Viele hoffen, dass mit Emmanuel Macrons offizieller Einführung ins Präsidentenamt am Sonntag eine neue Zeitrechnung bei unseren Nachbarn beginnt. Dass die Franzosen die seit Jahren über ihrem Land lastende depressive Lähmung überwinden und in Aufbruchstimmung kommen. Das ist das Ziel Macrons. Der wird es gewiss schwer haben, aber er hat immerhin eine starke Gefährtin an seiner Seite, die selber ein Ausdruck des Aufbruchs in eine neue Zeit ist. Denn mit dem Präsidenten bekommt das Land auch eine neue Première Dame, die erste, die aus dem Titel mehr machen will, als nur schmückendes oder auch störendes Beiwerk des Präsidenten zu sein wie ihre Vorgängerinnen.
Die Engagierte: Michelle Obama (53) residierte von 2009 bis 2017 als First Lady im Weißen Haus. Die Anwältin und Angetraute von Barack Obama überzeugte mit Witz und Empathie sowie schicken Outfits, die nicht immer teuer waren.
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Brigitte Macron, geborene Trogneux, ist ein wichtiger Teil des Projekts „La république en marche“, Frankreich macht sich auf den Weg. Sie kontrolliert die Auftritte „Ohne sie wäre ich heute nicht hier“, hat Emmanuel Macron am Abend seines Sieges in die Menge gerufen und seine Frau vor der jubelnden Menschenmenge in der Pariser Innenstadt geküsst.
Er hat in der Tat zu danken: Denn seine Frau ist seine wichtigste Beraterin, seit er den Weg an die Spitze des frnzösischen Staates eingeschlagen hat. Sie entwickelt mit ihm politische Strategien, sie überarbeitet nicht nur seine Manuskripte, sie kontrolliert auch seine Auftritte. Und ganz gewiss auch ihre eigenen. Denn die Art und Weise, wie Brigitte Macron sich in der Öffentlichkeit präsentiert, ist immer auch ein politisches Statement.
Die Selbstständige: Elke Büdenbender (55), Gattin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seit 19. März Deutschlands First Lady. Die Richterin lässt ihren Posten derzeit ruhen. Erster Stil-Eindruck: schlicht und schick
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Die kluge britische Modejournalistin Jess Cartner-Morley hat die Kleidung analysiert, mit der sich die künftige First Lady am Tag des entscheidenden zweiten Wahlgangs vor einer Woche gezeigt hat, ein Tag, an dem sie immer wieder von den Kameras eingefangen wurde, ein Tag, der ihr Bild in der Öffentlichkeit prägt. „Erstens: Der blaue Mantel mit dem wie bei einem Motorradfahrer aufgestellten Kragen vermittelte einen leicht rebellischen Eindruck, während Politikerfrauen am Wahltag gewöhnlich gedeckte Kleidung wie für den Kirchgang oder ein Geschäftstreffen wählen.
Zweitens, sie hat diesen Mantel schon viele Male vorher getragen, unter anderem, mit einer Lederhose kombiniert, bei der Pariser Fashion Week im letzten Jahr. Das unterstreicht ihren eigenen Geschmack – der Mantel stammt aus ihrem Kleiderschrank, er ist nicht die Empfehlung einer Imageberaterin. Drittens, der Mantel ist von Louis Vuitton, Frankreichs größter Luxusmarke, und das verstärkt Macrons Botschaft einer fortschrittlichen Regierung, die aber keine Probleme mit der mächtigen Wirtschaft hat“ – ein ganzes politisches Programm, erzählt an einem einzigen Mantel. Auf der anderen Seite des Atlantik hat sich gerade ein anderes Präsidentenpaar etabliert: Donald und Melania Trump.
Die Distanzierte: Melania Trump (links), Ex- Model und Frau des US-Präsidenten Trump, Der Look der Schweigsamen: teuer, kühl, steril. Am Tag der Inauguration trug sie ein Kleid von Ralph Lauren in Babyblau.
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Es liegt nahe, Vergleiche anzustellen, denn nicht nur der sozialliberale, weltoffene Reformer Macron ist ein Gegenentwurf zum nationalistisch-konservativen Trump. Auch Melania, jene 24 Jahre jünger als ihr Mann, die Macrons Gattin älter ist als der, vermittelt ganz andere Botschaften. Sie zeigt einen sterilen Schick, der sich erklärtermaßen an Jackie Kennedys distanziertem Stil orientiert – den aber auch Carla Bruni gern pflegte, die glamouröse Vor-Vorgängerin Brigitte Macrons als Première Dame. Dazu passt, dass diese Frauen sich alle bewusst als unpolitische Präsidentengattinnen ohne eigene Anliegen verstanden und verstehen.
Brigitte Macron hat ein gänzlich anderes Verständnis ihrer Rolle und zeigt dies. Sie strahlt Lebensfreude, Zuversicht und Engagement aus. Sie tritt weder als 64-jährige Großmutter auf, die sie auch ist, noch als mühsam auf ewige Jugend gestyltes Girl, das sie eben nicht ist. Sie hat noch bis vor zwei Jahren als Lehrerin gearbeitet, und man erkennt ihre selbstbewusste Lebenserfahrung auch hinter dem schönen Teint, der am Atlantik in Le Touquet gebräunt ist. In dem Badeort, der den Beinamen Strand von Paris trägt, hat ihre Familie ein Haus, hier ist der Rückzugsort der Macrons.
Die Angepasste: Carla Bruni Sarkozy (49), die Vor-Vorgängerin von Brigitte Macron. Die Gattin von Nicolas Sarkozy (Präsident 2007 - 2012) gab sich öffentlich dezent. Das Ex-Model setzte auf klassische Chanel-Kostüme und flache Schuhe.
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Sie sind eine bürgerliche Wohlstandsfamilie und kommen aus einer Schicht, die einst das Bewusstsein der Franzosen als Grande Nation geprägt hat. Dass es heute viele Millionen Franzosen am Rande dieser nicht mehr so großartigen Gesellschaft gibt, ist Brigitte Macron wohl bewusst. Ihnen wird die besondere Aufmerksamkeit einer First Lady gehören, die erstmals mit eigenem Stab und Büro ausgestattet im Elysée-Palast arbeiten wird – vor allem an Projekten, die arbeitslosen Jugendlichen eine Perspektive bieten sollen. Eine politische Präsidentengattin en marche, sozusagen.
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