Ein Auto steht auf der Strecke. Zwei Radrennfahrer krachen ungebremst in den SUV. Wie es zu dem schweren Unfall beim Radrennen in Wannsee am vergangenen Sonntag kommen konnte (insgesamt vier Verletzte), ist noch immer nicht geklärt.
„Dieser Unfall ist kein Einzelfall bei Berliner Radrennen“, sagt Felix Donath. Der 24-Jährige aus Cottbus machte auch eine ähnliche Erfahrung wie die Rennfahrer vom Wannsee.
Auch mit tragischen Folgen. Als Radsportler krachte Donath vor zwei Jahren bei der „Tour de Berlin“ in ein Auto, das plötzlich am Straßenrand stand. Der Schock sitzt bei ihm noch immer tief. Die Unfall-Bilder kann er nicht vergessen. „Danach war für mich an eine Profi-Karriere nicht mehr zu denken“, erklärt der Radsportler, der mehrfach Deutscher Meister bei den Junioren und 2013 Deutscher Meister in der Mannschaftsverfolgung (2013) war.
Der Rennfahrer stürzte vom Rad auf die Fahrbahn
Donath kann sich noch ganz genau an die Ereignisse und an den Tag erinnern, die ihm den Traum von einer möglichen Teilnahme an der „Tour de France“ oder am „Giro d’Italia“ für immer zerstörten.
Es war der 14. Mai 2015, als die erste Etappe der „Tour de Berlin“ rund um Birkenwerder ausgetragen wurde. „Nach mehreren Runden auf dem elf Kilometer langen Kurs tauchte nach einer Kurve ein Auto auf, das am Straßenrand stand. Ich war im Fahrerfeld an 30. Position, wollte das Feld gerade links überholen, als ich mit dem Pkw zusammenstieß.“
Ein Wagen, der bei den Runden davor nie dort stand. Donath bemerkte das Auto zu spät, blieb am Außenspiegel des Fahrzeuges hängen, riss sich dabei den Arm auf. Der Rennfahrer stürzte vom Rad auf die Fahrbahn. Mit schlimmen Folgen: „Dabei brach ich mir das Nasenbein“, sagt Felix Donath.
Die Wunde am Arm von Felix Donath. Mit dem Arm war der Sportler am Außenspiegel des Autos hängen geblieben.
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„Dazu kamen ein Muskelfaserriss an der Wade, Prellungen am Schlüsselbein. Durch die Verletzungen fiel ich lange aus, konnte an mehreren wichtigen Rennen nicht teilnehmen, die wichtig für meine spätere Karriere gewesen wären.“
Der Veranstalter weist jede Schuld von sich
Donath wirft bis heute dem Veranstalter eine „fahrlässige Durchführung des Rennens“ vor. Man hätte verhindern müssen, dass ein Auto plötzlich auf der Gegenfahrbahn der Strecke steht. „Für mich ist es absolut unverständlich, wie sorglos mit der Gesundheit der Fahrer bei solchen Rennen umgegangen wird“, sagt Donath heute.
Der Veranstalter, der Berliner Radsport Verband, weißt jedoch jede Schuld von sich. „Die Fahrbahn, auf der damals das Auto nur zur Hälfte stand, war für den Pkw-Verkehr freigegeben“, erklärt ein Verbands-Mitglied dem KURIER. „Wir hatten von den Behörden keine Vollsperrung der Strecke genehmigt bekommen.
Das wussten alle Fahrer. Es wurde ihnen vor dem Start gesagt, dass beim Rennen daher die Straßenverkehrsordnung gilt, man auf den Straßen nur die rechte Fahrbahn benutzen darf.“ Für Donath ist es ein Unding. „Jeder Fahrer trainiert dafür, um bei Rennen seine beste Leistungen zu zeigen, gibt Vollgas“, sagt er.
„Daher geht es bei Radrennen von Natur aus hektisch zu. Veranstalter sollten darum die Strecke für den gesamten Straßenverkehrs sperren, um die Fahrer nicht durch vorbeifahrende oder parkende Auto zu gefährden. Wenn das nicht geht, wäre es klüger gewesen, das Rennen abzusagen.“ Genau das geschieht nun in diesem Jahr.
Felix Donath – vorbei ist sein Traum vom Rad-Profi. Er studiert nun in Cottbus Betriebswirt.
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Mit dem Rennunfall beschäftigt sich mittlerweile das Landgericht Berlin
Weil der Verband keine kompletten Straßensperrungen bekommt, wurde die für den 25. bis 28. Mai geplante „Tour de Berlin“ abgesagt. Doch wer haftet, wenn bei Rennen Unfälle passieren? Vorsorglich weisen Berliner Veranstalter schon im Internet daraufhin: „Jeder Teilnehmer fährt auf eigene Rechnung und Gefahr!
Der Veranstalter lehnt jede Haftung auch Dritten gegenüber ab.“ So machte es der RC Charlottenburg bei dem jüngsten Wannsee-Rennen. Das hat auch für die „Tour de Berlin“ des Berliner Radsport Verbandes gegolten, bei der Donath 2015 gegen ein Auto krachte.
Mit dem Rennunfall beschäftigt sich mittlerweile das Landgericht Berlin. Es soll klären, ob der Veranstalter seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Fahrern auf der Stracke nachkam und ob Donath sogar 3500 Euro Schadensersatz zahlen muss, weil durch den Zusammenprall das Auto beschädigt wurde.
Donath fährt seitdem keine Rennen mehr
Im Gegenzug klagt der Sportler nun auf Schmerzensgeld. „Mit 13 kam ich auf die Sportschule, trainierte seitdem hart für mein Ziel, Radprofi zu werden“, sagt Donath. „Auf vieles habe ich verzichtet. Nun machte dieser Unfall meinen Traum kaputt.“
Donath fährt seitdem keine Rennen mehr. „Denn ich muss dabei 110 Prozent fit sein. Aber ich werde die Angst nicht mehr los, dass ich auf der Strecke wieder gegen ein Auto prallen könnte.“
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