Auf ihren Postkarten steht der Fernsehturm an der Adria, aus dem Wasser ragt das Brandenburger Tor. Die herrlich verrückten Motive fügt Marturano aus echten Fotoaufnahmen zusammen.
Protz-Bauwerke und Autobahnen als Postkartenmotive
Die Tochter eines Italieners und einer Österreicherin war schon immer verliebt in Berlin. Das liegt wohl daran, dass ihre Urgroßoma aus der deutschen Hauptstadt kam. Gaia Marturano selbst lebt seit acht Jahren in Berlin, wo sie die Wahrzeichen der City Ost als Kunstobjekt entdeckte.
Diese Postkarte hat den passenden Titel „Surrealistische Weltzeituhr“.
© Gaia Marturano/zVg
Ihr fiel auf, dass alte DDR-Postkarten so ähnlich aussehen wie die italienischen Postkarten ihrer Kindheit. In den 80er-Jahren sei es dort üblich gewesen, Protz-Bauwerke, Hotels, Raststätten und sogar Autobahnen abzubilden – „als Synonym für modernen, komfortablen Urlaub“. Für ihre kuriosen Berlin-Postkarten hat sie im Grunde nur die Berliner Gebäude in die südeuropäischen Bildhintergründe eingefügt.
Sonnenbaden am Fernsehturm
Die Originalmotive findet Gaia Marturano manchmal noch in italienischen Urlaubsdörfern – in den Tabakläden der Bahnhöfe. Sie machte sich schon einen Spaß daraus, die überkolorierten Postkarten auf 1981 zu datieren, mit frei erfundenen Absendern zu versehen und an Freunde zu verschicken.
Vor allem aber geht es ihr darum, ihre Wahl-Heimat Berlin verfremdet in Szene zu setzen: Fernsehturm, Dom und Hotel Park Inn verlagert sie in Sichtweite von Sonnenbadern und Liegestühlen. Die Weltzeituhr ragt aus dem Sand hervor. Auf einer anderen Montage gondelt die „Berliner Bergbahn“ durch die Alpen – im Hintergrund der Alex mit dem Fernsehturm.
Urlauber klettern über Felsen, im Hintergrund ragt das Brandenburger Tor aus dem Meer.
© Gaia Marturano/zVg
Ihre Postkarten verkauft Gaia Marturano etwa auf dem Flohmarkt am Arkonaplatz, in mehreren Läden und inzwischen auch über einen Online-Shop (www.klarabezug.com). Die meisten Postkarten kosten 1,20 Euro pro Stück. Die Kunden sind gleichermaßen Berliner und Touristen. Urlaubsreife Hauptstädter hängen sich die Sehnsuchtsmotive an die Wand.
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