Ehssan, mein Leibwächter
Mein persönlicher 1.-Mai-Moment ist der, dass ich zum ersten Mal einen persönlichen Leibwächter hatte. Unser treuer Leser Ehssan sah, dass ich beim Facebook-Live-Film-Machen von einem Teilnehmer der 18-Uhr-Demo bedroht wurde, weil ich gefilmt habe.
Auch mein Hinweis, dass ich von der Presse bin, half nichts. Ehssan, ein Rechtsreferendar und treuer Leser unserer Zeitung, setzte sich in die U-Bahn und kam zu mir. Er wich mir nicht mehr von der Seite und passte auf mich auf, so dass ich ungestört arbeiten konnte. Danke Ehssan!
Polizeireporter Andreas Kopietz
Ilfis Gözleme und der gute Protest
Er ist so ein bunter Strauß der 1. Mai: Protest gegen Kapitalismus und Foto-Leitern auf der Oranienstraße, die für einen Euro pro Selfie vermietet werden. Die ständig wiederkehrenden Sprechchöre zu den Bullenschweinen gehen mit nach einer halben Stunde im Demonstrationszug schon mächtig auf die Ketten, das, was eine Sprecherin der „Organize-Demonstration“ in Wedding am Mai-Vortag auf dem Lautsprecherwagen sagt, fällt auf fruchtbaren Boden: Es ist falsch, dass Menschen zittern müssen, ob sie ihre Miete noch bezahlen können. Gut, dass es Menschen gibt, die nicht glauben, dass alles so bleiben muss, wie es ist.
„Keine Revolution auf leeren Magen“ hängt als Bettlaken-Slogan hinter einem Stand beim Myfest, Ilfis Gözleme schmecken wunderbar.
Videojournalistin Frauke Hinrichsen
Spontane Raves statt Randale
Der 1. Mai in Kreuzberg ist politisch - zum Teil. Während die Linken bei der 18-Uhr-Demo lautstark gegen den Kapitalismus wettern, die Polizei beschimpfen und die Revolution ausrufen, feiern andernorts Berliner, Zugezogene und Touristen.
Und das Jahr für Jahr mehr - nicht nur auf dem Myfest, sondern drum herum in den Straßen und Parks. Im Görlitzer Park wird selbstgemachter Schnaps verkauft, gegrillt, an jeder Ecke getanzt. Spontane Raves entstehen, vor allem junge Menschen feiern ausgelassen - und friedlich. Der Görli gleicht einem Festival-Gelände. Das zeichnet inzwischen den 1. Mai in Kreuzberg aus. Die Zeiten der Randale sind vorbei.
Multimedia-Redakteur Dominik Mai
Schwachköpfige Krawalltouristen ohne politische Ziele
Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich zur Walpurgisnacht und am 1. Mai. Von Jahr zu Jahr nervt es immer mehr. Sinnlos vertane Lebenszeit wegen ein paar schwachköpfiger Krawalltouristen, die längst nicht mehr politische Ziele verfolgen. Sie wollen provozieren und können es aber nicht. Ihnen ist nicht klar, dass auch die Leute in Kreuzberg feiern und fröhlich seinen wollen und ihnen dieses Hin und Her auf die Nerven geht.
Ich wünsche mir am Tag der Arbeit einfach mal in Ruhe in Kreuzberg in einem Cafe zu sitzen und einen Gin Tonic zu trinken oder etwas anderes. Eins noch: Wer sich prügeln will, mit Steinen und Flaschen werfen will, soll sich auf dem Tempelhofer Feld treffen und sich dort austoben. Da kann der normale Bürger dann die Tore schließen und die Krawallbrüder sind unter sich.
Polizeireporter Lutz Schnedelbach
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