Pankower Anwohner und Stadtplaner lärmen

Bitte keine Kita in unserer Nachbarschaft!

85 neue Plätze sollen geschaffen werden - die Anwohner fürchten um ihre Ruhe.

Martin Klesmann
Lesezeit 2 Min
Klar, Kinder sind nicht immer leise. Aber das gehört zu einer Großstadt dazu.

Klar, Kinder sind nicht immer leise. Aber das gehört zu einer Großstadt dazu.

© Imago

Dieses geht nämlich davon aus, dass eine Kita in einem reinen Wohngebiet nur für maximal 25 Kinder Platz bieten darf. Deshalb wird der vorliegende Bauantrag abgelehnt. „Die laut Betriebsbeschreibung geplante Größe der Kita mit etwa 90 Kindern überschreitet diese Größe mehr als nur geringfügig und wird somit hinsichtlich der Nutzungsart nicht zulässig sein“, hat ein leitender Mitarbeiter dieses Amtes dem Betreiber bereits mitgeteilt und auf einen entsprechenden Paragrafen im Baugesetzbuch verwiesen. 

Geringe Platzreserven bei steigendem Bedarf

Es kommt noch dicker: „An dieser Stelle möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, dass Nachbarn Widerspruch gegen eine Genehmigung der Kita angekündigt und bereits eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht haben“, schreibt der Mann vom Stadtplanungsamt weiter. Schließlich sei das reine Wohngebiet zwischen Niederschönhausen und Wilhelmsruh geprägt von Einfamilienhäusern. Es ist ein exemplarischer Konflikt: In einer Stadt, in der immer mehr Menschen wohnen, stoßen verschiedene, oft gegensätzliche Interessen mit neuer Wucht aufeinander. Im konkreten Fall ist das ganze Projekt gefährdet.

Hier könnte eine Kita entstehen – wenn Amt und Anwohner nicht dagegen wären.

Hier könnte eine Kita entstehen – wenn Amt und Anwohner nicht dagegen wären.

© Gudath

Denn der Kita-Betreiber Camino plant auch noch einen Anbau an das Haus, um die nötigen Plätze zu schaffen. Liegt dafür bis Ende März keine Baugenehmigung vor, wird der abgeschlossene Kaufvertrag rückabgewickelt. Dabei ist der dringend benötigte Kitaplatzbedarf von der Senatsbildungsverwaltung amtlich festgestellt. Laut dem gültigen Kita-Bedarfsatlas fällt die Gegend in die Kategorie 3plus. Das bedeutet: Derzeit gibt es nur noch geringe Platzreserven bei steigendem Bedarf.

Ruhe oder Kita-Plätze?

Der Kita-Betreiber hat inzwischen ebenfalls eine Rechtsanwältin eingeschaltet, die der Auffassung des Stadtplanungsamtes widerspricht. „Von den anderen Wohngebieten unterscheidet sich das reine Wohngebiet dadurch, dass es nicht lediglich vorwiegend, sondern ausschließlich dem Wohnen dient“, schreibt Anwältin Nele Trenner. „Zum Wohnen gehört aber auch das Spielen von Kindern.“ Natürlich gehöre auch die Betreuung von Kindern in Kitas zum Wohnen.

Anders als das Stadtplanungsamt unterstützt das bezirkliche Jugendamt das Vorhaben. Gut möglich, dass am Ende der Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) selbst entscheiden muss, was hier wichtiger zu sein scheint: Tagsüber Ruhe für die aufgeregten Anwohner – oder 85 weitere Kita-Plätze im ziemlich rasant wachsenden Bezirk Pankow. 

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com