In das System werden alle verfügbaren Daten über „Wohnraumeinbrüche“ eingespeist – bisher für die Direktionen 1 (Reinickendorf / Pankow) und 3 (Mitte). Das reicht von Tatzeiten und Tatorten über die Art des Einbruchs bis hin zur Beute, aufgeteilt über 5000 Quadrate bewohnter Fläche à 16 Hektar.
Daraus errechnet der Computer, in welchen Gegenden in den nächsten drei Tagen weitere Einbrüche zu erwarten sind (Täter neigen dazu, in von ihnen ausbaldowerten Gebieten „weiterzuarbeiten“): Jeden Morgen um 8 Uhr liegen die Ergebnisse der Prophezeiung in den Direktionen und Abschnitten vor, was eine schnelle Reaktion der Polizei ermöglicht.
Auswerter in den Direktionen verfeinern die Analyse: Danach richtet es sich, ob die Polizei die Anwohner mit Aushängen warnt, dass in ihrer Gegend Einbrecher umgehen oder ob man Funkstreifen oder Zivilbeamte zur Vorbeugung einsetzt.
Die örtlichen Kräfte können auch besser erkennen, ob wieder ein Täter oder eine Bande serienweise klaut. Stephan Harnau, oberster Analytiker im Landeskriminalamt: „Ein Einbruch, bei dem ein Fenster eingeworfen wird, deutet normalerweise nicht auf einen Profi hin. Es gibt aber Banden, die in Villengegenden eine Scheibe einwerfen, eine Stunde lang etwa entfernt warten, ob sich Nachbarn rühren oder die Polizei kommt, und dann erst ins Haus gehen.“
Harnau ist von den ersten Ergebnissen angetan: Bezogen auf 4-Quadratkilometer-Quadrate ist es gelungen, zu 81 Prozent mit der Vorhersage richtig zu liegen, dass in der Gegend erneut eingebrochen wird.
Im Spätherbst soll das System berlinweit eingesetzt werden.
Wie wichtig die Vorbeugung gegen Einbruch ist, zeigen die Zahlen: 2006 waren es 6285 Taten, 2012 mit 12 291 fast doppelt so viele. Innensenator Frank Henkel (CDU) schreibt es seiner Schwerpunktsetzung zu, dass es eine „vorsichtige Trendumkehr“ gibt – mit auf die Einbruchsbekämpfung spezialisierten „operativen Kräften“ in den Direktionen von jeweils sechs bis acht Mann oder der wieder kostenlosen Beratung von Mietern und Hausbesitzern.
2015 fiel die Zahl der Einbrüche um 2,8 Prozent auf 11 815, während sie in anderen Bundesländern teilweise um 20 Prozent stieg. 2016 gab es bisher allerdings einen Anstieg um 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – vor allem wegen vieler Einbrüche im Winter und Frühjahr. Inzwischen liegen die Monatswerte um ein Viertel unter denen der Vorjahresmonate.
Mickrig bleibt die Aufklärungsquote, obwohl man bei der Polizei über die 8,5 Prozent 2015 schon froh ist – 2012 lag sie bei 6,5 Prozent. Besser geworden sei auch die Kooperation mit der Justiz: Von 292 Verdächtigen, die bei ihr eingeliefert wurden, bekamen drei Viertel einen Haftbefehl.
Polizeipräsident Klaus Kandt will, dass noch mehr Einbrecher eingelocht werden, die Polizei sei bei aller Technik auf aufmerksame Nachbarn angewiesen: 75 Prozent aller Festnahmen gehen auf Notrufe und Hinweise zurück.
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