2241 Gewalttaten – also Körperverletzung, Raub, Nötigung, Freiheitsberaubung, Mord, Totschlag, Bedrohung und Sexualdelikte – wurden demnach im vorigen Jahr registriert. 2015 waren es noch 2201, ein Jahr davor nur 2070 und 2013 sogar nur 1977.
Am gefährlichsten ist es im U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg. 165 Gewalttaten gab es dort im vergangenen Jahr. 2015 waren es nur 128 Vorfälle. Das ist eine Steigerung um 29 Prozent. Auf Platz 2 der gefährlichsten U-Bahnhöfe liegt der Alexanderplatz mit 143 Fällen (17 mehr als 2015). Deutlich zugenommen hat die Gewalt auch am U-Bahnhof Hermannplatz: Im vergangenen Jahr gab es 87 Vorfälle, im Jahr zuvor lediglich 50.
Zu den gefährlichsten Stationen zählen weiter der Bahnhof Zoo (77), die Osloer Straße (60), der Leopoldplatz (55), die Warschauer Straße (53), der Görlitzer Bahnhof (46) sowie die Bahnhöfe Hellersdorf (41) und Neukölln (38).
„Die Bahnhöfe Kottbusser Tor, Alexanderplatz und Hermannplatz gehören zu den Bahnhöfen mit den höchsten Fahrgastzahlen in Berlin“, sagt Markus Falkner, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe. Allein am Alexanderplatz würden täglich etwa 250 000 Menschen aus-, um- und einsteigen – Tendenz steigend. Dass es insgesamt mehr schwere Straftaten gebe, müsse im Verhältnis zu den stark gestiegenen Fahrgastzahlen bei der BVG gesehen werden, so Falkner weiter.
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Doch die BVG ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Seit 2011 haben die Verkehrsbetriebe die Zahl der Mitarbeiter in der Abteilung Sicherheit um etwa ein Drittel auf derzeit 270 erhöht. Täglich sind im Netz mehr als 100 Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes unterwegs, teilweise auch mit Hunden. Auf 25 sogenannten Schwerpunktbahnhöfen ist rund um die Uhr Sicherheitspersonal der BVG präsent.
Das ist trotzdem insgesamt zu wenig, sagt der Berliner Fahrgastverband IGEB: „Es braucht mehr gut ausgebildetes Personal auf den Bahnsteigen“, so der Sprecher des Verbandes, Jens Wieseke. Mehr Präsenz könne Übergriffe verhindern. Der harte Sparkurs vergangener Jahre räche sich jetzt. Mehr Personal fordert auch der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck aus Neukölln: „Die BVG muss ihr Sicherheitspersonal aufstocken.“
Ein Schritt in die richtige Richtung seien die flexibel einsetzbaren Polizeiwachen, die Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag verankert habe. Unter anderem am Kottbusser Tor soll, wie berichtet, eine solche mobile Wache bis Ende des Jahres eingerichtet werden, „um mit zusätzlichem Personal dort dauerhaft mehr Polizeipräsenz zu zeigen“, kündigte Innensenator Andreas Geisel (SPD) vergangene Woche an. Bereits seit Anfang Februar sind Beamte rund um den Kotti verstärkt im Einsatz.
Am Alexanderplatz soll zudem bis zum Herbst eine feste Polizeiwache entstehen, die rund um die Uhr besetzt ist – mit Beamten der Landespolizei und der Bundespolizei. Zudem gehen Polizisten und Wachleute der Berliner Verkehrsbetriebe seit kurzem wieder gemeinsam in U-Bahnen und Bahnhöfen auf Streife. Fünf solcher Doppelstreifen gibt es zunächst an Brennpunkten wie dem Alexanderplatz, dem Kottbusser Tor oder der Osloer Straße. Weitere Streifen sollen später im gesamten U-Bahnnetz anzutreffen sein – und auch in Bussen und Straßenbahnen.
Eng verknüpft mit der steigenden Zahl der Gewalttaten ist die Debatte um Videoüberwachung im öffentlichen Nahverkehr. In Berlin sind alle U-Bahnen, die 173 U-Bahnhöfe, fast alle Busse und etwa 80 Prozent der Straßenbahnen mit Überwachungskameras ausgestattet. Doch oftmals ist die Qualität der Bilder schlecht und Straftäter sind nicht richtig zu erkennen. Deshalb rüstet die BVG um: Moderne zoom- und schwenkbare Kameras sollen die alten ersetzen. „45 U-Bahnhöfe sind bereits komplett umgebaut und modernisiert“, sagt BVG-Sprecher Falkner. Bis Ende 2018 sollen alle U-Bahnhöfe mit der neuen Technik ausgestattet sein. Etwa 50 Millionen Euro kostet das.
Die Zahl der Fälle, in denen die Polizei Videomaterial von der BVG angefordert hat, ist deutlich gestiegen: 2016 waren es 6087, im Jahr zuvor 5443. Im gesamten Bereich der BVG wurden im vergangenen Jahr 1924 Tatverdächtige zu Gewalttaten ermittelt, 2015 waren es nur 1652.
Neben den Kriminalitätsbrennpunkten wie dem Kottbusser Tor gibt es auch zehn besonders sichere Stationen. An den Bahnhöfen Brandenburger Tor, Bundestag oder Rathaus Schöneberg etwa gab es im vorigem Jahr gar keine Gewaltvorfälle.
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