Piemont, La Palma, Irland

Berlins Spitzenpolitiker im Urlaubsfeeling

Wo die Politiker Urlaub machen und wie sie die Arbeit in der Auszeit regeln.

Annika Leister
Lesezeit 4 Min
Lieber am Strand liegen oder vorm Kaminfeuer? Wir haben Berlins Landespolitiker gefragt, wohin sie im Sommer reisen.

Lieber am Strand liegen oder vorm Kaminfeuer? Wir haben Berlins Landespolitiker gefragt, wohin sie im Sommer reisen.

© imago/Panthermedia

Sommerferien! In der Berliner Landespolitik fangen sie jetzt erst so richtig an. Denn in den nächsten zwei Wochen tagt der Senat nicht. Perfekte Zeit für Urlaub also?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn irgendwer muss den Laden ja am Laufen halten. Irgendwer muss zum Beispiel die neuste Idee des Regierenden kommentieren, wenn der aus dem Nichts in einer Diskussionsrunde in Wien plötzlich ein 365-Euro-Ticket für die BVG aus dem Hut zaubert. Ruft man in solchen Fällen die Fachpolitiker an, gehen sie alle ran: Der eine schreibt eine SMS von der Raststätte: Noch steuere er die Familienkutsche zum Urlaubsort, um 13 Uhr wechsle er den Fahrdienst mit der Frau. Ob man danach telefonieren könne? Ein anderer kann eigentlich nur kurz sprechen, ist im Urlaub auf Sylt, gleich beginne die Wattwanderung! Am Ende wird doch eine Viertelstunde draus. Müssen die Gummistiefel eben warten.

Wo versuchen Berlins Spitzenpolitiker zurzeit zu entspannen – und klappt es überhaupt mit der Auszeit, wenn die Arbeit ständig stört?

Kultursenator Lederer (Linke) wandert auf La Palma

Klaus Lederer, Kultursenator.

Klaus Lederer, Kultursenator.

© dpa

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) war früh dran: Ihn erwischt die Frage kurz vor dem Rückflug von der Kanareninsel La Palma. Zwei Wochen voller „Erholung, Wandern, Essen, Lesen und viel Spaß auf einem der schönsten Flecken der Erde“ lägen gerade hinter ihm, schreibt der laut Umfragen dauerhaft beliebteste Politiker Berlins. Und: Er habe möglichst wenig auf sein Handy geschaut – „drei, vier Kontrollblicke am Tag waren es dann aber doch“. 

Antje Kapek (Grüne) telefoniert auch am Strand in Kroatien

Antje Kapek (Grüne)

Antje Kapek (Grüne)

© Barbara Dietl

Anders sieht das bei den parteipolitischen Shootingstars dieses Sommers aus, die daran arbeiten, Lederer den Beliebtheits-Thron streitig zu machen: Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen, campt gerade mit ihrer Familie in Kroatien am Meer – und beantwortet am Strand auch Anrufe der Presse aus Berlin. Von 10 bis 18 Uhr schaue sie regelmäßig auf ihr Handy, Presse oder Mitarbeiter meldeten sich jeden Tag. „Aber Ausschlafen und auch Mal ins Meer springen sind trotzdem drin“, so Kapek.

Raed Saleh (SPD) lässt sein Handy im Ferienhaus

Raed Saleh, SPD-Fraktionsvorsitzender

Raed Saleh, SPD-Fraktionsvorsitzender

© Markus Wächter 

Ruhiger will es SPD-Fraktionschef Raed Saleh haben: Er fährt im Sommer mit seiner Familie für zehn Tage an die Ostsee. Dort spiele er mit den Kindern Frisbee oder Fußball am Strand. Einmal am Tag checke er dringliche Nachrichten auf seinem Handy, ansonsten bleibt der digitale Urlaubsverhinderer im Ferienhaus liegen. In Notfällen erreichbar ist Saleh dennoch: Die engsten Vertrauten in seinem Büro haben die Handynummer seiner Frau.  

Burkard Dregger (CDU) kocht und spült in Irland

Burkard Dregger, CDU-Fraktionschef

Burkard Dregger, CDU-Fraktionschef

© Markus Wächter

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger antwortet aus Irland, wo er für zwei Wochen mit seiner Familie in einem 500 Jahre alten Cottage an der Südküste entspannt. Die Abende verbringe man bei Kaminfeuer, rede und spiele viel gemeinsam. Ansonsten übernimmt Dregger die Hausarbeit – was sonst kaum möglich sei: „Ich verwöhne meine Familie“, schreibt er. „Ich koche, backe, spüle und räume auf.“ Emails und soziale Medien checke er täglich, beantworte aber nur das Nötigste.

Sebastian Czaja (FDP) schläft aus in Piemont

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja

© dpa/Britta Pedersen

Ähnlich versucht es Sebastian Czaja zu handhaben, Frationsvorsitzender der FDP: Ihn und seine Familie habe es in die Berge gezogen, zurzeit ins Salzburger Land, danach ins italienische Piemont, schreibt er. Dort schlafe er aus, wandere, teste neue Laufstrecken und schwimme. Das mache den Kopf „herrlich frei“. Maximal morgens, mittags und abends checke er sein Handy. Und beantwortet dann auch fix SMS wie meine zu nervigen Presseanfragen im Urlaub.

Pardon und danke an alle!

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