Pillen-Wahn

Nehmen Sie auch zu viele Pillen?

Immer mehr Berliner Senioren schlucken mehr Medikamente, als der Arzt erlaubt.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
„Mein Mann legt mir die Pillen jeden Abend zurecht!“ Traude Nöbel (87) aus Mitte nimmt jeden Tag 4,5 Tabletten: „Mein Mann muss mir meine Pillen jeden Abend zurecht legen.“ Sie findet, es sind zu viele. „Aber weil ich keine Osteoporose bekommen will, kaufe ich mir noch Kalktabletten“, sagt sie.

„Mein Mann legt mir die Pillen jeden Abend zurecht!“ Traude Nöbel (87) aus Mitte nimmt jeden Tag 4,5 Tabletten: „Mein Mann muss mir meine Pillen jeden Abend zurecht legen.“ Sie findet, es sind zu viele. „Aber weil ich keine Osteoporose bekommen will, kaufe ich mir noch Kalktabletten“, sagt sie.

© Sabine Gudath

Wer das Rentenalter erreicht, tauscht den Jobstress oft gegen Terminstress in Arztpraxen ein. Denn mit 65 sind Bluthochdruck, Diabetes und Herzkrankheiten weit verbreitet. Das macht dann gleich acht oder neun Pillen am Tag. Plus die Mittel, die sich viele noch von Fachärzten (Zahnarzt, Gynäkologe), in Apotheke oder Reformhaus holen.

Dr. Edda Würdemann von der Techniker Krankenkasse: „Viele Hausärzte ahnen nicht, was ihre Patienten eigenmächtig nehmen – etwa Schlafmittel.“

„Ich kann meinen Ärzten nicht mehr richtig vertrauen“ „Die Ärzte verschreiben zu viele Pillen“, so Herbert Stein (85) aus Mitte. Er nimmt insgesamt elf Tabletten gegen Bluthochdruck, Gicht und Wasser in den Beinen. „Mir wurde eine zu hohe Dosis verschrieben, ich musste ins Krankenhaus“, sagt er.

„Ich kann meinen Ärzten nicht mehr richtig vertrauen“ „Die Ärzte verschreiben zu viele Pillen“, so Herbert Stein (85) aus Mitte. Er nimmt insgesamt elf Tabletten gegen Bluthochdruck, Gicht und Wasser in den Beinen. „Mir wurde eine zu hohe Dosis verschrieben, ich musste ins Krankenhaus“, sagt er.

© Sabine Gudath

Und Patienten glauben fälschlich, sich etwas Gutes zu tun, wenn sie obendrein noch Baldrian und Nahrungsmittel-Ergänzer nehmen. Oder gar Mittelchen vom Arznei-Schwarzmarkt im Internet. Doch all das halten Stoffwechsel, Leber und Nieren dauerhaft nicht aus. Am Ende schaden die ganzen Pillen mehr, als sie je genutzt haben. Was tun? Würdemann: „Viele Apotheken bieten den Service, eingenommene Mittel mit der Priscus-Liste abzugleichen. Sie führt die potenziell für Senioren schädlichen Arzneien auf.“ Am besten wäre es natürlich, dem Hausarzt reinen Wein einzuschenken – und ihn zu fragen, was man besser weglässt. 

„Ich will fit bleiben. Deshalb schlucke ich so viele Pillen“ „Ich nehme drei Pillen vom Arzt. Gegen Bluthochdruck und für die Schilddrüse“, sagt Regina Sommer (79) aus Mitte. In der Apotheke kauft sie sich noch Magnesium und Vitamin D. „Die Menge nehme ich in Kauf, ich will fit bleiben.“

„Ich will fit bleiben. Deshalb schlucke ich so viele Pillen“ „Ich nehme drei Pillen vom Arzt. Gegen Bluthochdruck und für die Schilddrüse“, sagt Regina Sommer (79) aus Mitte. In der Apotheke kauft sie sich noch Magnesium und Vitamin D. „Die Menge nehme ich in Kauf, ich will fit bleiben.“

© Sabine Gudath

Wer aber nicht mehr weiß, was er so alles intus hat, kann seine Krankenkasse um eine Auflistung bitten. Das ist auch nützlich, wenn man zu einer OP muss: Die Ärzte sehen sofort, worauf sie etwa bei der Narkose achten müssen. Klasse wäre, so Würdemann, die Einführung eines Medikationsplans, der auf der Krankenkassenkarte gespeichert ist. Dann weiß jeder Arzt gleich alles. Grundsätzlich glaubt Würdemann nicht, dass Ärzte absichtlich zu viel verschreiben, um Geld zu machen. Mitarbeit: Sophia Kräge  

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