Riesen-Wirbel um Meuterei auf der Gorch Fock Rätsel um toten Soldaten in Afghanistan Affäre um geöffnete Feldpost

Skandal-Akte Bundeswehr

CHRISTIAN WIERMER
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Berlin - Geöffnete Feldpost, ein möglicherweise durch Waffen-Spielereien getöteter Soldat, Meuterei- und Sex-Vorwürfe auf der "Gorch Fock". Ein Bundeswehr-Skandal jagt den nächsten!Das Segelschulschiff stoppte seine Fahrt um die Spitze Südamerikas. Im Hafen von Ushuaia (Feuerland) sollen Ermittler an Bord gehen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte "rückhaltlose Aufklärung" an. Sollte es Fehlverhalten vorliegen, werde es "selbstverständlich Konsequenten" geben.Die Skandal-Akte "Gorch Fock": Wie der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) Guttenberg schrieb, soll es im Anschluss an den Unfall-Tod von Obermaat Sarah S. (25) am 7. November zu aufwühlenden Szenen gekommen sein. Zunächst sei die "Möglichkeit der anschließenden Trauerbewältigung an Bord kritisiert" worden - und dann soll es zu einem Eklat mit dem Kommandanten gekommen sein. Mehrer Offiziersanwärter hätten sich geweigert "aufzuentern" (in die Takelage klettern). Dabei war Sarah S. ums Leben gekommen.Es sei starker Druck aufgebaut worden, zitiert Könighaus Soldaten, die zum Teil unter Höhenangst leiden ("Wenn Sie nicht hochgehen, fliegen Sie morgen nach Hause/können Sie das Offizierspatent vergessen!", "Geben Sie Gas, stellen Sie sich nicht so an!").Schließlich sei vier Offiziersanwärtern ihre Ablösung angekündigt worden - wegen "mangelhafter Zusammenarbeit mit der Schiffsführung". Als kurz darauf der Törn gestoppt wurde, seien die angeblichen "Meuterer" aufgefordert worden, "die ihnen eröffneten Ablösungsanträge zu vernichten". Was aber nicht alle taten.Und Königshaus berichtet auch von Sex-Vorwürfen. "Ein Obergefreiter trug vor, von drei Soldaten der Stammbesatzung sexuell belästigt worden zu sein." Und Weiter: "Während eines Hafenaufenthaltes sei er von diesen in der Dusche angesprochen worden. Es sei "auf dem Schiff ähnlich wie im Knast, jede Neue muss seinen Arsch hinhalten." Sie hätten eine Flasche Shampoo auf den Boden geworfen und ihn aufgefordert, sich danach zu bücken Er habe Angst bekommen und die Dusche schnellstmöglich verlassen". Der Kommandant hätte zwar die Besatzung antreten lassen, aber nur eine Belehrung ausgesprochen. Was ist da los? Könighaus stellt sich vor die Soldaten: "Es gab keine Meuterei." Die Staatsanwaltschaft Kiel bezeichnet die Hinweise als "zu vage". Auf Meuterei stehen bis zu zehn Jahre Haft.Rätsel auch um den kurz vor Merkels Kundus-Besuch im Dezember verstorbenen Hauptgefreiten (21) in Afghanistan. Statt wie behauptet, starb er nicht beim Waffen-Reinigen, sondern durch die Kugel eines Kameraden. Rund zehn Soldaten sollen dabei gewesen sein. Von "dämlichen Spielereien mit der Waffe" ist die Rede. Warum kommt das erst jetzt raus? Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Sie SPD will unterdessen den Minister vor den Verteidigungssauschuss zitieren. Rainer Arnold: "Guttenberg muss die drei Vorgänge zur Chefsache machen."------------------------------BU: Die "Gorch Fock" hat im Hafen von Ushuaia Anker geworfen, wartet auf ein Ermittlerteam.

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