Pläne für ein neues Leben

Atelier Teufelsberg

Kaufmann Schütte will aus dem einstigen Spionage-Ort eine Künstlerkolonie machen.

BK
Lesezeit 3 Min
Marvin Schütte ist der Herr auf dem Teufelsberg, der aus dem Spionage-Ort einen Kunst-Ort machen will.  

Marvin Schütte ist der Herr auf dem Teufelsberg, der aus dem Spionage-Ort einen Kunst-Ort machen will.  

© dpa

Dort herrscht seit zwei Jahren Marvin Schütte (37). Der Immobilienkaufmann hat das 4,8 Hektar große Areal gepachtet. Von einer Investorengemeinschaft, zu der auch Schüttes Vater Hanfried gehört.

Die alten Kuppeln der Abhörstation sind das Wahrzeichen vom Teufelsberg. 

Die alten Kuppeln der Abhörstation sind das Wahrzeichen vom Teufelsberg. 

© dpa

Die Investoren wollten einst ein Hotel und Luxuswohnungen auf dem Teufelsberg bauen. Doch das Projekt scheiterte. Ein Rückkauf des Areals durch das Land ist unmöglich. 15 Millionen Euro verlangten die Investoren, fast das Sechsfache des Preises, den sie zahlten.

Marvin Schütte plant keine Neubauten. „Wir wollen auf dem Teufelsberg nichts abreißen, wir wollen nicht Neues bauen“, versichert er. Es ginge auch nicht. Seit 2006 ist der Teufelsberg als Wald ausgewiesen. Schütte hat daher ganz andere Pläne. Er will aus dem Areal ein Museum zur Geschichte des Teufelsberges machen, einen Rückzugsort für ruhebedürftige Großstädter und für Künstler schaffen.
Schütte schwebt jetzt eine Art Künstlerkolonie vor. „Wir wollen keine Party, kein Highlife. Der Teufelsberg soll ein Ort der Entschleunigung, ein natürlicher Kulturort werden“, erklärt er seine Pläne.

In der Tat wirkt die einstige Abhörstation schon jetzt wie ein Kunstwerk. Die riesigen weißen Antennenkuppeln auf dem Berg sind längst verwittert. Wütend pfeift der Wind durch das Metallgerippe und zerrt an den verschlissenen Planen. Der Betonboden ist über und über mit Graffiti bemalt. Und auf dem übrig gebliebenen Bild einer US-Flagge wünschen Mickymaus-Figuren in Sprechblasen die Amerikaner zum Teufel. 

Im Innern der Abhörstation haben Graffiti-Künstler ihre Werke verewigt. 

Im Innern der Abhörstation haben Graffiti-Künstler ihre Werke verewigt. 

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Einige Künstler haben das Areal schon erobert. Ein zwischenzeitlicher Pächter lockte vor Jahren bereits Leute an, die an den Mauern des verwitterten Spionage-Tempels die wohl die größte Graffiti-Galerie Europas schufen.

Weitere Künstler folgten, die Schüttes Plan verwirklichen sollen, aus dem Teufelsberg ein großes Atelier zu machen. So hat der Berliner Mané Wunderlich einen Skulpturengarten mit Installationen und Flechtarbeiten geschaffen, für die er Altholz, Hopfen und andere Materialien aus der Gegend zusammentrug. Die polnische Künstlerin und Kräuterhexe Malgosia Bilderberge betreibt in einem rosa Antennenturm eine Praxis für „Wahrnehmungschirurgie“.

Besucher erfahren von Zeitzeugen, wie spioniert wurde.

Besucher erfahren von Zeitzeugen, wie spioniert wurde.

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Und der Künstler Isi von Kisie (47), Vater von acht Kindern und erfahrener Hausbesetzer, hat vorerst einen Job am Empfang der Spionage-Station gefunden. „Wir sind diejenigen, die vorleben, dass es funktioniert“, sagt er. „Hier kann jeder Künstler eine Arbeitsmöglichkeit bekommen und irgendwann auch Geld verdienen.“

Etwas Geld verdient man schon. Etwa mit den Besuchern, die die einstige Abhörstation sehen wollen. Acht Euro müssen sie für den Eintritt zahlen. 50 Euro kostet die Dauerkarte. Rund 25 000 Besucher waren es im vergangenem Jahr.

Die größte Attraktion ist für sie die Graffiti-Galerie im Hauptgebäude der einstigen Spionage-Station. Auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern sieht man auf Betonwänden und auf den Innenflächen der einstigen Antennenkugeln die grellbunten Werke von internationalen Streetart-Künstlern. Draußen gibt es dazu die atemberaubende Aussicht auf Berlin.

Aber nicht nur Besucher bringen Geld. Die Abhörstation wird auch an Film-Firmen vermietet, die die spektakuläre Kulisse nutzen. Etwa für den Vampir-Film „Wir sind die Nacht“. Zuletzt sah man sie im ZDF-Dreiteiler „Der gleiche Himmel“, in dem die Spionagestation quasi eine Hauptrolle spielt.

Im Herbst will Pächter Marvin Schütte seine Pläne dem Bezirk Charlottenburg vorlegen. Dann liegt es an Berlin, ob aus dem Teufelsberg künftig ein Mega-Atelier werden kann. Marvin Schütte hofft, dass seine Pläne genehmigt werden. 

(NW/NKK)

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