Rudi Dutschkes Sohn

„Mein Vater wäre immer noch auf den Barrikaden“

Erinnerungen an den Studentenführer, der am Heiligen Abend vor 40 Jahren starb.

B. Sprengel/dpa
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Dutschke-Sohn Hosea-Che.

Dutschke-Sohn Hosea-Che.

© dpa

Vor 50 Jahren polarisierte Rudi Dutschke als Anführer der Studentenbewegung die Bundesrepublik – heute würde er nach Ansicht seines Sohnes wieder mitmischen. Auf jeden Fall hätte sein Vater weiter Politik gemacht, „ganz bestimmt“ bei den Grünen. „Ich glaube, der wäre immer noch ein bisschen auf den Barrikaden gewesen“, sagt Hosea-Che Dutschke.

Rudi Dutschke war am Weihnachtsabend vor 40 Jahren an einem epileptischen Anfall in seiner dänischen Wahlheimat Aarhus gestorben. Er gilt bis heute als Kopf und Idol der 68er-Bewegung. Kurz vor Ostern 1968 hatte ihn der Hilfsarbeiter Josef Bachmann in Berlin angeschossen und lebensgefährlich am Kopf verletzt. Sein Tod gilt als Folge des Attentats.

Rudi Dutschke: Gegner des Eingreifens der USA in Vietnam

Wenige Tage vor dem Mauerbau war Dutschke 1961 aus der DDR nach West-Berlin geflüchtet. Im brandenburgischen Luckenwalde war er zuvor Mitglied der Jungen Gemeinde, hatte als Pazifist den Militärdienst in der NVA abgelehnt. Dutschkes erste politische Aktion in West-Berlin hatte sich gegen den Bau der Mauer gerichtet. Dann wurde er zu einem Gegner der parlamentarischen Demokratie, des Eingreifens der USA in Vietnam und des „Imperialismus“.

Mit erhobener Faust marschierte Rudi Dutschke 1968 gegen den Vietnamkrieg.

Mit erhobener Faust marschierte Rudi Dutschke 1968 gegen den Vietnamkrieg.

© picture alliance / Chris Hoffman

Zur Frage der Gewalt sagte er 1967: „Es ist sicher, dass wir Waffen benutzen werden, wenn bundesrepublikanische Truppen in Vietnam oder in Bolivien oder anderswo kämpfen.“ Ob das eine ambivalente Haltung zur Gewalt war? „Eigentlich nicht“, sagt der Sohn. „Es kommt ja immer auf das Handeln an, und seine Handlungen waren nie gewaltsam.“

Dutschke und Freunde dachten über Dynamit Anschläge auf US-Schiffe nach

Über die Verbindungen seines Vaters zu Mitgliedern der Terrorgruppe RAF sagt Hosea-Che Dutschke: „Ich denke, das war eine Sympathie dafür, dass man die bestehende Gesellschaft ändern sollte. Aber auf die Methoden haben sie sich ja nicht geeinigt, Rudi war gegen Mord und sah Baader als einen Verrückten an.“ Terroristische Aktionen lehnte der Studentenführer aber nicht grundsätzlich ab.

1979 machte er Wahlkampf für die Grünen.

1979 machte er Wahlkampf für die Grünen.

© picture alliance / Werner Schill

Nach Darstellung seiner Frau Gretchen Dutschke transportierten die jungen Eltern 1968 Dynamitstangen im Kinderwagen durch Berlin, den kleinen Hosea-Che zur Tarnung auf der Sprengladung liegend. Rudi Dutschke und seine Freunde überlegten, mit dem Dynamit Anschläge auf US-Schiffe, Eisenbahngleise oder Überlandleitungen als Protest gegen den Vietnamkrieg zu verüben. Diese Pläne seien aber nicht verwirklicht worden, weil Menschen gefährdet worden wären.

Rudi Dutschke sparte nicht an Kritik am SED-Regime

Eindeutig blieb die Position des Studentenführers zur deutschen Einheit. Zwar verteidigte er die DDR grundsätzlich, sparte aber nicht mit Kritik am SED-Regime. Bei den DDR-Bürgerrechtlern kam das revolutionäre Engagement von Rudi Dutschke offenbar nicht gut an. Die Mauer fiel erst zehn Jahre nach seinem Tod. Beim Zusammenwachsen zwischen Ost und West hätte er Brücken bauen können, ist Hosea-Che Dutschke überzeugt: „Ich denke, er hätte da einen Unterschied machen können.“

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