Ralf Steeg (54)
© cam.cop media Lizenz
Schilf und 26 Bäume in Kübeln wachsen auf der Abwasser-Insel. Künftige Speicher bräuchten nicht wie das Pilotprojekt so viele Aufbauten über Wasser, wären kaum zu sehen.
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Steeg liest die bisherige Leistung ab.
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Über zehn Millionen Zebramuscheln: „Hausbesetzer“ an der Anlage des Ex-Hausbesetzers, sie reinigen täglich tausende Kubikmeter Wasser.
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Der Ingenieur hat keine Kinder, aber ein Baby: Seit 2012 liegt sein Abwasser-Speicher an der Kaimauer des Osthafens. Drei 50 Meter lange Glasfaser-Rohre unter der Oberfläche bunkern bis zu 460 Kubikmeter Abwasser, wenn bei heftigem Regen die Kanalisation in den Fluss überläuft. Seither wurden 18 645 Kubikmeter Dreckbrühe aufgefangen und in die Kanalisation zurückgepumpt, um im Klärwerk gereinigt zu werden – das sind über 93 000 Badewannen voll. Und das für nur 1,6 Millionen Euro Planungs- und Baukosten.
Die Anlage ist ein Kind der Liebe: „Vor 30 Jahren war ich im schweizerischen Bern bei meiner damaligen Freundin Maja und sah die Aare – ein reißender, kalter Fluss, in dem man baden konnte.“ Da grub sich der Gedanke in seinen Kopf ein: Warum sollte man nicht wieder in der Spree schwimmen können?
Doch bis die Idee konkret wurde, Steegs Leben ein Ziel bekam, blieb es wie eine Mischung aus dem vielfach gewundenen Mäander in der Türkei und einem Gebirgsbach: Rebellische Jugend in Lauchhammer samt Schulverweis. Gescheiterter Fluchtversuch über die CSSR im eisigen Februar 1977, bei dem der 15-Jährige im Böhmerwald fast erfriert. Haft in Halle. Prügel, Hunger und Erniedrigung.
Bis die Bundesrepublik ihn für 90 000 Mark freikauft. Zwei Jahre nach der versuchten Flucht wird er gen Westen entlassen, wo inzwischen die Familie in Coesfeld wohnt.
Ohne Schulabschluss und Ausbildung flüchtet er sich in Reisen, sieht bei Neapel zum ersten Mal das Meer – und zieht nach West-Berlin. Immer pleite, wieder von der Schule geflogen, besetzt mit Freunden eine Villa in Lichterfelde, schlägt sich mit Jobs als Kraftfahrer und Behindertenpfleger durch, spielt Theater, begrünt Hinterhöfe in Kreuzberg. Er kifft sich durch Marokko, radelt durch die Türkei und Mexiko, organisiert eine erste Party im E-Werk mit – und ist plötzlich 34 Jahre alt.
Erst jetzt kanalisiert er sein Leben, macht Abitur, studiert Landschaftsarchitektur – und erinnert sich vor 14 Jahren an die saubere Aare, entwickelt die Idee seines Abwasserspeichers.
Wieder hilft dem schmalen Mann seine Härte, die man ihm nicht ansieht: Gegen unzählige bürokratische Hindernisse setzt er sein Projekt durch – die Geschichte ist oft erzählt worden. Er blieb siegreich: „Einstein hat gesagt, dass alles so lange kompliziert ist, bis es einfach wird.“
Jetzt steht er auf der „Dieter und Si Rosenkranz-Insel“, die er nach dem Unternehmerpaar benannte, das ihn förderte, und will vor die 13 verbliebenen Kanalisations-Überläufe zwischen Elsenbrücke und Mühlendamm weitere Speicher bauen. Damit am Ende die Berliner wieder in ihrem Fluss baden können. „Wir sind in Wunder hineingeboren, müssen die Natur erhalten!“ GL
Das Leben des Ralf Steeg ist im Buch „Der Wassermann“ von Sandra Prechtel nachzulesen. 20 Euro, Herbig Verlag.
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