Ralf Jäger meint, dass der Veranstalter die Polizei zu spät um Hilfe rief

Der Minister erklärt uns, warum Christian und die anderen 20 sterben mussten

BK
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Gestern Morgen kam die traurige Nachricht vom Tod des 21. Opfers. Am Nachmittag dann versuchte der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Ralf Jäger (SPD) zusammen mit Dieter Wehe, Polizeiinspekteur des Landes, das Unfassbare zu erklären. Wie konnte es zu der Katastrophe kommen? Warum mussten Christian und all die anderen Raver sterben? "Am Veranstaltungsort hat ausschließlich der Veranstalter die Verantwortung", sagte der Minister. "Die Polizei hat versucht zu tun, was eigentlich der Veranstalter zu tun hatte."Der Pfusch begann schon Sonnabendmittag - der Veranstalter "Lopavent" (Boss: Rainer Schaller) hätte das Gelände viel zu spät geöffnet. Da warteten unzählige Menschen schon auf den Einlass. "Der Tunnel hat eine Kapazität von 30 000 Menschen pro Stunde", sagte Polizeiinspekteur Dieter Wehe.Eine größere Menschenmenge sei jedoch am Tunnel geblieben und habe einen Rückstau verursacht. Da wurde es richtig eng... Das Konzept von "Lopavent" hatte vorgesehen, solche Stauungen durch Schließen der Eingänge und Ordner, die die Menge weiterführen sollten, zu verhindern. Verpatzt! Am westlichen Tunneleingang sei die Hälfte der Schleusen zunächst gar nicht besetzt gewesen. Bis zu 20 000 Menschen stauten sich innerhalb kürzester Zeit.Erst um 15.30 Uhr hatte Schaller die Polizei um Hilfe gerufen. 16 Minuten später wies er seine eigenen Ordner an, die Schleusen zu sperren, damit keine Raver mehr in den überfüllten Tunnel strömten. "Das Sicherheitskonzept ist nicht erfüllt worden", klagte Wehe an. Die Veranstalter hätten sogar Zäune entfernt - ursprünglich um Krankenwagen durchzulassen. Doch durch die Lücken strömten noch mehr Menschen. Die Ordner waren überfordert, alle Stellen gnadenlos unterbesetzt.Die ersten Opfer auf der Rampe wurden um 17.02 Uhr gemeldet. Ein Absperrzaun wurde umgerissen und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Das Todesurteil. Der Druck erhöhte sich, der Zaun entpuppte sich als Stolperfalle."Der folgende Rettungseinsatz hat gut funktioniert", sagte Innenminister Jäger. Doch da war es schon zu spät, nahm die Katastrophe ihren Lauf. Gedränge. Menschen versuchten, sich an steilen Abhängen in Sicherheit zu bringen. Panik. "Die Menschen sind erstickt", sagte Wehe gestern mit Tränen in den Augen.Eine Katastrophe, die hätte verhindert werden können. Wären die Warnungen im Vorfeld erhört worden! Doch Stadt und Veranstalter wollten die Loveparade durchziehen. Bochum, wo der Rave letztes Jahr gecancelt worden war, wurde als provinziell verspottet. Das sollte Duisburg nicht passieren. Die Loveparade galt als Image-Politur - für das arme Duisburg und die Fitnesskette "McFit" des Veranstalters Rainer Schaller. Ein verhängnisvoller Plan. Seit Sonnabend steht Duisburg für Massenpanik. Für den sinnlosen Tod von 21 Menschen. Und für den Tod der Loveparade.------------------------------Bürgermeister verkriecht sichDer Ober-Versager von Duisburg: Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Das Volk hat eine unbändige Wut auf ihn und seine "Ich wusste nichts von Sicherheitsrisiken"-Masche. Er bekam Morddrohungen. "Ich will den Tod meines Kindes rächen", heißt es in einem anonymen Schreiben.Aus Angst hält Sauerland nun seine Familie versteckt. Die Hunde bei ihm im Garten bellen nicht mehr, die Rollläden des schicken Hauses sind heruntergelassen. Und in der Öffentlichkeit betont Sauerland trotzdem: Wenn er die Verantwortung für die Tragödie übernähme, wäre das ein Schuldeingeständnis. "Ich muss das durchhalten", sagte er. An der Trauerfeier am Sonnabend wird der Ober-Versager übrigens nicht teilnehmen ...------------------------------Loveparade-OpferAnna (25) stirbt nach tagelangem TodeskampfNimmt der Schmerz gar kein Ende? Schon wieder ist eine Frau an den Folgen ihrer Loveparade-Verletzungen gestorben: Anna K. (25) aus Heiligenhaus nahe Essen. Sie ist das 21. Todesopfer.Annas Familie steht unter Schock, tagelang hatten sie gefleht und gehofft, dass Anna es schaffen würde. Vergebens. In der Nacht zu gestern hat Anna den Kampf gegen den Tod verloren. "Ich kann jetzt nur noch um mein Kind weinen", sagt ihre Mutter Eva K. Sie saß seit Sonnabend an Annas Bett im Krankenhaus und erzählte dem KURIER: "Sie ist bis zu ihrem Tod nicht mehr aufgewacht."Anna, die zierliche Gärtnerin. Sie hinterlässt einen dreijährigen Sohn, Ramon, der jetzt beim Vater leben soll.Die Schreckensbilanz der Loveparade: 13 tote Frauen, acht tote Männer. Die Obduktion ergab: Sie sind qualvoll durch ein Zusammendrücken des Brustkorbes erstickt. 21 Tote, 511 Verletzte. 283 von ihnen mussten ins Krankenhaus. Die Wunden vom Wochenende, sie scheinen einfach nicht verheilen zu wollen. "Es werden noch immer 25 Verletzte behandelt", sagte Winfried Südkamp von der Polizei Köln. Wann die Opfer entlassen werden, oder ob noch jemand in Lebensgefahr schwebt, konnte er nicht sagen. B. PETERS, S. KAMPE------------------------------Zitat: "Erst als die Situation außer Kontrolle geraten war, forderte der Veranstalter Hilfe an" Ralf Jäger, Innenminister NRWBU: Grenzenlose Trauer in DuisburgChristian, Anna, Svenja, Eike - das sind nur einige Namen der Opfer. In Duisburg wird ihnen gedacht. Mit Kerzen und einem Meer aus Blumen halten Trauernde die Erinnerung an die Getöteten wach. Die Katastrophe ist noch nicht zu begreifen.

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