Ein Augenzeuge des Vorfalls sagte dem KURIER, dass der Korso aus rund 25 Fahrzeugen bestanden hätte, die hupend und verkehrsgefährdend quer durch den Soldiner Kiez gefahren seien. Wie die Polizei auf Anfrage bestätigte, kam es dann gegen 16.40 zu dem Einsatz in der Koloniestraße an der Ecke zur Osloer Straße.
Polizei stellt Schreckschusswaffe sicher
Diese Gäste zeigen den Gruß der rechtsextremen Grauen Wölfe.
© MvH
Zeugen hätten von Schüssen berichtet – und tatsächlich sei „eine Schreckschusswaffe bei einem 24-Jährigen gefunden und sichergestellt“ worden, so ein Sprecher. Zum Zeitpunkt der Kontrolle seien allerdings nur noch sechs Fahrzeuge angetroffen worden. Nach Abschluss der Maßnahmen hätten die Männer ihren Weg zudem fortsetzen dürfen.
Dabei zeigten mindestens zwei der Männer den Gruß der Grauen Wölfe, einer als rechtsextrem eingestuften national gesinnter Türken, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Immer wieder kommt es in der Hauptstadt zu Polizeieinsätzen, weil vor allem türkische Hochzeitskorsos den Verkehr blockieren und Passanten sowie Anwohner in Angst und Schrecken versetzen. In mehreren Bundesländern verteilt die Polizei auf türkischen Hochzeiten bereits eigene Korso-Flyer: Kleine Broschüren, in denen den Teilnehmern der Feiergemeinden klare Regeln mitgeteilt werden.
Polizei verteilt Flyer
Darin heißt es unter anderem: „Halten Sie sich an die Verkehrsregeln, provozieren Sie keine Staus und zünden Sie keine Feuerwerkskörper“. Zudem findet sich auch der explizite Hinweis: „Führen Sie keine Waffen mit“. In Berlin sind solche Flyer derzeit noch nicht geplant.
Diesen Flyer legt die Polizei in einigen Bundesländern in Standesämtern aus.
© Polizei
Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien, Prof. Haci-Halil Uslucan wirbt unterdessen um Verständnis bei der Beurteilung solcher Hochzeitskorsos. Es handele sich nicht um „Provokationen oder Machtdemonstrationen gegen die deutsche Mehrheitsgesellschaft“, teilte der Mann kürzlich mit. „Diejenigen, die ihrer Freude Luft verschaffen, tun dies nicht explizit mit der Absicht, anderen zu schaden“, so der Türkei-Experte weiter.
Mit der Hochzeit werde vielmehr die sexuelle Beziehung eines Paares als legitim anerkannt. Dies werde traditionell lautstark nach außen kommuniziert, um bösen Gerüchten zuvorzukommen. Die Tradition stamme aus einer Zeit, in denen der Umgang mit Sexualität noch weit weniger liberal gewesen sei als heute.
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