Juliane M. ist 44. Sie arbeitet viel, hat jahrelang ihre inzwischen erwachsenen Kinder großgezogen. Viel Zeit für sich selbst gab es in diesen Zeiten kaum. Vor zwei Jahren ging außerdem ihre Ehe in die Brüche und nun ist sie eine geschiedene Single-Frau.Natürlich unternimmt sie viel, trifft Freunde und Bekannte, sorgt sich weiter um ihre Kinder – doch einen Partner findet sie nicht.
Damit ist Juliane M. nicht alleine. Viele Frauen, gerade in ihrem Alter, sind unfreiwillig ohne Partner und empfinden es als ziemlich schwer, einen neuen Mann zu finden. Daher suchen immer mehr professionellen Rat. Beispielsweise bei einem „Dr. Date“ wie Jochen Meyer. Er ist Single-Coach und Paarberater in Berlin.
Bundesweit gibt es inzwischen Hunderte solcher Experten, die helfen können, „Mister right“ kennenzulernen. Wie und warum es für Frauen über 40 meistens schwerer ist – wir verraten es.
Die Ursachen: Jochen Meyer: „Einerseits ist es tatsächlich das Eingebundensein in den Alltag. Viele sind berufstätig, oft haben sie auch Kinder, sind überdies alleinerziehend. Da bleibt nur ein sehr enges Zeitfenster für Gelegenheiten, jemanden kennenzulernen.“
Neben den wenigen Gelegenheiten spielt allerdings auch das eine Rolle, warum es nicht mehr so einfach ist: Ältere Frauen haben einfach höhere Erwartungen – reifere, ganz andere als jüngere Singles.
Meyer: „Die Frauen wollen qualitativ etwas Besseres, als das was sie schon hatten. Viele haben schon zumindest eine, wenn nicht mehrere längere Beziehungen, oder gar Ehe(n) hinter sich. Sie wollen nicht mehr das Gleiche. Sie wissen also genau, was sie nicht wollen.“
Doch, aufgepasst: Zu wissen, was man nicht will, ist zwar gut. Wichtiger ist es allerdings, sich auch klar zu werden, was man will, rät Meyer.
So kann Frau umdenken:
Meyer: Das sei ein oft notwendiger Prozess. Ein Prozess, der viel Auseinandersetzung mit dem Selbst erfordere. Seine These: Nur wer seine Erwartungen und Wünsche kennt, kann das finden, was er wirklich will. Frauen über 40 wünschen sich häufig, als „Gesamtperson“ gesehen zu werden – und im Herzen berührt zu werden.
Außerdem suchen reifere, erfahrenere Frauen oft nach einem Partner, der mit ihnen auf einer Augenhöhe stehe. Sie wollen mit ihm auf einer Wellenlänge sein.
Der Single-Coach: „Meine Klientinnen wollen keine Beziehungskisten. Beziehung ist für sie kein statisches Gefäß, sondern lebendig. Da muss Austausch stattfinden, auf allen Ebenen – seelisch-emotional, körperlich und geistig.“
Und daher stellt er ihnen oft vor allem diese Frage: „Glauben Sie daran, dass Sie jemanden finden?“ Das sei nämlich wichtig. Man brauche ein positives Bild von der nächsten Beziehung, das macht diese tatsächlich wahrscheinlicher.
Ganz wichtig: Denn wie Menschen die Dinge innerlich sehen, beeinflussen sie, wie sie von außen wahrgenommen werden. Eine positive, freudige Grundhaltung lässt einen strahlen. Das merkt das Umfeld – auch der potenzielle Flirtpartner.
Die wichtige Ausstrahlung :
Der Experte rät zu kleinen, bewussten Schritten. „Das Stichwort lautet Bewusstseinsbildung“, so Meyer. Er sagt seinen Klientinnen immer wieder, dass sie Ziele formulieren sollten. Sie sollten sich fragen, wo sie gerade im Leben stehen, wo sie hinwollen, was sie selbst mit in eine Beziehung bringen und was der zukünftige Partner beitragen sollte und könnte. Meyer: Wer so innerlich reinen Tisch mit sich selbst gemacht hat, kann selbstbewusst auf Partnersuche gehen.
Die Suche nach dem Richtigen:
Wo man am besten sucht, kann auch der Experte nicht eindeutig beantworten. „Da gibt’s kein Rezept. Für jede Frau ist das ein anderer Ort. Eine wichtige Grundregel ist aber: Dort hin zu gehen, wo man sich nicht wohlfühlt, ist nicht zielführend“, so Meyer. Wer also nicht gerne am Tresen von einer Bar sitzt, der sollte dort auch nicht nach einem potenziellen Neuen suchen.
Viel besser sei es, Dinge, die man auch alleine gern tut, mit der Partnersuche zu verbinden. Sie wollten schon immer einen Hochseilklettergarten ausprobieren? Tun Sie’s doch und trauen Sie sich, rät der Experte. Und Frau können sich auch gerne hübsch machen, wenn sie auf Männerfang gehen. „Nur nicht auftakeln“, lacht Meyer. Denn ein Fehler sei es auch, sich in Schale zu schmeißen, sich aber nicht mehr als sich selbst zu fühlen. Der Single-Coach predigt oft und gerne: Authentisch sein und bleiben, ist eines der wichtigsten Gebote bei der Partnersuche. Das einzige No-Go ist: Zu Hause zu bleiben und darauf zu warten, dass der Traummann irgendwann klingelt. Das wird er nicht!
Die Frau als Jägerin:
Zugegeben, Männer sehen sich gerne als Jäger und Sammler. Trotzdem heißt das nicht, dass Frauen artig warten sollten, bis sie endlich mal angesprochen werden, so der Berater. Er sagt: „Das ist eine Frage, die mir eigentlich immer gestellt wird: Darf ich als Frau auch einen Mann ansprechen?“ Seine Antwort: „Ja, natürlich!“ Zwar gibt es in der Coaching-Szene dazu geteilte Meinungen, doch ewig auf den alten Rollenbildern zu beharren, bringe heutzutage wenig. Schließlich gebe es auch viele schüchterne Männer.
Und wenn sich eine Frau nicht traut?
Jochen Meyer: „Blickkontakt herstellen ist auf jeden Fall nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Die Devise lautet: Mutig sein und einladend lächeln.“ Und natürlich entspannt lächeln. Wer’s so weit schaffe, habe auch bald ein erstes Date in der Tasche. Und wo sollte das stattfinden? Er rät: Am besten an einem öffentlichen Ort und erst einmal zeitlich begrenzt. Gut sei zum Beispiel ein Sonnabendbrunch im Café. Gar nicht gut käme dagegen ein Mitternachts-Date bei ihm oder ihr zu Hause.
Die Themen beim ersten Date:
Reden darf man eigentlich über fast alles. Absolute Rendezvous-Killer-Themen sind allerdings der Ex-Partner oder stundenlanges Skizzieren einer gemeinsamen Zukunft. Das hat bei einem ersten Kennenlernen nichts zu suchen. „Sprechen Sie über positive Dinge, loten Sie gemeinsame Interessen aus“, rät „Dr. Date“. Der Rest? Komme, wenn’s passt bald ganz von selbst!
Weitere Infos und Kontakt unter: www.jochen-meyer-coaching.de
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