Prozess nach Selbstanzeige

Kirchenrat klaut 238 000 Euro

Der fromme Mann war sehr zerknirscht: Joachim U. (53) hatte als Vorsitzender des Gemeindekirchenrats die evangelische St. Nikolai-Gemeinde um eine knappe Viertelmillion Euro erleichtert.

Gerhard Lehrke
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Joachim U. (re.) mit seinem Anwalt Sven Horn.

Joachim U. (re.) mit seinem Anwalt Sven Horn.

© Lehrke Lizenz

Der Versicherungsmakler hatte eine Lücke im System erkannt, in dem sonst immer zwei Leute mit Geld befasst sind: Er allein leerte den Automaten in Potsdams Hauptkirche, in den man fünf Euro zur Besteigung der Kuppel einwirft. Von August 2009, kurz nach der Installation, bis Ende 2012 bediente er sich, zahlte 160 000 Euro auf sein Konto ein. Die Staatsanwaltschaft rechnet aber mit einem Gesamtschaden von 238 000 Euro. Mitte 2013 offenbarte sich U. den Gemeindepfarrern, zeigte sich selbst bei der Polizei an. Das Gewissen habe ihn zu sehr gedrückt.

Bis zu 40 Stunden in der Woche habe er ehrenamtlich für die Gemeinde gearbeitet, deshalb 2009 nur 1500 Euro im Monat verdient. Gleichzeitig musste er allein 1000 Euro für das Haus abzahlen, zwei von drei Kindern an der Uni unterhalten.

Da griff er zu: „Es tat mir weh, Gott und die Gemeinde zu belügen“, erklärte U. dem Amtsgericht, entschuldigte sich. Als einmal auffiel, dass zu wenig Geld einkam, verwies er auf ähnlich hohe andere Einnahmen, die „falsch verbucht“ worden seien.

Er muss 160 000 Euro erst in 500- dann in 1000-Euro-Raten zurückzahlen, die Gemeinde will die übrigen 78 000 Euro per Zivilklage erlangen. GL

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