Ist jemand, der einen Fisch fängt und tötet, ein Tierquäler und ein Tiermörder? Ja, sagt zumindest die Tierschutzorganisation Peta. Sie unterstellt in ihrer neuen Internet-Kampagne „Angler in Sicht“ den Petrijüngern, dass diese gegen Gesetze verstoßen und rufen ihre Sympathisanten der Tierschützer auf, gezielt auch die Angler zu überwachen, sie mit Steinwürfen nahe des Angelplatzes und mit Wegnahme der gefangenen Fische zu stören. Peta hat mit der Kampagne nicht nur die Angelverbände erzürnt, sondern auch eine Diskussion zur Hobbyfischerei angestoßen. Aber wer darf eigentlich angeln, empfinden Fische Schmerz und ist Angeln eigentlich noch zeitgemäß? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Was ist Angeln?
Streng genommen gehen Angler auf die Jagd. Wie Jäger brauchen sie daher auch eine behördliche Erlaubnis. Der Fischereischein A. ist der Beleg, dass Angler geschult sind und Prüfungen abgelegt haben, um Fische laut den gesetzlichen Vorschriften fachgerecht zu fangen und zu töten. Wird ohne Erlaubnis geangelt, drohen in Berlin Bußgelder bis zu 50.000 Euro.
Jörg Strehlow hat einen Zander gefangen. Auch der Buchautor geht fischen.
© Jörg Strehlow
Wer darf angeln?
Jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet und die Erlaubnis hat. Kinder dürfen in Berlin nur in Vereinen unter Aufsicht angeln, können mit 12 Jahren den Jugendfischereischein machen.
Wie viele Angler gibt es?
Knapp fünf Millionen Hobbyfischer sind in Deutschland registriert. In Berlin und Brandenburg gibt es über 94.000 Angler in 1400 Vereinen.
Welche Fische gibt es?
In den Gewässern der Hauptstadtregion leben über 40 Fischarten. Dazu zählen Aale, Barsche, Plötzen, Hecht und Zander.
Darf man jeden Fisch angeln?
Nein. Laut der Berliner Landesfischereiordnung besteht unter anderem ein Fangverbot für Gründlinge, Schlammpeitzger und Neunauge. Sie sind bedrohte Arten, stehen unter Schutz. Schonzeiten gibt es für Hecht und Zander, sie dürfen nicht geangelt werden, wenn sie sich fortpflanzen. Für die schmackhaften Raubfische gelten auch Mindestmaße.
Auch der ehemalige Fußballer Patrick Owomoyela gehört zu den Hobbyfischern.
© zvg
Sie regeln, dass aus Gründen der Arterhaltung keine Jungtiere getötet werden. Jeder dieser Fische soll sich mindestens einmal fortpflanzen. Behörden kontrollieren, dass Angler sich daran halten.
Wer angelt eigentlich?
Der Berliner Fischerei-Experte Prof. Robert Arlinghaus von der Humboldt-Uni hat die Hobbyfischerei jahrelang untersucht. „Frauen und Männer quer durch alle Gesellschaftsschichten angeln. Meist, weil sie einen Fisch essen wollen. Für andere dagegen ist das Erlebnis in der Natur wichtiger als der Angelerfolg“, sagt er.
Es gibt aber auch Angler, die sich an einem großen Fisch erfreuen, Fotos machen, dann das Tier wieder ins Wasser setzen, weil sie es leben lassen wollen. Das sogenannte „Catch & Release“ ist in der Angelszene umstritten, für Peta Tierquälerei.
Der Angel-Professor
Robert Arlinghaus hat eine Professur für Integratives Fischereimanagement an der Lebenswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin inne.
© HU Berlin
Der Professor: Robert Arlinghaus hat eine Professur für Integratives Fischereimanagement an der Lebenswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Er erforscht daneben am Leibnitz-Institut die Bedeutung der Angelei in der Gesellschaft.
Sein Buch: Arlinghaus schrieb über die Petrijünger das Fachbuch „Der unterschätzte Angler“. Er sagt: „Angler und ihre Vereine setzen sich ehrenamtlich für den Gewässerschutz und für den Schutz der darin lebenden Tiere ein. Leider werden diese Leistungen von Naturschützern wenig anerkannt.“
„Dennoch wird das schonende Zurücksetzen im Fischereigesetz gefordert, wenn der Fisch nicht das vorgeschriebene Mindestmaß hat oder in der Schonzeit gefangen wurde“, so Arlinghaus.
Empfinden Fische Schmerzen?
Das ist die zentrale Frage. Denn mit dem Leiden der Fische, wenn sie am Haken zappeln, versucht Peta in ihrer Anti-Angler-Kampagne zu punkten. Es gibt Forschungen dazu, ob Fische Schmerzen empfinden. „Doch das ist nicht abschließend geklärt“, sagt Arlinghaus. Einige Experten gehen aber davon aus, dass Fische keine Schmerzen spüren, da ihnen die Großhirnrinde (Neokortex) fehlt, die beim Menschen für das Schmerzerleben verantwortlich ist. Selbst wenn Fische Schmerz spüren, sind Angler, schon per Gesetz keine Tierquäler, so Arlinghaus.
Er verweist auf Paragraf 1 im Tierschutzgesetz. Danach darf man Tieren nur dann Schmerzen oder Leiden zuführen, wenn dafür auch ein vernünftiger Grund besteht. „Dieser ist für den Angler, dass ihm der Fisch, den er geangelt und getötet hat, als Nahrung dient, er ihn essen will“, sagt der Professor.
Ist Angeln zeitgemäß?
„Gerade jetzt, wo die Gesellschaft verstärkt über nachhaltige, gesunde Ernährung diskutiert“, sagt Olaf Lindner, Sprecher des Deutschen Angelfischerverbandes DAFV.
Der russische Präsident Wladimir Putin lässt sich regelmäßig beim Angeln ablichten. Hier während eines Kurzurlaubs in der sibirischen Tyva Region.
© dpa/Alexei Nikolsky
„Es gibt nichts besseres als einen selbstgefangenen Fisch, der frisch aus der Natur auf den Teller kommt und nicht aus der Massentierhaltung.“ Peta propagiert dagegen eine fleischlose Ernährung.
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