Razzia mit 1900 Einsatzkräften

Sklavenähnliche Bedingungen für illegale Arbeiter

Über 100 Wohn- und Geschäftsadressen in Berlin werden durchsucht.

Philippe Debionne_richtig
Lesezeit 3 Min
Zollbeamte haben auf einer Baustelle im Berliner Stadtteil Mitte einen dort tätigen Mann in die Mitte genommen und geleiten ihn zur Befragung.

Zollbeamte haben auf einer Baustelle im Berliner Stadtteil Mitte einen dort tätigen Mann in die Mitte genommen und geleiten ihn zur Befragung.

© dpa

Wochenlange Vorbereitungen

Dabei ginge es um den "Verdacht des Menschenhandels zur Arbeitsausbeutung sowie bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern im Baugewerbe", hieß es weiter. Im Laufe des Tages werde es weitere Informationen geben. Aus Ermittlerkreisen hieß es, die Razzia sei seit mehreren Wochen vorbereitet worden. Ob es Festnahmen gab, war zunächst nicht bekannt.

Im letzten Jahr waren die Fahnder des Berliner Hauptzollamtes wegen Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung rund 1600 Mal im Einsatz,  etwa 100 Mal öfter als 2017. Insgesamt wurden im Jahr 2018 dabei 4100 Ermittlungsverfahren eingeleitet, zudem Buß- und Verwarnungsgelder in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro verhängt. Die Schadenssumme lag 2018 bei 88,6 Millionen Euro.

Beim Zoll heißt es, dass "Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung dauerhaft legale Arbeitsplätze" vernichten und damit "die Arbeitslosigkeit" erhöhen. Zudem würde sie den Staat um Steuern und die Sozialversicherungen um Beiträge" bringen. Dabei entsteht nach Angaben von Experten deutschlandweit jährlich ein dreistelliger Millionen-Schaden.

"Sklavereiähnliche Bedingungen" für illegal Beschäftigte

Zoolbeamte bei einer Kontrolle. (Symbolbild).

Zoolbeamte bei einer Kontrolle. (Symbolbild).

© Paul Zinken/dpa

Zudem müssten die illegal beschäftigten Bauarbeiter teils unter "sklavereiähnlichen Bedingungen" arbeiten, heißt es beim Verein "Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.", der unter anderem von Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. So würde ihnen oftmals "der vereinbarte Lohn vorenthalten", zudem gebe es häufig "unverhältnismäßige Abzüge für Vermittlung, Unterkunft, Verpflegung". 

Immer wieder komme es auch vor, dass die aus dem Ausland eingeschleusten Arbeitskräfte "unverhältnismäßig lange arbeiten müssten", teils auch "unter gefährlichen Bedingungen", weil Arbeitsschutzstandards nicht eingehalten würden. 

Ein Fahrzeug des Zolls steht vor einer Baustelle in Stralau.

Ein Fahrzeug des Zolls steht vor einer Baustelle in Stralau.

© dpa

Stärkere Bekämpfung von Schwarzarbeit

Aufgrund ihrer "Unkenntnis über ihre Rechte und Möglichkeiten in Deutschland" wie beispielsweise "Arbeitsrechte, Recht auf Lohnzahlung, Beratungsmöglichkeiten" oder auch durch "Drohungen, Zwang und Druck oder Gewalt durch die Arbeitgeber*innen ist es schwierig für die Betroffenen, der Situation zu entkommen", so das KOK weiter. 

Erst im vergangenen April hatte das Bundesfinanzministerium einen Vorstoß der Bundesregierung zur stärkeren Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Sozialleistungsmissbrauch auf den parlamentarischen Weg gebracht.

Wirtschaftssystem und Sozialstaat seien darauf angewiesen, dass keiner die Regeln umgeht und missbraucht, hieß es. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) teilte in diesem Zusammenhang mit, dass laut Gesetzentwurf der Zoll mit seinem Bereich „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ (FKS) künftig schon bei Verdachtsfällen auf illegale Beschäftigung Überprüfungen vornehmen könne. 

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