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Für Gina Lückenkemper hängt nach ihrem Silberlauf in der Leichtathletik nichts zu hoch. Sie fühlt sich fit, künftig die Rolle als Frontfrau zu übernehmen und sich zu den existenziellen Fragen ihrer Sportart zu äußern. Das also, was derzeit Robert Harting erledigt.
Aber zuvor ist erst mal Party. „Leute, ich muss Euch sagen, geiler geht es nicht. 50 000 Zuschauer meinen Namen rufen zu hören, das ist brutal geil“, verkündete die kleine Sprinterin mit dem erfrischend großen Mundwerk nach ihrem grandiosen Rennen. Sie unterhielt und bespaßte die Fans im Olympiastadion, zog sie in ihren Bann. „Wir Sprinter sind ja auch Entertainer – born for the big stage“, sagte sie grinsend.
© dpa
No Gina, no Party – das haben sie auch im Deutschen Leichtathletik-Verband erkannt. In einer Zeit, in der die Granden wie Robert Harting und Christina Schwanitz mehr oder minder in der Endphase ihrer Karriere stecken, kommt Lückenkemper als frisches Gesicht gerade recht. „Für die deutsche Leichtathletik ist sie ein Geschenk des Himmels“, sagte der langjährige DLV-Präsident Clemens Prokop.
Und Lückenkemper füllt die ihr zugedachte Rolle perfekt aus. „Ich habe Spaß an meinem Job, Spaß daran, diese Freude nach außen zu tragen“, sagte sie während eines für sie typischen Redeschwalls. Lückenkemper spricht, wie sie läuft – unaufhaltsam. Und da dabei meist sogar sehr schlaue Sätze entstehen und obendrein ihre Leistung passt, bleibt das Gesamtkonzept stimmig.
Zu bewältigen, was in und rund um Berlin auf sie einprasselt, ist für eine 21-Jährige keine kleine Leistung. Den Druck der Öffentlichkeit, der beim Heimspiel ungleich größer als bei ihrem EM-Bronzelauf über 200 m vor zwei Jahren in Amsterdam war, verwandelte Lückenkemper in Motivation, das Finale verbrachte sie im mentalen Tunnel: „Ganz ehrlich – an das Rennen habe ich absolut keine Erinnerung mehr.“ Nur ihrer eigenen Stärke war sie sich stets bewusst: „Im Training habe ich mich zuletzt gefühlt wie der Hulk.“
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