Lullu Gun und Juliette Marsh auf der Oberbaumbrücke.
© Teich Lizenz
Die beiden Darsteller genossen die neugierigen bis schockierten Blicke der Passanten.
© Teich Lizenz
Der Name der Porno-Reihe lautet "Public Disgrace", zu deutsch öffentliche Schande.
© Teich Lizenz
Blankziehen vor Schloss und Dom. Ohne Scham lüpften die beiden Frauen ihre Kleider, der Kameramann hält drauf.
© Lizenz
Auch am Touristenmagneten „Curry 36“ am Mehringdamm sorgte der Dreh für Aufsehen.
© Lizenz
Posing für ein Erinnerungsfoto. Drei Darsteller lassen sich am sowjetischen Ehrenmal auf dem 17. Juni fotografieren.
© Lizenz
Elegant, auf achtzehn Zentimeter hohen Absätzen, schreitet Juliette langsam über die grauen Betonplatten. 13 Uhr mittags, es ist heiß unter den Bögen der Oberbaumbrücke. Juliettes Blick ist streng, kein Hauch von Sommerfrische. Das eng anliegende Kleid und der schwarze Rock sind gerade lang genug, um das Nötigste zu verdecken.
Sicher, Hunderte Frauen laufen bei dieser Hitze in ähnlichen Outfits durch die Stadt. Das, was Juliette von den Hauptstädterinnen unterscheidet, ist das einen Meter lange Seil an ihrer Hand. An dessen Ende: Lullu. Nackt bis auf ein rotes Hütchen.Willkommen beim öffentlichsten Porno-Dreh – der Tag, an dem Berlin errötete.
Porno-Streifen am hellichten Tag
Die Spree-Überquerung zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, die Siegessäule, das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten, U-Bahn-Stationen, selbst Curry 36. Zehntausende Touristen und Berliner besuchen die bekannten Sehenswürdigkeiten täglich. In den letzten Wochen, am helllichten Tag und von den meisten unbemerkt, wurde mitten unter ihnen ein Porno-Streifen gedreht.
Titel: „Public Disgrace“, zu deutsch „öffentliche Schande“. Seit 2008 gibt es diese Reihe, gedreht wurde bereits in vielen Städten auf der ganzen Welt. Nun eben auch in Berlin. Erfinder und Regisseur des ganzen ist Steve Holmes, geboren in Rumänien, in den 90ern einer der meistgebuchten und preisgekrönten Darsteller der deutschen Pornoszene.
„Das Spannende an der Reihe ist die Reaktion der Zuschauer. Niemand weiß, was passiert. Der Blick in ihre Gesichter, diese Mischung aus Schock und Faszination, ist jedes Mal ein Erlebnis“ sagt der 54-Jährige, der in Budapest lebt. Früher war Holmes Manager einer Softwarefirma, lebte mit Frau und den beiden mittlerweile erwachsenen Töchtern im München. Doch das Porno-Geschäft hat ihn gefangen.
Wie seine Darsteller. „Mit Steve Holmes zu arbeiten, ist eine Ehre“, erklärt Lullu Gun (23), die Nackte von der Oberbaumbrücke. Ihre Kollegin Juliette ergänzt: „Die Interaktion mit dem Publikum erregt mich. Wenn die Leute stehenbleiben, starren, ihre Handys für Fotos zücken – das kribbelt.“
Allzu lange bleiben die Schmetterlinge im Bauch allerdings nicht. Jede Szene muss sitzen. Beim ersten Mal. Ist sie durch, ruft Steve Holmes: „Los, los, rein in die Autos und weg“. Was bleibt, sind Zuschauer mit rotem Kopf.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com