Das Martyrium der jungen Dilara (Name geändert) begann bereits im Frühjahr 2012. Die damals 18-Jährige war in der Türkei mit einem jungen Mann liiert – gegen den Willen ihrer Familie.
Daraufhin beschlossen ihre männlichen Angehörigen, die in ihren Augen zu aufmüpfige Frau umzubringen. Dilara floh zu ihrem leiblichen Vater Tamer B., der seit 15 Jahren in Deutschland lebt.
Doch die Flucht brachte für Dilara nicht die erhoffte Freiheit: Bereits im Sommer 2012 wurde sie mit dem Sohn eines Bekannten des Vaters verheiratet – gegen ihren Willen.
Tamer B. sieht das anders. „Zwangsheirat gibt es nicht! Bei uns Türken ist es so: Hat man eine Tochter, gibt es Bewerber. Und wir stimmen dann zu“, so der Mann vor Gericht. Er habe seiner Tochter „niemanden aufgezwungen!“
Doch als Dilara kurz vor der Hochzeit demonstrativ ihren Verlobungsring abnimmt, beschimpft Tamer B. seine Tochter und schlägt ihr ins Gesicht. Aus Angst zieht sie den Ring wieder über den Finger. „Ich wusste, was mir blüht. Ich musste mich fügen.“ Wenige Wochen später wird sie auf dem türkischen Konsulat verheiratet.
Erst einer Lehrerin, bei der Dilara einen Deutsch-Kurs macht, fällt auf, wie sehr sich die früher so selbstbewusste Frau verändert. Gemeinsam mit einer befreundeten Pfarrerin spricht sie Dilara an.
„Ich habe selten jemanden erlebt, der so starke Angst hatte“, so die Frau vor Gericht. Die Helferinnen machen das einzig Richtige: Weil Dilara sogar während des Unterrichts von einem Verwandten überwacht wird, holen sie die junge Frau unter einem Vorwand aus dem Klassenzimmer. Und bringen sie zu einer Beratungsstelle.
Seitdem lebt Dilara in einem Frauenhaus. Nach deutschem Recht ist sie wieder geschieden – nach türkischem noch nicht.
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