Angeklagt wegen Mordes: Nazar S. (38). Sportlicher Typ, die Haare zum lässigen Dutt hochgesteckt. Er soll auf Can Ö. zwei Mal eingestochen haben – aus Rache. Weil Can Ö. vor Jahren eine von den Brüdern nicht gebilligte Beziehung zu ihrer Schwester aufgenommen habe, heißt es in der Anklage.
Auch dem jüngeren Bruder wurde zunächst Mord zur Last gelegt. Das Gericht aber änderte das einen Monat vor Prozessbeginn. Bei Neckmohammad S. (34) komme bei einem Schuldspruch gefährliche Körperverletzung in Frage, begründeten die Richter. Und ließen ihn am 24. Juli nach sechs Monaten U-Haft frei.
Für Can Ö. kam jede Hilfe zu spät
Die deutschen Brüder mit afghanischen Wurzeln sollen am späten Abend des 30. Januar auf Can Ö. getroffen sein. In der Braunschweiger Straße plötzlich Schreie. Das Opfer war nicht allein unterwegs, die beiden Brüder auch nicht. Mit Wucht soll Nazar S. zugestochen haben. In den Oberkörper. Zwei Rippen durchtrennt, die Brustwand-Schlagader getroffen. Neckmohammad S. soll Ö. mehrmals getreten haben. Can Ö. schaffte es noch in einen Späti. Doch jede Hilfe kam zu spät. Die Anklage: „Er verblutete innerhalb weniger Minuten.“
Die Brüder stellten sich am 1. Februar der Polizei. Sie sollen damals eine Notwehr-Situation geschildert haben. Vor Gericht hüllen sie sich dagegen in Schweigen. Die Verteidiger: „Vorerst keine Aussagen.“ Ging es wirklich um eine verglühte Liebe? Viele Fragen sind offen. „Es war ein lange schwelender Konflikt“, so ein Anwalt. Fortsetzung: Freitag.
(KE)
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