Polit-Krimi in Moabit

Steckt der russische Geheimdienst hinter dem Mord?

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen inzwischen von einem Auftragsmord aus.

Andreas Kopietz
Lesezeit 3 Min
Ermittler der Spurensicherung am Tatort im Kleinen Tiergarten in Moabit.

Ermittler der Spurensicherung am Tatort im Kleinen Tiergarten in Moabit.

© Klug

Am Freitag war der 40-jährige Zelimkhan K. mit zwei Schüssen getötet worden, als er auf dem Weg in eine Moschee zum Freitagsgebet war. Der Täter hatte sich seinem Opfer von hinten auf einem Fahrrad genähert und dann geschossen.

Die Waffe, seine Bekleidung und auch eine Perücke, mit der er sich getarnt hatte, warf er in die Spree. Stunden später nahmen Polizisten einen 49-jährigen russischen Staatsbürger fest – angeblich ein Tschetschene. Ein Richter erließ am Sonnabend Haftbefehl wegen Mordes. „Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe und macht von seinem Schweigerecht Gebrauch“, sagte Staatsanwaltssprecher Martin Steltner am Sonntag.

Verhandler für Islamisten

In der Wohnung des Mannes fand die Polizei eine große Menge Bargeld. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen inzwischen von einem Auftragsmord aus. Anfangs hatten die Ermittler noch ein Mordmotiv im persönlichen Bereich oder ein anderes „klassisch-kriminelles Motiv“ geprüft. Doch mittlerweile zeichne sich ein politisches Motiv ab, hieß es am Sonntag.

Der ermordete Zelimkhan K. hat eine interessante Biografie: Im August 2012 war er an einer Militäraktion im Nordosten Georgiens beteiligt. Islamistische Aufständische aus Dagestan hatten sich im Dorf Lapankuri in der georgischen Lopota-Schlucht tagelang Gefechte mit georgischen Spezialkräften geliefert. Dabei starben 14 Menschen. Zelimkhan K. hatte enge Beziehungen zum georgischen Innenministerium. Er stammte aus dem Pankisi-Tal, das sich in der Region befindet, und war in der muslimischen Bevölkerung dort gut vernetzt.

Zwischen Georgien und Russland herrscht seit Jahren ein angespanntes Verhältnis. Nach Angaben der georgischen Menschenrechtsorganisation EMC betrachtete der russische Geheimdienst FSB Zelimkhan K. als Terroristen, doch „die georgischen Sonderdienste“ hätten ihn wegen seiner ausgezeichneten Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten wiederholt um Hilfe gebeten.

Zelimkhan K. kämpfte im Tschetschenien-Krieg

Während der Gefechte vermittelte K. zwischen Innenministerium und Islamisten. Er hatte selbst im Tschetschenien-Krieg auf Seiten der Rebellen gegen die Russen gekämpft. Ob ihn die deutschen Behörden deshalb als islamistischen „Gefährder“ beobachteten, ist unbekannt.
Seit 2015 lebte er in Deutschland.

In Berlin-Moabit verkehrte er offenbar  in Moscheen, in denen sich Islamisten aus dem Kaukasus treffen – aus Inguschetien, Dagestan, aus Tschetschenien. Zu diesen Moscheen gehörte auch die inzwischen geschlossene Fussilet-Moschee, wo der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri ein und aus ging. 

Im georgischen Fernsehen äußern Bewohner des Dorfes Duisi, aus dem Zelimkhan K. stammte, eine Theorie: Sie vermuten, dass der russische Geheimdienst hinter der Tat steckt. Das glauben auch viele in der georgischen Community in Deutschland. Auf Facebook wird der Ermordete als Held gefeiert, der Georgien geliebt habe. „Deshalb wurde er auf Befehl der russischen Sonderdienste getötet und daher nicht von den georgischen Behörden geschützt.“ Belege dafür haben die Autoren allerdings nicht.

Nicht der erste Mordanschlag auf Zelimkhan K.

Auf Zelimkhan K. waren laut georgischen Medien bereits mehrere Mordanschläge verübt worden. 2009 versuchte jemand vergeblich, ihn zu vergiften. 2015 wurde er angeschossen, als er sein Haus verließ und gerade in sein Auto gestiegen war. Vier Projektile trafen seinen Arm.

Laut georgischer Community seien danach „auf wundersame Weise“ Videoaufnahmen verschwunden, die zum Täter hätten führen könnten. Der Fall blieb ungelöst. Nach dem Anschlag flüchtete Zelimkhan K. mit seiner Familie nach Deutschland, so dass er jetzt in Berlin eine Frau, fünf Kinder und einen Bruder hinterlässt.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Sonntag nicht weiter zu dem Mordfall äußern.   

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