„Radeln ohne Alter“

Calle, der Rikscha- König mit dem großen Herzen

Adelheid Scheller und Christa George strahlen, als der Wind ihnen durch die grauen Haare weht. Sie singen ein Lied. Kein Wunder. Denn Calle tritt für sie in die Pedale. Der Schöneberger kutschiert ehrenamtlich Senioren durch Berlin

Claudia Keikus-Wilms
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© dpa Lizenz

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Statt im Altenheim zu versauern, haben es sich die Ladys (71) in seiner Rikscha gemütlich gemacht. Der Filmemacher (53) kutschiert sie in seiner Freizeit durch Berlin.

„Radeln ohne Alter“, heißt seine Aktion, bei der er und sechs Freunde ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, durch die Stadt fahren. Ganz ehrenamtlich, also umsonst.„Die Fahrten sind Geschenke, die man sich gegenseitig macht“, sagt Overweg. Einmal pro Woche holt er zwei Bewohner des Seniorenzentrums Schöneberg ab. Mit ihnen geht es zwei Stunden in den Park am Gleisdreieck, zum Eiscafé oder zu einer Ausstellung. „Ich schenke meinen Passagieren eine Rundfahrt, bekomme etwas von ihrer Freude ab.“

Die Idee hat er sich im radfreundlichen Kopenhagen abgeguckt. Da gibt es „Cykling uden Alder“ („Radeln ohne Alter“) schon seit drei Jahren. Den Test machte er mit seiner Tante im Frühjahr bei eisiger Kälte. Calle Overweg: „Es hat uns beiden Spaß gemacht.“

Anders als in Touristen-Rikschas sitzen die Passagiere vorn und haben freien Blick. „Das ist eine ganz andere Perspektive“, ruft Adelheid Scheller. Sie sei schon lange nicht mehr so weit vom Seniorenzentrum an der frischen Luft unterwegs gewesen.

Overweg bekommt Unterstützung von sechs Fahrern. So habe man in den vergangenen Wochen jeden Tag mindestens eine Fahrt anbieten können. Overweg hat die Fahrer selbst ausgebildet. In einem Fahrtraining zeigte er ihnen, wie sie die Rikscha lenken, am Berg anfahren und wann sie die elektronische Unterstützung einschalten. „Nicht Top-Sportler sollen die Leute durch die Gegend fahren, sondern Hinz und Kunz“, begründet er die Strampel-Hilfe.

Eine Bekannte stellt die Rikscha zur Verfügung. Sie hat damit ihren an Demenz erkrankten Vater umhergefahren. Für einen eigenen Wagen sammelt sein Verein „Radeln ohne Alter“ in Berlin gerade Spenden. Etwa 5500 Euro braucht Overweg.

Bei der Planung der Rikscha-Fahrten ist Overweg auf die Mitarbeit des Seniorenzentrums angewiesen. „Wenn alle Lust haben, kommt das zustande“, sagt er. Eine Sozialarbeiterin notiert die Wünsche und regelt, wer zur nächsten Tour aufbricht.

KW, KEI

www.radelnohnealter.de

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