Prozessbeginn gegen Bandenmitglied

Rentnerin abgezockt und in den Tod getrieben?

77-Jährige fiel auf Internetbetrüger rein und nahm sich das Leben.

Kerstin Rebien
Lesezeit 2 Min
Der Angeklagte Felix O. (42) soll Ruth T. (77) ausgeplündert haben.

Der Angeklagte Felix O. (42) soll Ruth T. (77) ausgeplündert haben.

© Olaf Wagner

Die Rentnerin bekam eine E-Mail von den Betrügern

War es Felix O. (42), der sie vor vier Jahren ausplünderte? Wurde Ruth T., die sich 2018 das Leben nahm, durch die Abzocke in den Tod getrieben?

Der Nigerianer, der in Luxemburg gefasst wurde, nun vor Gericht. Unklar, ob er wirklich Felix O. heißt. Man fand bei ihm einen belgischen und einen nigerianischen Pass sowie einen spanischen Führerschein. Die Berliner Justiz zweifelt: „Unbekannt“ steht in der Anklage.

Alles begann mit einer E-Mail: „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind Erbin!“ Angeblich mehrere Millionen Euro. Man habe sie ermittelt. Der Haken: „Vorausgebühren“ seien zu zahlen. Bargeld wurde verlangt. Eine Polizistin: „Es folgte Kommunikation mit hoher Frequenz.“ Mit anderen Worten: Ständig gab es Botschaften.

Die Rentnerin alarmierte am Ende die Polizei - doch sie verlor Tausende Euro

Ein Fall von „Scamming“: Professioneller Betrug über das Netz. Liebe, Freundschaft oder ein Erbe wird vorgetäuscht. Ein Ermittler: „Häufig erfolgt der erste Kontakt von Afrika aus.“ Oft seien es nigerianische Gruppen – „netzwerkartig organisiert“. Hat man ein mögliches Opfer an der Angel, werden „Abholer“ losgeschickt.

O. soll von Januar bis Juli 2015 vier Mal Bargeld von Ruth T. (Name geändert) kassiert haben: 59.300 Euro, dann 89.400 Euro, schließlich 10.000 Euro und weitere 15.000 Euro.

Die ständigen Mails der Betrüger. Der Druck. Von Anwälten war die Rede. Die Seniorin aus Pankow rutschte immer tiefer in die Schulden. Bis eine fünfte Übergabe scheiterte, weil sie doch die Polizei alarmierte. Felix O. wollte laut Anklage 20.000 Euro für eine Anwältin in Brüssel. Jetzt schwieg er. Fortsetzung: Dienstag.  

KE

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