Re:publica

Die Messe mit der Maus

Die Veranstaltung lockt Tausende Computer-Freaks.

Norbert Koch-Klaucke Sophia Kräge
Lesezeit 2 Min
Die Re:publica im ehemaligen Post-Depot am Bahnhof Gleisdreieck.

Die Re:publica im ehemaligen Post-Depot am Bahnhof Gleisdreieck.

© Bernd Friedel

Um 10 Uhr ging es am Montag los. In der „Station“, dem einstigen Post-Depot am Gleisdreieck, an dessen Eingang die Jünger der digitalen Welt Schlange stehen. Bis zu 199 Euro (ermäßigt 99 Euro) kostet der Eintritt für alle drei Messe-Tage. Dafür bekommen sie aber gratis einen Jute-Beutel mit Programm-Flyer ...

Medizin-Studentin Lina Weimann testet die Digital-Brille von Google.

Medizin-Studentin Lina Weimann testet die Digital-Brille von Google.

© Bernd Friedel

In den Hallen der re:publica sieht es rustikal aus. Überall Holzbuden, an denen sich Firmen wie der Internet-Riese Google präsentieren. Der lockt Besucher mit einer Digital-Brille an, mit der man in Scheinwelten eintauchen kann.

„Ich war gerade Zauberlehrling bei Harry Potter“, freut sich Medizin-Studentin Lina Weimann (22). Ein Standbetreuer erklärt, dass man mit der Brille auch durch reale Welten gehen kann – wie durch ein Flüchtlingsheim, „damit man weiß, wie es darin so aussieht“.

Valentin Abe (33) erklärt die digitale Welt mit Lego-Bausteinen.

Valentin Abe (33) erklärt die digitale Welt mit Lego-Bausteinen.

© Bernd Friedel

Nicht nur mit Technik wird gespielt – auch klassisch mit Lego-Bausteinen. Damit macht die Neuköllner Firma „Journey 2 Creation“ Start-up-Gründern auf der Messe klar, wie ein Unternehmen funktioniert, Produkte entwickelt werden.

Andere Messe-Teilnehmer hängen Unterwäsche auf. Damit wollen Anja Schorr (29) und Johanna Gabriel (35) von der Friedrich-Naumann-Stiftung die Netz-Jünger warnen, nicht alles persönliche ins Internet zu stellen. „Man zeigt ja auch seine Unterwäsche nicht in der Öffentlichkeit“, sagen sie.

Anja Schorr (29) und Johanna Gabriel (35) klären anhand von Unterwäsche über Datensicherheit im Netz auf.

Anja Schorr (29) und Johanna Gabriel (35) klären anhand von Unterwäsche über Datensicherheit im Netz auf.

© Bernd Friedel

Dabei wird im Netz auch schmutzige Wäsche gewaschen. Mit Hass-Botschaften und Fake-News, die Themen in den Fachvorträgen sind. Liebe statt Hass will die Messe, daher auch ihr Motto „Love out loud“.

Über 1000 Redner wollen auftreten, Szene-Stars wie Blogger Sascha Lobo oder Schachgroßmeister Garri Kasparow. Wer in den überfüllten Sälen keinen Platz bekommt, schaut sich die Vorträge auf dem Laptop an.

Benjamin Gottstein (30) suft auf der Messe im Internet.

Benjamin Gottstein (30) suft auf der Messe im Internet.

© Bernd Friedel

Fragt man die Digital-Jünger, warum sie auf der Messe sind, müssen viele von ihnen wie Benjamin Gottstein (30) erst einmal überlegen. „Eigentlich ist man hier, um endlich die Freunde zu treffen, die man sonst nur aus dem Internet kennt.“

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