Besonders krass habe sich die Situation am Weinbergsweg entwickelt, wo ein Spätkauf ein beliebter Treffpunkt ist. So berichten es die Menschen, die in einer Anwohnerinitiative aktiv sind. Andreas Becker (50) habe in Sommernächten 200 bis 300 Leute erlebt, die bis in den Morgen feierten. „Ich habe Touristen beobachtet, die sich übergeben und auf die Straße urinieren“, sagt er. Seit 1997 betreibt Becker das „Circus Hostel“ am Weinbergsweg. „Wir erleben eine Explosion der 24-Stunden-Läden, in denen man billigen Alkohol kaufen kann“, sagt er. Er habe im Sommer allein im Umfeld vom Rosenthaler Platz 13 solcher Geschäfte gezählt.
Alkohol- und Drogenverbot im Hostel
Weil die BSR den Müll nicht bewältigt, engagierte er private Reinigungskräfte. Er regt sich auf: „Wir machen den Dreck der Nachbarn weg. Ich will nicht, dass der Platz zu einem regellosen Spielplatz wird oder eine Alkoholversorgungsstelle für die Innenstadt.“ Die „Initiative Weinbergsweg“, die Becker gründete, gibt es schon länger. Seit einigen Monaten ist sie aber stärker aktiv und macht Druck auf die Bezirkspolitik.
Musik an, Fenster auf: Und auf der Straße wird gefeiert – rund um den Rosenthaler Platz.
© Dieter H. Engler CC BY-NC-ND 2.0
Als Hostelbetreiber weiß Becker: Touristen wollen nicht nur saufen. Es kommen vermehrt Gäste aus aller Welt in allen Altersgruppen. Gerade Asiaten hätten ein hohes Sicherheitsbedürfnis, meint der 50-Jährige. „Die sind über die Saufgelage erschrocken. Es stimmt nicht, dass Hostel-Betreiber von Partytouristen profitieren. Das ist ein Vorurteil.“ In seinem Hostel bestehe Alkohol- und Drogenverbot.
Runder Tisch zum Rosenthaler Platz
Anwohnerin Gundula Lütgert ist ebenfalls in der Initiative aktiv. Sie habe nichts gegen Leute, die feiern. Doch es gehe nur noch um starken Alkoholkonsum. „Ich komme vor lauter Menschen nicht mehr in den Eingangsbereich der U-Bahn.“ Lütgert beklagt die Verwahrlosung – zum Beispiel durch weggeworfene Räder. „Hier wohnen Menschen, die Ruhe brauchen und morgens zur Arbeit müssen“, sagt sie.
Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) bestätigt die Probleme mit dem Späti im Weinbergsweg. Das Ordnungsamt setzt inzwischen durch, dass der Draußenbetrieb mit Tischen und Stühlen ab 22 Uhr beendet wird. Der Späti hingegen setzt sich mit einer Unterschriften-Aktion gegen das Ordnungsamt zu Wehr. „Die Touristen sitzen nicht nur bei uns, sie sind auch in den Hosteleingängen“, sagt Verkäufer Verysel Dertli. Wenn es den Anwohnern hier zu laut wird, dann sollten sie halt wegziehen, sagt der 59-Jährige. Und fügt hinzu: „Ich habe hier auch einen Job und eine Existenz.“
Das Bezirksparlament hat Donnerstag beschlossen: Es wird sich ein Runder Tisch zum Rosenthaler Platz gründen. BSR, BVG und Ordnungsamt werden an diesem Tisch zusammenkommen. Stephan von Dassel kündigt an: „Der Rosenthaler Platz bekommt einen Quartiersmanager, um die Lage zu verbessern.“
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