Priscilla Presley

„Ich habe Elvis oft angestarrt, während er schlief“

Ein Interview über ihre Ehe und Scheidung, Graceland und ihre Deutschland-Tour.

Katja Schwemmers
Lesezeit 10 Min
Trautes Glück: Elvis und Priscilla bei ihrer Hochzeit am 1. Mai 1967. Ihre Ehe hielt sechs Jahre; sie blieben Freunde. 

Trautes Glück: Elvis und Priscilla bei ihrer Hochzeit am 1. Mai 1967. Ihre Ehe hielt sechs Jahre; sie blieben Freunde. 

© imago

Wir treffen Priscilla Presley im Steigenberger Hotel in Frankfurt. Ihre Begrüßung ist herzlich. Die Ex-Gattin von Elvis Presley gibt sich interessiert und kichert wie ein Teenager. Die 71-Jährige ist zierlich, ihre Haare sind rot gefärbt, und sie ist hell geschminkt, was der King of Rock’n’Roll an ihr mochte. Im Gespräch erzählt die Schauspielerin und Businessfrau von der Zeit mit Elvis in Bad Nauheim und dem nicht immer einfachen Leben in Graceland. Sie wird dabei nicht müde, den Mythos der unendlichen Liebe aufrechtzuerhalten.

KURIER: Mrs. Presley, Sie und Elvis gehörten zu den schönsten Liebespaaren der Musikgeschichte. War Ihnen damals bewusst, mit einem der attraktivsten Männer der Welt verheiratet zu sein?

Priscilla Presley: Oh ja, immer! Ich habe Elvis oft angestarrt, während er schlief. Er sah so wunderschön aus! Man konnte ihn nur anhimmeln.

Wie würden Sie Elvis in drei Worten beschreiben?
Großzügig, fürsorglich und ... (Sie überlegt lange.)

Ein guter Liebhaber?

Das wären ja fünf Wörter! Ich nehme das Wort wundervoll.

Vor 50 Jahren, am 1. Mai, gaben Sie Elvis in Las Vegas das Ja-Wort.

Ich selbst kann es nicht glauben, dass so viele Jahre vergangen sind ...

Sie haben Elvis 1959 als 14-Jährige bei einer Party in seinem Haus in Bad Nauheim kennengelernt. Damals soll er nicht in bester Verfassung gewesen sein.

Doch, seine Grundstimmung war gut. Deutschland hat ihm schon gefallen. Er fühlte sich hier nur sehr allein. Seine Mutter war kurz zuvor gestorben. Er war voller Trauer. Ich habe ihn also in einer sehr verletzlichen Zeit seines Lebens getroffen. Aber da war sofort eine Chemie zwischen uns.

Sie haben ihn aufgebaut?

Ich habe ihm zugehört. Er vertraute mir und hat mir sein Herz ausgeschüttet. Das schweißte uns zusammen. Als er zurück in die Staaten ging, konnten wir diese Vertrautheit konservieren. Er war in Amerika wieder mit den Aufnahmen von Musik und Filmen beschäftigt. Es war schwierig für ihn, in dem Umfeld Freundschaften und Beziehungen aufzubauen. Ich bezweifle, dass er diese Verbundenheit, die zwischen uns war, jemals wieder mit einer anderen Person in seinem Leben hatte.

Über Ihre Zeit mit Elvis in Deutschland haben Sie gesagt: „Tagsüber war ich eine Schülerin der neunten Klasse, nachts Elvis’ Mädchen.“

Ja, das war ein komisches Doppelleben, das ich führte. Besonders, weil ich unsere Beziehung geheim halten musste. Denn ich wusste, wie sehr Elvis seine Privatsphäre schätzte. Wir wollten, dass niemand es mitbekam. Lediglich eine Freundin von mir wusste davon. Sie war einige Male dabei, als er anrief, und ich bat sie dann immer rauszugehen. Doch das machte sie erst recht neugierig. Irgendwann vertraute ich mich ihr an. Wir sind heute noch eng befreundet.

Es gibt ein ikonenhaftes Foto, wo Sie am Flughafen stehen, um Elvis nach seinem Wehrdienst aus Deutschland zu verabschieden. Waren Sie sich damals sicher, dass Sie ihn wiedersehen würden?

Nein, überhaupt nicht. Auch meine Familie hat keinen Cent drauf gegeben. Bevor Elvis und ich aus dem Auto stiegen, sagte er mir noch: „Ich will nicht dein trauriges Gesicht sehen, wenn ich in das Flugzeug einsteige. Also, bitte lächele.“ Es war hart für mich, die Fassung zu bewahren. Als ich dann zurück in den Terminal ging, lauerten überall Fotografen. Ich grinste gezwungenermaßen, weil ich Angst hatte, dass ein trauriges Foto von mir veröffentlicht werden würde. Ich konnte nicht verhindern, dass ich in der Presse als „Das Mädchen, das Elvis zurückließ“ bezeichnet wurde.

Aber er meldete sich tatsächlich wieder.

Ja, es dauerte endlose drei Wochen. Er erzählte mir, was bei ihm alles los sei, und sagte mir, wie sehr er mich vermissen würde. Elvis schickte mir dann immer Vinyl-Singles mit romantischen Titeln, und ich machte es genauso. So blieben wir in Kontakt.

Mit 17 sind Sie zu Elvis nach Graceland gezogen. Hatten Ihre Eltern keine Einwände?

Anfangs schon. Ihr Einverständnis war an Auflagen geknüpft, beispielsweise musste ich eine katholische Schule in Memphis besuchen und mich jeden Tag bei ihnen melden. Ich war für mein Alter sehr selbstständig, was auch daran lag, dass mein Vater bei der US-Luftwaffe war, oft versetzt wurde und ich schon in meiner Kindheit mehrmals den Wohnort wechseln musste. Ich war es gewohnt, mich immer wieder neuen Umgebungen anzupassen.

Fühlten Sie sich nicht allein fernab von Ihrer Familie?

Ja, das war schwierig. Elvis hatte einen engen Kreis von Freunden; wir lebten quasi mit seinen acht Kumpels unter einem Dach. Ich hing nur mit seinen Freunden und den Frauen seiner Freunde ab. Ich kam gut mit ihnen zurecht. Aber ich hatte gar keine Ahnung, wie andere Mädchen in meinem Alter tickten. Da ich nicht über unser Leben mit anderen sprechen sollte, empfanden mich andere Frauen auch oft als distanziert. Mein Leben fühlte sich nach einer Weile an wie ein Käfig.

Sie konnten da nicht ausbrechen?

Ich war ja noch so jung. Ich lebte sein Leben, weil ich kein eigenes hatte. Elvis verließ so gut wie nie das Haus, wenn er nicht gerade auf Tour war. Er ging nicht mal ins Restaurant, weil er keine Lust hatte, beim Essen fotografiert zu werden. Ich schaute die Filme und hörte die Musik, die er auswählte. Wir reisten dorthin, wo er wollte. Elvis bestimmte, wie ich meine Haare und mein Make-up tragen sollte. Seine Ängste, Vorlieben und Überzeugungen wurden zu meinen; in Unterhaltungen sagte ich Dinge, die ich von ihm hatte. Ich wusste eigentlich gar nicht, wer ich als Frau war.

Priscilla Presleys bewegtes Leben

Priscilla 1960 als 16-Jährige.

Priscilla 1960 als 16-Jährige.

© imago/United Archives Internatio

Priscilla 1968 mit Elvis und Töchterchen Lisa Maria.

Priscilla 1968 mit Elvis und Töchterchen Lisa Maria.

© dpa

Erinnerung an Elvis. Priscilla steht vor einer Gibson J-200 bei einer Ausstellung in London. 

Erinnerung an Elvis. Priscilla steht vor einer Gibson J-200 bei einer Ausstellung in London. 

© dpa

Priscilla Presley spielte von 1983 bis 1988 in der TV-Serie „Dallas“ Jenna Wade Marchetta Krebbs (hier mit Christopher Atkins). 

Priscilla Presley spielte von 1983 bis 1988 in der TV-Serie „Dallas“ Jenna Wade Marchetta Krebbs (hier mit Christopher Atkins). 

© imago/ZUMA Press

Auch auf der Leinwand war sie zu sehen. Hier posiert sie an der Seite von Leslie Nielson im Kino-Erfolg „Die nackte Kanone“ (1995). 

Auch auf der Leinwand war sie zu sehen. Hier posiert sie an der Seite von Leslie Nielson im Kino-Erfolg „Die nackte Kanone“ (1995). 

© imago

Am 15. Mai steht sie beim Deutschland-Tourauftakt von „Elvis in Concert – Das Original aus Graceland“ auf der Bühne der Mercedes-Benz Arena in Berlin. Tickets gibt es für 49,99 Euro.

Am 15. Mai steht sie beim Deutschland-Tourauftakt von „Elvis in Concert – Das Original aus Graceland“ auf der Bühne der Mercedes-Benz Arena in Berlin. Tickets gibt es für 49,99 Euro.

© imago/ZUMA Press

Vom Tag Ihrer Scheidung 1972 gibt es Fotos, auf denen Elvis und Sie Arm in Arm das Gericht verlassen und sich mit einem Kuss verabschieden.

Wir waren ja nicht mal im Gericht! Unsere Ehe wurde außerhalb des Gerichtssaals von einem Kammerrichter (Judge’s Chamber) aufgelöst. Wir haben uns also nicht auf die übliche Art scheiden lassen. Elvis und ich hielten dabei Händchen. Scheinbar war das auch für den Richter ungewöhnlich. Er schrieb später ein Buch über die Prominenten-Ehen, die er geschieden hatte. Über uns stand darin, dass es sich eher anfühlte wie eine Hochzeitszeremonie als eine Scheidung. Er war der Meinung, wir würden ein zweites Mal heiraten, weil er selten ein getrenntes Pärchen erlebt hatte, das so liebevoll und freundlich miteinander umging. Und das war nicht gespielt. Denn unsere Beziehung endete nicht mit diesem Tag. Elvis war weiterhin mein Mentor. Wir sind Freunde geblieben und sahen uns häufig – natürlich auch wegen unserer Tochter Lisa-Marie.

Warum haben Sie sich dann überhaupt scheiden lassen?

Weil sein Lifestyle eine echte Herausforderung darstellte. Das war nicht der Lifestyle für eine Ehe. Er lebte den Rock’n’Roll, und das ist nicht immer glamourös. Man hat eigentlich gar kein Leben. Er war oft von Zuhause weg, und wenn er da war, blieb er die ganze Nacht auf. An Liebe zwischen uns hat es jedoch nie gefehlt. Elvis war die Liebe meines Lebens. Aber mit 28 war es an der Zeit, mein eigenes Leben zu leben.

Gehörte dazu, eine Schauspielkarriere einzuschlagen?

Damit ließ ich mir nach der Trennung noch zehn Jahre Zeit. Fünf Jahre in „Dallas“ mitzuspielen, an der Seite von Larry Hagman (spielte den Bösewicht J.R. Ewing, Anm. d. Red.), der zum Freund für mich wurde, hat unglaublich Spaß gemacht. Und die drei „Die nackte Kanone“-Filme mit Leslie Nielson gemacht zu haben, war nicht nur lehrreich, sondern bedeutete auch Selbstverwirklichung für mich.

Erinnern Sie sich an den Tag, als Elvis starb?

Natürlich. Aber ich spreche darüber nicht gerne. Ich möchte die freudevolle Erinnerung an ihn nicht trüben. Ich selbst habe lange genug getrauert.

Als Elvis starb, war er finanziell nicht gut gepolstert.

Das ist richtig. Fast alles war für seinen ausschweifenden Lebensstil draufgegangen und für die vielen Präsente. Elvis war so großzügig, dass er Pferde, Autos und sogar ganze Häuser verschenkte. Nicht nur seiner Familie, sondern auch seinen Freunden. Aber wenn sein Vater, der die Buchhaltung für ihn machte, deshalb die Augenbrauen hochzog, sagte Elvis nur: „Ich kann doch mehr Geld verdienen.“

Laut der aktuellen Forbes-Liste ist Elvis auf Rang 4 der toten Bestverdiener.

Die Rangliste ist mir gar nicht wichtig. Elvis hatte Zeit seines Lebens Angst, vergessen zu werden – dafür arbeite ich. Dass er 40 Jahre nach seinem Tod immer noch zu den Bestverdienern gehört, liegt in erster Linie an Graceland. Es ist nach dem Weißen Haus in Washington das meistbesuchte Haus in den USA.

Graceland wurde 1982 als Museum eröffnet. Warum waren Sie sich sicher, dass das funktionieren würde?

Ich war mir nicht sicher, aber ich hatte kaum andere Möglichkeiten. Wir brauchten die Einnahmen, um Graceland weiterhin unterhalten zu können. Ich hätte es nicht ertragen können, wenn der Staat uns gezwungen hätte, Graceland zu verkaufen – denn genau so wäre es gekommen. Besonders auch wegen Lisa-Marie, die damals neun Jahre alt war, hätte mir mein Herz geblutet, wenn das Haus in die Hände anderer Leute gefallen wäre. Elvis liebte Graceland; zu Lebzeiten hatte er versprochen, dass es für immer unser Zuhause sein würde. Ich habe also getan, was getan werden musste. Den Widrigkeiten zum Trotz, denn fast alle Leute in meinem Umfeld sagten mir, dass Graceland als Museum ein Flop werden würde.

Was ist der Nachteil daran, Priscilla Presley zu sein?

Es gibt einige. Mit dem Ruhm habe ich besonders zu hadern. Daran habe ich mich nie gewöhnt. Nicht, dass ich mich beschweren möchte, aber die Sozialen Medien machen es echt hart. Früher war das noch erträglicher. Aber heute gibt es auch eine andere Art von Journalismus. Es wird auf jede Kleinigkeit geachtet, jeden Fehler, das Aussehen, aus allem wird eine Geschichte gemacht. Man hat das Gefühl, die ganze Zeit beobachtet zu werden. Das ist eine Herausforderung. Selbst für Elvis war das eine Herausforderung.

Wie meinen Sie das?

Der Rummel um seine Person war der Grund, warum er nie wirklich vor die Tür ging. Er konnte die Zeit nicht wirklich genießen, wenn er irgendwo hinging, weil überall Fotografen waren. Es gibt einen Preis für den Ruhm, und Elvis hat ihn bezahlt. Berühmtheit ist ein Monster, mit dem du leben und umgehen musst. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass da ein bisschen mehr Nettigkeit in dem Monster stecken würde.

Ab 15. Mai gastiert das „Elvis in Concert“-Orchester in Deutschland. Sie führen selbst durch die Shows.

Ja, und es ist nervenaufreibend. Wenn ich im August in Memphis zu den jährlichen Elvis-Feierlichkeiten auf der Bühne stehe, sind da eingeschworene Fans aus aller Welt. Das Ganze hat eher einen Familien-Vibe. Aber bei der Tournee spüre ich eine andere Erwartungshaltung. Da sitzt ein Publikum vor mir, das sich vielleicht lange nicht mit Elvis beschäftigt hat und erst überzeugt werden muss. Beim Tourauftakt in Großbritannien musste ich mich zusammenreißen, um überhaupt da rauszugehen, weil mir so die Knie zitterten. Aber Elvis hätte gesagt: Die Show muss weitergehen, nicht wahr?

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