Jennifer Weist (28), Front-Frau von „Jennifer Rostock“, und ein Freund (26) wurden jetzt Opfer der Serientäter. Dem Begleiter der Deutsch-Rock-Sängerin schlitzten sie den Hals auf. Er überlebte nur mit großem Glück.
Blutige Pflaster klammern die 15 Zentimeter lange Narbe am Hals des 26-Jährigen, lange Fäden hängen heraus. Es ist das blutige Ende einer Partynacht an der Warschauer Straße, Ecke Revaler Straße.
Dabei wollten die Sängerin der Rockgruppe „Jennifer Rostock“ und ihr Kumpel nur ein wenig feiern. Doch dann wurden sie wie viele andere Opfer eine brutalen Räuber-Bande.
Auf ihrer Internet-Seite schildert die Sängerin jetzt den Horror im Party-Kiez. Sonntagmorgen, 4.45 Uhr, hatten die beiden den Club „Astra“ auf dem RAW-Gelände verlassen, als plötzlich „zwei kleine Jungs“ versuchten, ihr die Geldbörse aus ihrer Gürteltasche zu stehlen. Doch die 28-jährige Sängerin bemerkte dies, woraufhin der 26-Jährige den Langfinger wegschubste. „In dieser Bewegung riss einer der beiden meiner Begleitung seine Kette vom Hals“, schreibt Weist auf ihrer Seite.
Als ihr amerikanischer Freund seinen Schmuck wiederholen wollte, eskalierte die Situation. „Drei andere Typen von der anderen Straßenseite“ kamen den Dieben zur Hilfe. Weist rief laut um Hilfe, doch es war bereits zu spät.
„Einer von ihnen zog ein Messer und verletzte meine Begleitung schwer am Hals. Alle Arterien waren schon freigelegt. Es fehlten nur ein paar Millimeter und er wäre direkt auf der Straße in meinen armen gestorben“, schreibt die Sängerin entsetzt. Sie blieb zum Glück unverletzt.
Weist erklärt weiter: „Meine Begleitung war weder aggressiv, noch hatte er vor, einen von ihnen zu schlagen.“ Die Sängerin habe an dem Sonntagmorgen noch zusammen mit der Polizei „alle möglichen Gassen abgesucht“, um die Täter zu finden. Dabei seien sie auf viele andere Menschen getroffen, denen auch „Sachen geklaut worden“ oder „die verletzt worden sind“.
Die Polizei bestätigte die schreckliche Tat. Tatsächlich gab es mehrere Überfälle auf Partygänger und Touristen rund um das RAW-Gelände.
In derselben Nacht wurden dort zwei 19-jährige Touristen aus Holland von mehr als einem Dutzend Männer angegriffen – auch sie hatten den Komplizen eines Diebs festgehalten, der daraufhin Verstärkung rief. Die Polizei prüft noch, ob es sich um dieselben Täter handelt.
Auch Promi-Drag-Queen Nina Queer ist geschockt, äußerte sich gestern im Internet: „Wer leben möchte, meidet das RAW-Gelände!
Das ist meine DRITTE (!) Freundin, die gerade so mit ihrem Leben davon gekommen ist! Das war am Samstag! Und es war einer von unzähligen Hardcore-brutalen Überfällen an diesem Wochenende!“
Tina K., die Schwester des Gewaltopfers Jonny K., merkte dazu an: „Es macht mich einfach so wahnsinnig traurig, dass unschuldige Menschen so etwas erleben müssen und dann im Nachhinein, gibt es nicht mal Täter, die man zur Verantwortung ziehen kann ...“
Die Polizei steht vor einem Problem. Seit zwei Jahren steigt der Drogenhandel in Friedrichshain-Kreuzberg rapide an. Zuletzt sind nun auch noch die Raubtaten und Taschendiebstähle sowie gefährliche und schwere Körperverletzungen angestiegen.
„Seitdem ist die Polizei Berlin verstärkt in diesem Bereich tätig“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf dem KURIER. Doch die personell eh schon gebeutelte Polizeidirektion 5 muss sich neben der Warschauer Straße auch mit dem Görlitzer Park herumschlagen.
„Allein in den ersten sechs Monaten 2015 wurde durch sie 234 Sondereinsätze durchgeführt“, erklärt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Auffälliger Trend: „Ein Großteil der dokumentierten Gewalt- und Diebstahltaten wurde durch Serientäter begangen, die teilweise auch mit Drogen handeln.“
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