Wie eine aktuelle Anfrage der Piraten ergab, wurden 2014 lediglich 53592 (147 pro Tag!) „Verstöße des unberechtigten Haltens oder Parkens in Zweiter Reihe“ erfasst. Spitzenreiter in der Park-Rambo-Rangliste ist übrigens der Westen: Charlottenburg-Wilmersdorf meldete rund 12000 Zweite-Reihe-Sünder. Auf Platz zwei liegt Neukölln (11750) gefolgt von Mitte mit 9230 Zweite-Spur-Rambos.
Darüber hinaus wurden in ganz Berlin 221523 Falschparker auf Rad- oder Gehwegen erwischt. Illegal Busspuren blockiert haben im vergangenen Jahr 18563 Park-Rambos.
Dass bei weitem nicht alle ein Knöllchen kriegen, die es auch verdient hätten, ist nicht nur eine Vermutung. So muss der Senat auf die Piraten-Frage nach der Kapazität der Ordnungsämter für die Jagd auf Zweite-Spur-Parker eingestehen: „In den zurückliegenden Jahren haben die bezirklichen Ordnungsämter zahlreiche weitere Aufgaben übertragen bekommen, ohne für deren Vollzug ergänzendes Personal erhalten zu haben.“ Durch „Geschäftsprozessoptimierungen und durch Entscheidungen der Politik“ solle diese Diskrepanz überwunden werden. Großartig, wa? Der Senat sagt, die Politik soll was tun!
Andreas Baum, Verkehrssprecher der Piraten, ortet Klientelpolitik: „Im Senat fehlt der Mut etwas zu ändern. Die Angst vor Maßnahmen, die bei Autofahrern unpopulär sein könnten, ist größer als der Wille zu einer modernen Verkehrspolitik.“ In genau diese – Stichwort Straßensanierung – könnte man das Geld stecken, das der Senat gerade auf der zweiten Spur liegen lässt. Dass es sich dabei wohl um Millionen handelt, macht der Blick auf die in den vergangenen 14 Monaten erhobenen Buß- und Verwarngelder deutlich. Allein von Zweite-Spur-Rambos kassierte man im Zeitraum von März 2014 bis Mai 2015 satte 1,4 Millionen Euro.
Heißt: Mit ausreichend Personal wäre da noch viel zu holen. Viel schwerer als die monetäre Komponente wiegt allerdings die moralische. „Der Senat bagatellisiert das Problem und beweist damit erneut, dass er keine realistische Vorstellung von Problemen im Radverkehr hat“, so Andreas Baum.
Die Falschparker in der zweiten Reihe sind eines der größten und gefährlichsten dieser Probleme. Waghalsige Ausweichmanöver führen beinahe täglich zu Unfällen mit schwer verletzten, immer öfter auch toten Radlern.
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