Berlin - Ein später Triumph. Der 57-jährige Journalist und ehemalige DDR-Bürgerrechtler Roland Jahn ist vom Bundestag mit überwältigender Mehrheit zum neuen Beauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt worden.535 Abgeordnete stimmten für ihn, 21 enthielten sich und ebenfalls 21 votierten gegen das SED-Opfer. Auffallend: Auch einige Linke wählten Jahn, obwohl die Fraktion bei der Verabschiedung Marianne Birthlers keine Hand zum Applaus gerührt hatte ...Rachegefühle verspürt der gebürtige Thüringer nicht. Als "Anwalt der Opfer" will Jahn ab März agieren, wenn er den Schreibtisch von Marianne Birthler (63) in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte übernimmt. Und der RBB-Redakteur verspricht: "Ich möchte DDR-Biografien differenziert aufarbeiten, auch die der Täter. Als Journalist recherchiere ich gewissenhaft." Gelingt ihm vielleicht sogar die Versöhnung von Opfern und Tätern? Dazu DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld: "Wenn die Täter Reue zeigen, wäre dies möglich."Roland Jahn war für das Mielke-Ministerium lange ein Staatsfeind: Nach seinem Militärdienst 1974 schließt er sich oppositionellen Gruppen an. 1977 wird Jahn nach Protesten gegen die Ausbürgerung Rolf Biermanns als Student exmatrikuliert. Mehrere Festnahmen folgen. 1983 wird er Gründungsmitglied der Friedensgemeinschaft Jena. Noch im gleichen Jahr die gewaltsame Ausbürgerung. Unter einem Vorwand wird Jahn zum Wohnungsamt bestellt, wo ihn ein Stasi-Kommando festnimmt, in Knebelketten zum Grenzbahnhof Probstzella bringt und in das letzte Abteil des Interzonenzugs nach Bayern einschließt.Doch Jahn gibt seinen Kampf gegen das SED-Regime nicht auf, unterstützt aus West-Berlin Oppositionsgruppen. Ex-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe zum KURIER: "Vom Westen aus sorgte er dafür, dass wir den Mut nicht verloren haben. Seine Wahl ist hervorragend."Jahn kündigt an: "Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit darf es keinen Schlussstrich geben."------------------------------
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