Party!
Am Vorabend des 1. Mai war mehr Politik auf der Straße zu sehen.
© dpa
Blumen-Damen verkaufen Hochprozentiges aus Mexiko.
© imago/Emmanuele Contini
Luftballons sorgten bei den Kleinen und Großen für gute Laune.
© imago/Emmanuele Contini
Umfallen ging nicht: Auf der Oranienstraße standen die Massen dicht gedrängt vor einer Bühne.
© dpa
Einhand-Tänzer überwinden die Erdanziehungskraft.
© dpa
Am frühen Nachmittag war im Göritzer Park tatsächlich noch Grün zu sehen.
© Getty Images
Ein buntes Zeichen der Versöhnung.
© dpa
Es war so voll, dass die Polizei mitteilte, selbst mit einem Fahrrad sei kein Durchkommen mehr. Autos waren ohnehin verbannt – und so wurden die Straßen zu Freilichtbühnen. Wer immer sich dazu berufen fühlte, zeigte seine Kunst: Tänzer, Turner, Trommler ... Vor dem großen Ansturm spielten Kinder auf der leeren Oranienstraße Fußball.
Das ganze Treiben war überlagert von Bässen aus Boxen, die irgendjemand hingestellt hatte – nur von den üblichen Schwaden bewusstseinserweiternder Kräuter war nichts zu spüren. Vielleicht wegen des Winds, vielleicht weil wenig gekifft wurde, vielleicht aber auch, weil vornehmlich türkisch Gebratenes seinen Wohlgeruch verbreitete.
Hoher Andrang führte zu Schließung von Zugängen
Der Görlitzer Park – abgezäunt und mit Zugangskontrollen (wie auf dem MyFest waren Glasflaschen verboten und durften nicht mitgebracht werden) – füllte sich zusehends: Wer drin war, um den Sonnenschein und das Musikangebot zu genießen, musste zwanzig Minuten anstehen, um ein Bier zu ergattern. Nach 16 Uhr wurden die ersten Zugänge geschlossen, weil zu viel Andrang herrschte. Die Polizei kreiste mit einem Hubschrauber über dem Bezirk, um sich einen Überblick über den Andrang zu schaffen – bei 12.500 Menschen im Park sollte niemand mehr hineingelassen werden. Kurz vor 17 Uhr wurden die Zugänge schließlich dichtgemacht. Wenn man sich nicht mehr bewegen kann, macht Freiluft-Tanzen auch keinen Spaß ... Allerdings kletterten Leute über die Park-Mauer.
Kritik zum MyFest und MaiGörli
Es gab auch Gemecker zum Beispiel über Twitter: Den einen war „MaiGörli“ zu teuer – vier Euro für ein Bier, das ginge gar nicht. Zwofuffzich für ein Sterni mochten Freunde des gepflegten Billig-Biers auf dem MyFest auch nicht löhnen. Drei Euro für eine schnöde Bratwurst unter den Porträts von Karl Marx und Che Guevara waren ebenfalls auch nicht gerade ein Schnäppchen – auch wenn „Workers of the World Unite!“ auf dem Banner stand. Ein schlauer Geschäftsmann bot an, auf einer Leiter Selfies mit Blick über die Massen zu knipsen – für 50 Cent ...
Grundsätzlicher fiel die Kritik von Anwohnern aus: „NotMyFest“ stand auf Transparenten an Hausfassaden, weil es Kontrollen und Absperrungen gab – man fühlte sich ausgesperrt, MyFest und MaiGörli seien kommerzielle Veranstaltungen, die sozialen Forderungen und revolutionären Anwandlungen zuwiderliefen. Mehrere Straßenschilder waren mit „Ballermann 36“ verhängt: Eine Kombination aus dem Malle-Saufstrand und der alten Postleitzahl „SO 36“ von Kreuzberg Nordost. Ein Twitterer höhnte, was der Kern der Party sei: „Rednerin: Wir wollen Solidarität. Saufpassant: „Wir wollen Bier.“
Die Befürchtung, Chaoten der „Revolutionären 1. Mai-Demo“ könnten das Fest sprengen, bewahrheiteten sich bis in den späten Abend nicht: Sie zogen nicht durch den Park.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com