Bereits zur WM 2006 sollte das neue System komplett einsatzfähig sein. Aber noch zehn (!) Jahre später gibt es massive Probleme mit der angeblich ausgereiften Technik. Das Hauptproblem: Egal ob bei Einsätzen in Gebäuden, auf U-Bahnhöfen, in Tunneln oder Tiefgaragen – immer wieder reißt die Verbindung zwischen Handfunkgeräten und Leitstelle oder zu Kollegen ab. So auch kürzlich bei einem Einsatz im Benjamin-Franklin-Krankenhaus, als ein Patient einen Arzt erschoss.
Weil die Beamten, die als erste im Krankenhaus waren, fast eine Stunde keinen Funkkontakt zu ihren Kollegen draußen oder zur Leitstelle hatten, wussten sie zunächst nicht, ob es sich um eine Einzeltat, einen Amoklauf oder sogar einen Terroranschlag handelte. „In Zeiten, in denen wir immer und überall mit einem Terror-Anschlag rechnen, ist das wirklich übel“, sagt ein hochrangiger Polizeibeamter. Im diesem Fall störte der im Krankenhaus verbaute Stahlbeton den Funk. Leider kein Einzelfall: Denn dieser Baustoff wurde in vielen älteren Berliner Groß-Gebäuden verwendet. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.
Nicht nur Stahlbeton legt die angebliche Wundertechnik matt. So sind Kritiker des neuen Funk-Systems davon überzeugt, dass die Berechnungsgrundlage der benötigten Basisstationen für Berlin schlichtweg falsch ist. Rund 50 dieser Stationen gibt es derzeit. In Wien, das flächenmäßig halb so groß wie Berlin ist, sind hingegen 138 Stationen im Einsatz.
Und schließlich ist auch die zu geringe Leistung der Handfunkgeräte ein Problem. Sie werden mit maximal einem Watt Sendeleistung betrieben. Weil die damit relativ schwachen Funkwellen aber bereits von größeren Menschenansammlungen abgelenkt werden, sind viele Polizisten bei Demos, aber auch an gut besuchten Plätzen wie dem Alexanderplatz regelmäßig „taub“.
„Das sind alles Probleme, die die Verantwortlichen schon lange kennen“, so der Ermittler weiter. „Aber eine Lösung hat uns bislang niemand präsentiert.“
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