Psychologin rät:

„Wer unter Druck steht, sollte tief durchatmen“

Die erfahrene Berliner Verkehrspsychologin Renate Buffaloe (72) sagt, dass die Berliner besonderem Stress ausgesetzt sind – und sich das auch im Verkehrsverhalten niederschlägt.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Ein Mal brüllen kann helfen – wenn man sich dadurch beruhigt.

Ein Mal brüllen kann helfen – wenn man sich dadurch beruhigt.

© Vladimir Jovanovic - Fotolia Lizenz

„Bei jedem Menschen gibt es unterschiedliche Gründe, in Stress zu geraten“, erklärt sie. Grundsätzlich aber sei Stress die mangelnde Fähigkeit, mit negativen Belastungen fertig zu werden.

Das Verkehrsgeschehen selbst erzeuge Stress, dazu kämen private oder berufliche Belastungen. Stress sei wie ein Infokiller: „Unter normalen Umständen kann unser Gehirn in einer Sekunde drei bis fünf Informationen verarbeiten. Stress belastet das Gehirn so stark, dass es nur noch zwei oder weniger Infos pro Sekunde aufnehmen kann.“

Der Inhalt von Verkehrsschildern wird erst wahrgenommen, wenn man schon daran vorbeigefahren ist.

Kinder am Straßenrand, Stopp-Schilder oder Bremsleuchten werden übersehen.

Stress kann zum Tunnelblick führen: Alles, was am Blickfeldrand passiert (Radfahrer, Abbieger, Fußgänger, Schilder), wird nicht richtig wahrgenommen.

Die schleichende Blockade des Gehirns ist deshalb so gefährlich, weil sie vom Betroffenen nicht bemerkt wird. Er fühlt sich fahrtüchtig und bremst doch zu spät.

Wegen vergleichsweise hoher Armut, Enge und Lärm fördere Berlin zusätzlich Stress. Das wirke sich auf das allgemeine Verhalten aus: „Der Tonfall im Umgang miteinander ist grottenschlecht geworden.“

Damit stressbedingte Ausraster nicht zum Unfall führen, rät die Psychologin: „Man muss sich seiner Erregung bewusst werden – und dass sie Folgen auf das eigene Verhalten hat.“

Erst nach dem Wahrnehmen des Stresses sei es möglich, ihn zu bekämpfen: „Das funktioniert bei jedem anders. Zum Beispiel zehn Mal tief durchatmen oder sich sagen, dass einer nicht aus Bosheit mit Tempo 20 vor einem hertuckert, sondern eine Hausnummer sucht.“

Anderen könne es helfen, im Autoradio lieber sanfte Klassik statt harter Beats zu hören. Es sei auch nichts dagegen einzuwenden, mal „A...loch“ zu brüllen, wenn der Mitmensch im Auto nebenan Murks gemacht hat.

Die einfachste Möglichkeit, Stress zum Beispiel durch Zeitdruck zu vermeiden, kann früheres Losfahren sein.

Renate Buffaloe will aber auch die Polizei nicht aus ihrer Verantwortung entlassen: „Es kommen zu viele Autofahrer mit Fehlverhalten durch. Greift die Polizei nie ein, wenn man ohne zu blinken abbiegt, verfestigen sich solche Verhaltensweisen.“

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