Polizist niedergerast

Intensivtäter im Netz der Fahnder

Immer schlimmer: Jetzt rasten Jung-Ganoven einen Polizisten nieder

Claudia Keikus-Wilms
Lesezeit 3 Min
Der schreckliche Unfall von November 2015, als Intensivtäter in der Karl-Marx-Allee einen Taxifahrer totfuhren.

Der schreckliche Unfall von November 2015, als Intensivtäter in der Karl-Marx-Allee einen Taxifahrer totfuhren.

© Schröder

Die Karte zeigt, wie die Polizei an den Intensivtätern dran blieb und sie schnappte.

Die Karte zeigt, wie die Polizei an den Intensivtätern dran blieb und sie schnappte.

© KURIER-Grafik

Früher hießen sie Intensivtäter, jetzt Mehrfachtäter. Es sind die unverbesserlichen Jungverbrecher, die den Beamten den Alltag so schwer machen. 724 Mehrfachtäter hat Berlin mittlerweile. Das ist enorm – 2011 waren es noch 550.

BMW-Gangster im Visier

Und genau so ein Trio hatte die Polizei am Donnerstag-Nachmittag im Visier. In Heiligensee stießen Zivilfahnder auf einen BMW, der langsam durch die Straßen fuhr. Die Verdächtigen (17, 20, 23) mit Migrationshintergrund schauten sich immer wieder um. Gegen 17.20 Uhr stoppten sie in der Keilerstraße. Einer stand vor dem Grundstück Schmiere, seine zwei Komplizen kletterten über ein Tor. Was dann auf dem Grundstück passierte, konnten die Ermittler nicht sehen.

Gegen 18.15 Uhr, eine knappe Stunde später, tauchten sie mit einer Tasche, die sie zuvor nicht hatten, auf. Zwei fuhren mit dem BMW weg. Ihnen folgte der Dritte mit einem Mercedes, der den Bewohnern des Einfamilienhauses gehört. Die Polizei wollte sie stoppen, sperrte mit einem Funkwagen die Autobahnzufahrt an der Schulzendorfer Straße.

Der Täter-BMW fuhr über den Grünstreifen, touchierte das Polizeiauto und raste in den Beyschlagtunnel. Dort kam es zum Crash. Die beiden Insassen flüchteten zu Fuß aus dem Tunnel und konnten verschwinden. Ihr Komplize war mit dem Mercedes auch weg.

Die Fahnder fuhren zu den bekannten Aufenthaltsorten der Täter. Gegen 19.45 Uhr entdeckten die Ermittler zunächst den Klau-Mercedes in der Hermannstraße in Neukölln. Kurz darauf tauchte der 17-Jährige am Wagen auf. Die Handschellen klickten. Drei Stunden später sahen die Fahnder in der Neuköllner Kranoldstraße, wie die 20- und 23-Jährigen mit zwei weiteren Intensivtätern (19, 25) in einen Miet-BMW stiegen.

Am Steuer ein Mann (42). Das SEK wurde alarmiert, stellte das Auto an der Kaiser-Friedrich-, Ecke Bismarckstraße an einer roten Ampel. Die Täter rasten erst eiskalt einen SEK-Mann nieder, der auf die Fahrbahn geschleudert wurde, mit dem Hinterkopf aufschlug. Dann rammten sie drei SEK-Wagen.

Trotzdem gelang es den Beamten, sie zu stoppen. An der Kreuzung schnitt ein Polizist mit einem weiteren Wagen dem BMW den Weg ab, woraufhin dieser gegen den Dienstwagen fuhr und dann zum Stehen kam. Der 20-Jährige stieg aus und flüchtete zu Fuß in die Bismarckstraße. Ihm folgte ein Beamter des SEK, der dabei Schüsse in die Luft abgab. Kurz darauf konnte der Flüchtende festgenommen werden. Der 42-jährige Fahrer und die anderen drei Insassen wurden am BMW vorläufig festgenommen. Der angefahrene Polizist des SEK hat zum Glück nur eine Kopfplatzwunde sowie Prellungen.

Der 19- und der 25-Jährige wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen laufen gelassen. Hingegen wurden die 17-, 20- und 23-jährigen Intensivtäter sowie der 42 Jahre alte BMW-Fahrer zum Erlass von Haftbefehlen einem Richter vorgeführt. 

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