„Es ist schon ein Rückschritt“, sagt Ronald Rambow, Vorstandsvorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Binz/Rügen. Die Berliner Investorenfirma „Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG“ hatte vor vier Jahren begonnen, Block 1 des insgesamt 2,5 Kilometer langen Gebäuderiegels zu sanieren. Jetzt ist sie pleite.
Blick auf Block 5 im denkmalgeschützten Komplex Prora: Hier gibt es seit sieben Jahren eine Jugendherberge.
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Die übrigen vier Blöcke sind zwar nicht betroffen. Trotzdem macht die Nachricht von der Insolvenz viele Menschen auf Rügen nervös. „Die Strandpromenade vor dem Block sollte verlängert werden“, sagt Rambow, „da ist es unschön, wenn dann ein Kuckuck am Gebäude klebt.“
Mehrkosten durch Bauzeitverlängerung
Die Investoren erklären ihren Insolvenzantrag mit einer Entscheidung der finanzierenden Bank. „Unser Bankdarlehen wurde bedauerlicherweise nicht ein weiteres Mal verlängert“, so das Geschäftspaar Iris Hegerich und Gerd Grochowiak. „Trotz aller Bemühungen sind die Verhandlungen am 31. Juli 2018 endgültig gescheitert.“
Urlaub mit Meerblick: In Block 2 wurden bereits 350 Apartments und ein Hotel errichtet.
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Die Schwierigkeiten, die zum verlängerten Kreditbedarf geführt hätten, lägen zum einen in einer erheblichen Bauzeitverlängerung mit damit verbundenen Mehrkosten. „Zum anderen haben wir uns vom Generalunternehmer wegen unerfüllbarer Forderungen mitten in der Bauphase trennen müssen“, so Hegerich und Grochowiak. Die meisten der 280 Wohnungen, die für 3500 bis 8000 Euro pro Quadratmeter angeboten wurden, sind aber verkauft. Nur drei seien noch zu haben.
Bauten sind noch nicht beendet
Der Insolvenzverwalter Philipp Hackländer erklärte am Mittwoch, die verkauften Wohnungen seien bereits übergeben und bezogen. Das sogenannte Gemeinschaftseigentum – Grünanlagen, Parkplätze und Straßen – sei aber „noch nicht vollständig fertig“. Laut Hegerich und Grochowiak wurden auch geplante Gewerbeeinheiten noch nicht realisiert.
Die Erwerber der Wohnungen haben nach Angaben des Insolvenzverwalters 91,5 Prozent der Kaufpreise gezahlt – wie es vertraglich vereinbart wurde. „Für die Käufer sind Eigentumsvormerkungen in den Grundbüchern eingetragen, die ihre Ansprüche sichern“, sagt Hackländer.
Moderne Einrichtung: So sehen die neuen Wohnungen aus, die in Prora entstanden sind.
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Nach Makler- und Bauträgerverordnung zahlen Käufer ihre Raten je nach Baufortschritt. Solange nicht sämtliche Arbeiten erbracht sind, ist der volle Preis nicht fällig.
„Wurde dieses übliche Vorgehen hier eingehalten, sind die Risiken der Anleger begrenzt“, sagt Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Insolvenzverwalter Hackländer kündigt an, er wolle die Arbeiten mit Unterstützung des Hauptgläubigers „noch in 2018“ fertigstellen.
Kein Kommentar aus dem Rathaus Binz
Die Nachbarschaft ist über die Pleite nicht erfreut. „Wir bedauern die Entwicklung im nebenstehenden Block 1, sehen sie aber nicht als grundsätzlichen Rückschlag für die Gesamtentwicklung von Prora“, sagt Ulrich Busch, Investor und Gründer des Hotels Prora Solitaire, das 2015 im Block 2 in Betrieb ging. „Wenn der Insolvenzverwalter mit dem dort fast abgeschlossenen Projekt verantwortungsvoll umgeht, kann das auch erfolgreich für alle Beteiligten gemanagt werden.“
Im Rathaus in Binz will niemand das Scheitern kommentieren. Der Bürgermeister ist im Urlaub, sein Stellvertreter äußerte sich nicht, nur so viel: „Wir werden Anfang nächster Woche intern in der Verwaltung diskutieren, was das bedeutet. Vorher gibt es keine Auskunft.“
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