Die Anklage lautet auf Mord. Am 18. August soll P. mit einer Spritze in der Tasche bei seiner Frau in einer betreuten Einrichtung in Treptow-Köpenick erschienen sein. Er habe ihr eine tödliche Dosis eines Schlafmittels injiziert. Sie sei in der Nacht danach verstorben.
Walter P. soll der letzte gewesen sein, der die Frau lebend sah. Den Pflegekräften kam ihr plötzlicher Tod verdächtig vor. Eine Obduktion wurde angeordnet. Der Staatsanwalt: „Es wurden überhöhte Werte gefunden.“ Eine Überdosis. Knapp zwei Wochen später wurde der Gatte festgenommen.
Ein Drama nach einer langen Ehe. „Bis dass der Tod uns scheidet.“ So hatten sie es sich vor 30 Jahren versprochen. Walter P. entwickelte sich beruflich weiter und schmückte sich mit einem Ehrendoktor-Titel. Zuletzt war er im Bereich Psychotherapie tätig und auch als Seelsorger. Ein gläubiger Mann und ein aktives Mitglied einer Kirchengemeinde.
In den letzten zwei Jahren aber lebte seine Frau in einer Senioren-Einrichtung. Die Demenz schritt voran. Nach und nach ging ihre Persönlichkeit verloren. P. soll sich stets um seine Frau gekümmert haben.
War es eiskalter Mord? Oder Verzweiflung? Er soll die Spitze gesetzt haben, nachdem bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war. Von der Krankheit gezeichnet saß P. nun vor Gericht. Der Staatsanwalt wirft ihm heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. P. droht lebenslange Haft. Ob er im Prozess aussagt, ist noch offen. Bei der Polizei bestritt er. Fortsetzung: 16. März.
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