Der Jagdinstinkt macht das Fischen aus
Schmackhafte Krebse zu fangen, obliegt nun Klaus Hidde. Vor einer Woche hat er seine Reusen ausgelegt, zehn im Tiergarten, zwölf in Britz. Seitdem hat er in Mitte etwa 1000 Tiere aus dem Wasser gezogen, im Süden Neuköllns etwa doppelt so viele. Gerade steht er in Watthose knietief in einem Ausläufer des Neuen Sees.
Kann zwicken: Klaus Hidde zeigt einen Sumpfkrebs.
© Markus Wächter
„Wollen wir wetten, wie viele heute im Netz sind?“, fragt er und schaut in die Runde der Reporter. Die Neugier auf die Ausbeute in der Reuse, „der Jagdinstinkt“ – das ist es, was das Fischen für Klaus Hidde ausmacht. 32 Jahre lang arbeitete er in einer Bank als Kreditsachbearbeiter. Nebenbei half er seinem Sohn, der sich mit einem Fischereibetrieb selbstständig gemacht hatte. Das war kein Zufall: Seit dem 15. Jahrhundert halten die Familien in Tiefwerder das Fischereirecht auf der Unterhavel. Hiddes Sohn ist heute einer von noch etwas zehn Berufsfischern in Berlin.
Jetzt zieht Klaus Hidde an der Reuse, deren Maschen langsam über Wasser geraten. Nur drei Krebse sind darin. Dazu ein zappelnder Aal. Was sich auf dem Grund des Tümpels noch verbirgt, vermag Klaus Hidde nicht zu sagen. Denn die Tiere pflanzen sich rasant fort. Sie gelten als anspruchslos und gefräßig. Zudem können die aus den USA eingewanderten Kneifer die Krebspest übertragen, die heimischen Arten den Garaus macht.
„Tiefwerder Tiergarten-Brötchen“
Nachdem Klaus Hidde alle Reusen im Tiergarten geleert hat, krabbeln 28 Scherentiere durch einen Bottich. „Ich nehme sie mit nach Hause, da werden sie gehältert“, sagt der Fischer. In großen Becken bewahrt er die Krebse auf. Will er sie lebend verkaufen, muss der Abnehmer ein gastronomischer Betrieb sein. „Schätzungsweise 12 bis 16 Euro pro Kilo kann ich verlangen“, sagt Hidde.
Die Sumpfkrebse in einer Plastikwanne.
© Markus Wächter
Doch er will die Delikatessen auch direkt den Hungrigen anbieten, an einem Fischstand auf Konzerten oder auf Märkten. Man könne sie in Öl einlegen, aufs Brot legen oder zu Krebspfanne machen: Klaus Hidde hat viele Ideen, wie man den Sumpfkrebs schmackhaft machen kann. Und auch schon einen Namen für sein Produkt: „Tiefwerder Tiergarten-Brötchen.“
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