Psyche? Körper? Taktik?

Hertha-Rätsel um den Auswärtshorror

Auswärts ist es ein Horrorfilm, im Olympiastadion eine Gute-Laune-Erfolgsstory.

Wolfgang Heise
Lesezeit 3 Min
Ratlose Herthaner: (v.l.) Ondrej Duda, Vedad Ibisevic, Trainer Pal Dardai und Genki Haraguchi nach dem Abpfiff.

Ratlose Herthaner: (v.l.) Ondrej Duda, Vedad Ibisevic, Trainer Pal Dardai und Genki Haraguchi nach dem Abpfiff.

© imago/osnapix

„Wir haben durch unsere eigene Naivität zwei Eigentore geschossen. Wir können eine Analyse der Rückrunde machen, wie wir auswärts auftreten. Es ist es irgendwie ziemlich merkwürdig“, sagt der Coach. Dardai muss seit Wochen immer und immer  wieder die gleichen Sätze sagen. Es quält ihn selbst schon sehr.

Psychisch? Kann sein!

Es sind die individuellen Fehler, die schon viele Punkte kosteten, wird so im Schlussspurt das Euro-Ticket verschenkt? Dardai sagt es seit Wochen: „Die Realität braucht auch Respekt Wenn wir es nicht schaffen, dann ist der Grund entweder psychisch, körperlich, taktisch oder egal was. Dann sind wir noch nicht so weit.“

Psychisch? Kann sein! Die Auswärtsschwäche hat sich in den Köpfen eingebrannt. Sebastian Langkamp gibt zu: „Das ist mir langsam unheimlich.“ Vielleicht belastet auch die schlechte Schlussphase der vergangenen Saison die Spieler zu sehr. Vielleicht ist es die Angst vor einer Wiederholung.

Die Bremer bejubeln ihre zwei Geschenke.

Die Bremer bejubeln ihre zwei Geschenke.

© imago/Nordphoto

Körperlich? Ja, klar! Hertha fehlen zu viele Stammkräfte – Mitchell Weiser, Niklas Stark, John Brooks, Julian Schieber, Valentin Stocker, Marvin Plattenhardt – alle verletzt. Die jungen Talente springen tapfer ein. Doch da sagt selbst Kapitän Vedad Ibisevic: „Die jungen Spieler haben Qualität, machen ihre Sache gut, aber die Erfahrung fehlt. Es ist klar, dass sie nicht die gleiche Leistung bringen wie die, die fehlen.“

Also doch Naivität? Während Jordan Torunarigha und Maxi Mittelstädt ihre Aufgaben solide erfüllten, wirkt Allan auf der elementaren Sechser-Position auch nach drei Spielen in der Startelf noch immer überfordert. Stichwort taktische Disziplin: Die mahnte Dardai schon in der Halbzeit-Pause gegen Wolfsburg an. Beim nächsten Heimspiel gegen die Roten Bullen aus  Leipzig (Samstag) dürfen sich die Herthaner das auf jeden Fall nicht erlauben.

„Wir werden alles dafür tun“

Vielleicht wäre gegen diese Topmannschaft Vladimir Darida in der Defensive doch wertvoller. Dann müsste das nächste Talent ran – Julius Kade (17) als zentraler, offensiver Mittelfeldspieler. Es ist eine Zwickmühle, die der Coach lösen muss.

Dardai ist Realist, aber die Hoffnung auf Europa hat er noch nicht aufgegeben: „Wir haben noch zwei Heimspiele. Jeder weiß, wir sind eine heimstarke Mannschaft. Ob wir das hinkriegen, steht in den Sternen. Wir werden alles dafür tun.“ Das letzte Auswärtsspiel der Saison in Darmstadt erwähnt er lieber erst gar nicht...

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema