"Es ist richtig, ich habe Carolina entführt“, sagte W. vor den Richtern. Als Motiv gab der geschiedene Mann und Vater dreier Kinder (6, 7, 9) 36.000 Euro Schulden an.
„Schnelles Geld“ wollte er machen, um seine Confiserie und einen Tierfutterhandel in Zehlendorf vor der Pleite zu retten. Um mehr Spielraum zu haben, habe er dann – auch bei den Verhandlungen während der Entführung – 60.000 Euro verlangt.
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Carsten W. (45) mit seinem Anwalt
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Detailliert beschrieb W. Planung und Ablauf der Tat. Tagelang fuhr er durch Kleinmachnow, suchte nach passenden Opfern. Das Haus und die Autos davor mussten nach Wohlstand aussehen, und es musste ein Kind zum Entführen da sein.
Eine Entführung erschien dem gelernten Juristen sinnvoller als ein Banküberfall, sage er. „Ich hatte das Gefühl, dass ich aus der Sache rauskomme, ohne den Körper eines anderen verletzen zu müssen.“ Zudem könne er als Vater mit Kindern gut umgehen. „Es gab keinen Plan B.“
Am 10. Februar kurz nach 8 Uhr zog W. sich eine Maske übers Gesicht und überfiel Jeanette K. (41) vor ihrer Stadtvilla, als sie ihre Töchterchen Carolina zur Tagesmutti bringen wollte. Er hielt der Mutter eine Sichel an den Hals, drängte sie zurück in den Flur, riss ihr das Kind weg. Er zwang die Mutter auf den Boden, legte ihr einen Zettel hin mit der Geldforderung und der Order: „Keine Polizei, keine Presse, keine Tricks!“ Dann flüchtete er mit dem Mädchen in einem Leihauto mit Nummernschildern, die er zuvor in Berlin von einem tschechischen Diplomatenauto abgeschraubt hatte.
Eine Nachbarin hatte das Entführungs-Drama beobachtet und die Polizei alarmiert. Über 13 Stunden mussten die Eltern Höllenängste um ihre Tochter ausstehen. Erst nach der Geldübergabe setzte W. Carolina gegen 21.30 Uhr in Kleinmachnow wieder aus. Darauf hatten Polizisten (insgesamt waren 530 im Einsatz) nur gewartet. Denn zu diesem Zeitpunkt waren Beamte dem Entführer schon fast zwei Stunden lang unauffällig gefolgt. Sie stoppten das Auto und überwältigten Carsten W., neben ihm auf dem Beifahrersitz lag die Sichel und das Lösegeld.
Am Dienstag werden Zeugen gehört. Als erstes sollen Carolinas Eltern sagen, wie die Kleine die Entführung verkraftet hat. Das Urteil (fünf Jahre Haft sind die Mindeststrafe) wird bereits am Freitag erwartet. MKL
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