhart-Hauptmann-Schule. Die Schuld  an dem nachlässigen Butterweich-Kurs der Bezirkspolitik  rechnen viele Beobachter der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) zu. Die Rathauschefin lasse „die Dinge gerne laufen, zur Not auch aus dem Ruder“, urteilte der Stadtmagazin Tip. Es  kürte Herrmann zur peinlichsten Berlinerin 2014. Denn: „Leider ist es so, dass sich die Bürgermeisterin für alles nicht so richtig verantwortlich zeigen wollte.“ Gern schiebe sie dem Senat die Schuld zu – und  am liebsten dem damaligen Innensenator Frank Henkel (CDU).  Auffällig sei an Herrmann auch ihre „Hyperaktivität in sozialen Netzwerken“.

Bushido

Rapper Bushido

Rapper Bushido

© imago/Mauersberger

Mit dem Berliner Rap-Großmaul Bushido (41) ist grundsätzlich nicht gut Kirschen essen. Aber  Anis Mohamed Youssef Ferchichi, wie er bürgerlich heißt, hat seine Proll-Höhen und Proll-Tiefen. Im Jahr 2013  fiel er durch Steuerhinterziehung und Anzeigen unter anderem wegen seines Lieds „Stress ohne Grund“ auf. Und dann brannte auch noch medienwirksam seine Bude in Kleinmachnow. Kritiker stellten fest, dass Bushido im Grunde nicht mehr drauf habe als Primitiv-Sätze wie  „Ich f*** deine Mutter“. Das Stadtmagazin Tip wählte den Rapper  zum peinlichsten Berliner 2013. Er habe sich „mit gewaltverherrlichenden Texten auf Schulhof-Niveau hervorgetan“, die ihm als Familienvater wenig zu Gesicht stünden. Im Laufe seiner Karriere gerieten Bushidos Texte auch schon unter Antisemitismus-Verdacht.

Klaus Wowereit (SPD)

Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister von 2001 bis 2014.

Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister von 2001 bis 2014.

© dpa

Die  gescheiterte BER-Eröffnung verhalf „Bruchpilot“ Klaus Wowereit   (66, SPD) im Jahr 2012 zum Titel des peinlichsten Berliners. „Prima. Sauber hingekriegt, Herr Wowereit“, ätzte das Stadtmagazin Tip. „Berlin verbreitet wieder Frohsinn. Über die Hauptstadt lacht das Land. Beim wievielten Flughafeneröffnungstermin waren wir gleich? ... Große Pläne, große Klappe.“ Hintergrund: Wowereit war zu diesem Zeitpunkt nicht nur Regierender Bürgermeister, sondern seit Oktober 2003 auch einer von vier Vertretern des Landes Berlin im Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. 2006 hatte er den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Wegen des Chaos um die BER-(Nicht-)Eröffnung trat Klaus Wowereit am 7. Januar 2013 als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft zurück. 

Michael Braun (CDU)

Im Jahr 2011 gab es nur einen ernsthaften Bewerber um den Titel des peinlichsten Berliners: Michael Braun, 12-Tage-Justizsenator von der CDU. Länger hielt er sich nicht im Amt, denn es gab schwere Vorwürfe gegen ihn. Die Opposition und Verbraucherschützer warfen ihm vor,  als Notar mit Unternehmen gearbeitet zu haben, die mit dubiosen Methoden sogenannte Schrott-Immobilien verhökern. Braun wies die Vorwürfe zurück, auch der Regierende Wowereit verteidigte ihn. Aber es half nichts. Bei seinem Abgang nahm Braun 50 000 Euro Übergangsgeld mit und folgte damit nach Ansicht des Stadtmagazins Tip dem Grundsatz: „Ein Notar verzichtet nie auf Gebühren. Schon gar nicht aus moralischen Gründen.“ Der Mann scheine, so der Tip,  nichts von Moral zu halten. Er sei einfach nur der „Schrottsenator“.

 „Maserati-Harry“

Dumm geguckt, dummes Zeug geredet oder dumm rumgestanden: Im Jahr 2010 reichte das nicht, um auf der Liste der peinlichsten Berliner ganz oben zu landen. Es war ein handfester Skandal, der Harald Ehlert (57) alias „Maserati-Harry“ nach vorn katapultierte. Als Chef der angeblich „selbstlos tätigen“ Treberhilfe hatte sich Ehlert einen Maserati mit Chauffeur gegönnt. Und dazu ein Geschäftsführergehalt von mehr als 360.000 Euro im Jahr. Harald Ehlert, die „Dampfwalze der Straßensozialarbeit“ (Tip), musste zurücktreten. Er leitete aber über den unter seinem Einfluss stehenden Aufsichtsrat die Geschäfte der Treberhilfe weiter. Deshalb stellten mehrere Berliner Bezirksämter die Zusammenarbeit mit der Treberhilfe ein. Sogar Ehlerts eigene Mitarbeiter demonstrierten öffentlich gegen seinen Protz.   

Mario Czaja (CDU)

Mario Czaja (CDU), ehemaliger Senator für Gesundheit und Soziales.

Mario Czaja (CDU), ehemaliger Senator für Gesundheit und Soziales.

© imago/Christian Ditsch

Mario Czaja (CDU) war der „Käpt’n Kollaps“ des Jahres 2015: Der damalige Senator für Gesundheit und Soziales, verantwortete im Jahr der Flüchtlingskrise die chaotischen Zustände am Lageso, der zentralen Anlaufstelle für Geflüchtete. „Czaja hat den beschissensten Job Berlins, klar“, erklärte das Stadtmagazins Tip zunächst noch mitfühlend. Aber klar sei genauso, dass Czaja  „das Gesicht des Behördenversagens“ sei. Folgerichtig auf Platz 2 der peinlichsten Berliner landete Franz Allert, zurückgetretener Chef des Lageso. Er sei der „Chaosverwalter“ unter Czaja gewesen, so der Tip. Hintergrund: In Deutschland wurde das Lageso damals zum Sinnbild für die Probleme bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Im Sommer 2015 standen täglich mehr als tausend Geflüchtete vor der Behörde an, bei Hitze und bei Regen. (BK)

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