Der Regisseur Adolf Dresen ist tot. Im Alter von 66 Jahren starb er in Leipzig an den Folgen einer langwierigen Herzkrankheit. >Auf den Tag genau drei Wochen vor seinem Tod traf ich Adolf Dresen im Restaurant des Deutschen Theaters. Bei der Feier zu Dieter Manns 60. Geburtstag am 20. Juni. Gemeinsam löffelten wir Kartoffelsuppe. Erinnerten uns seiner Zeit als Regisseur am Deutschen Theater von 1964 bis 1977. Adolf Dresen wollte kein Aufheben machen um seine Arbeit. Die doch bei den DDR-Kulturfunktionären immer wieder für Aufregung sorgte. Seinen "Clavigo" von 1971 ließen die "Kulturhüter" nach nur einer Aufführung vom Spielplan nehmen. Riesendebatten löste seine Inszenierung von "Faust I" 1968 aus. Das SED-Politbüro fühlte sich in seiner Vereinnahmung von Goethe gründlich miss-verstanden. Doch zu kippen war der "Faust" nicht. Dank auch des grandiosen Fred Düren in der Titelrolle und des urwüchsigen Dieter Franke als Mephisto. Nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 war Adolf Dresen auch nicht zu verbiegen. Zog die Konsequenz und also gen Westen. Inszenierte in Wien Goethe und Lessing. 1979 entdeckte Dresen die Oper für sich mit dem "Onegin" in Hamburg, arbeitete auch am Covent Garden in London und an der Wiener Staatsoper. Der Musik galt immer seine Liebe. Zurück zur Suppe: Über die Teller gebeugt, lachten wir gemeinsam über den Liederabend "Astel Paul und die anderen" Ende der 70er im Deutschen Theater: Dresen hatte einen Texthänger bei "Fritze Bollmann". Ein Zuschauer half. So, wie das Publikum immer hinter dem aufrechten Künstler Adolf Dresen gestanden hat. Harry Kroekel
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