Streit um Quereinsteiger

Wie schlimm trifft der Lehrermangel unsere Kinder?

Gerade Brennpunktschulen werden zu viele Quereinsteiger zugeteilt.

Martin Klesmann
Lesezeit 2 Min
Quereinsteiger und Pädagogen protestieren am Freitag vor dem Amtssitz von Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

Quereinsteiger und Pädagogen protestieren am Freitag vor dem Amtssitz von Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

© Sabine Gudath

Rainer Pomp, 58, ist Historiker, schrieb früher Bücher. Jetzt unterrichtet er Neuköllner Kinder und muss nebenbei wieder studieren.

Rainer Pomp, 58, ist Historiker, schrieb früher Bücher. Jetzt unterrichtet er Neuköllner Kinder und muss nebenbei wieder studieren.

© Sabine Gudath

Pomp: „Der Wechsel an die Schule war natürlich eine Umstellung.“ Nicht nur das: Er studiert zusätzlich an einem eigens eingerichteten Seminar Deutsch und Mathe. Schließlich soll er den Kindern Schreiben und Rechnen beibringen. Und dann sollte er auch noch Klassenlehrer werden ...

Pomp war gestern einer von 70 Demonstranten, die vor der Bildungsverwaltung protestierten – vor allem Quereinsteiger, die an den Sonnen- und der Mörike-Grundschule in Neukölln arbeiten. Ihre Forderungen: Mehr Sozialarbeiter, mehr Sonderpädagogen, mehr echte Musiklehrer. Denn gerade an Schulen in sozialen Brennpunkten mit unterstützungsbedürftigen Kindern kommen die meisten Quereinsteiger an. Die Sonnen-Schule konnte zum Sommer nicht einen voll ausgebildeten Lehrer einstellen, die Mörike-Schule nur einen.

Brigitte Gajewski, 63, muss als reguläre Lehrerin die Quereinsteiger anlernen.  

Brigitte Gajewski, 63, muss als reguläre Lehrerin die Quereinsteiger anlernen.  

© Sabine Gudath

Florian Münch (36), der vor vier Jahren als Quereinsteiger an der Sonnen-Schule anfing: „Machen wir uns nichts vor: Wer ins kalte Wasser geworfen wird und unterrichten muss, der liefert nicht gleich die gewünschte Qualität“. Es seien so viele Quereinsteiger an der Schule, dass es kaum genug voll ausgebildete Lehrer gibt, um sie anzulernen.

„Es geht um elementare Grundlagen“, sagt Brigitte Gajeweski (63) eine der voll ausgebildeten Lehrerinnen an der Sonnen-Schule. Zu deren Einzugsgebiet gehört die Weiße Siedlung, eine der ärmsten Gegenden Berlins. Schon in der Vergangenheit zeigte das Kollegium bei der Schulaufsicht Überlastung an: „Eine unbegrenzte Integration verhaltensauffälliger oder lernbehinderter Kinder kann unter unseren Bedingungen nicht gelingen.“

Florian Münch, 36, war früher selbst Quereinsteiger, Er weiß, dass mehr Unterstützung nötig ist.  

Florian Münch, 36, war früher selbst Quereinsteiger, Er weiß, dass mehr Unterstützung nötig ist.  

© Sabine Gudath

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist sich der ungleichen Verteilung der Quereinsteiger bewusst. Man werde in den nächsten Wochen schauen, ob man Lehrkräfte noch umsetzen kann.

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